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Aktives Fondsmanagement

Der Reiz der Spezialitäten

Von Gerald Braunberger und Martin Hock
 - 08:09

In den vergangenen Jahren haben auch in Deutschland viele Anleger passive, an der Börse notierte Indexfonds (ETF) für sich entdeckt. Eine Grund sind die niedrigen Gebühren. Aber nun sehen Verwalter aktiver Fonds, die nicht heimlich versuchen, einen Index nachzubilden, sondern als Ergebnis eigener Analysen der Märkte eine individuelle Anlagepolitik zu betreiben, ihre Chancen wieder steigen.

„Nach meinen Beobachtungen wollen drei von vier institutionellen Anlegern eher die aktive als die passive Verwaltung von Aktienfonds ausbauen“, sagt Ralf Lochmüller, Mitgründer und Geschäftsführer der am Frankfurter Westhafen ansässigen Fondsgesellschaft Lupus Alpha. „Für sie spielt der Preisvorteil passiver Fonds keine so große Rolle.“

Große Nachfrage von institutioneller Seite

Ähnliche Erfahrungen macht die im Frankfurter Maintower ansässige Fondsboutique Chom Capital. Ihr auf europäische Aktien spezialisierter Fonds „Chom Capital Active Return Europe UI“ hat dank einer lebhaften Nachfrage vor allem institutioneller Anleger sein Volumen innerhalb weniger Jahre verfünffacht. Aus der Sicht des Unternehmen ist sein Volumen nun so groß, dass er für Neuanleger geschlossen wurde.

Mit dem Fonds hat die Gesellschaft seit seiner Auflegung eine jährliche Rendite von 14,7 Prozent im Jahr erzielt und damit deutlich besser abgeschnitten als der Stoxx-600-Aktienindex, der um 11 Prozent im Jahr zugelegt hat.

Am 24. September wird die von Martina Neske, Christoph Benner und Oliver Schnatz gegründete Fondsboutique einen auf europäische Spezialwerte ausgerichteten Fonds, den „Chom Capital Pure Small Cap Europe UI“, auflegen. Wiederum soll mit einer langfristigen, an einer genauen Analyse der Unternehmen ausgerichteten Anlagestrategie eine im Vergleich zu einem Aktienindex überdurchschnittliche Rendite erzielt werden.

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Eine solche aktive Anlagepolitik hat sich seit jeher auch Lochmüller verschrieben, der darauf hinweist, dass schon der Name seiner Gesellschaft, Lupus Alpha, mit dem Wort Alpha den Anspruch auf einen aktiven, nicht an Indizes ausgerichteten Investmentansatz ankündigt. „Wir suchen nach Anlagethemen, in denen passive Fonds keine große Rolle spielen werden. Im Bereich Small Caps sind wir schon lange, und Wandelanleihen haben wir im vergangenen Jahr in unser Angebot aufgenommen“, sagt Lochmüller. „Aber es ist nicht so einfach, weitere vielversprechende Nischen zu finden. Ich schaue mir viele Themen und Managementteams an, bin aber nicht von der Nachhaltigkeit vieler Ansätze überzeugt.“

Eine aktive Anlagepolitik beruht nach Lochmüllers Ansicht nicht nur auf der Analyse von Zahlen. „Künstliche Intelligenz wird auch in der Fondsbranche eine größere Rolle spielen“, sagt er voraus. „Seit unserer Gründung vor 17 Jahren haben wir unseren Research-Ansatz nicht geändert und machen nach wie vor 1000 Unternehmensbesuche im Jahr.“ Auf mehrere hundert Gespräche mit Vertretern von Unternehmen kommen auch die Mitarbeiter von Chom Capital.

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Wie sehen Zukunftsthemen aus, die es aktiven Managern gestatten könnten, attraktive Renditen zu erzielen? „In den vergangenen Jahren gab es eine starke Korrelation zwischen den einzelnen Anlageklassen. Das hat aktiven Fondsmanagern das Geschäft erschwert“, räumt Lochmüller ein. „Mit dem allmählichen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik sollte sich das wieder ändern. Wir gehen davon aus, dass die Korrelation zwischen den Anlageklassen abnehmen, die Volatilität an den Märkten aber wieder zunehmen wird. Damit wird sich das Umfeld für aktive Manager, Überrenditen zu erzielen, wieder verbessern.“

Bei Chom Capital verweist man auf eine seit langer Zeit überdurchschnittlich gute Entwicklung von Aktien kleinerer und mittelgroßer europäischer Unternehmen, die zudem zurzeit in einem guten wirtschaftlichen Umfeld stattfinden. Der Aktienmarkt befinde sich nicht in einer Phase der Euphorie, meint Benner. Die Bewertungen seien nicht übertrieben, und viele Anleger und Analysten hätten in den vergangenen Jahren die Gewinndynamik der europäischen Unternehmen unterschätzt.

Eine Analyse des europäischen Aktienmarkts zeigt nach den Berechnungen von Chom Capital, dass in der Vergangenheit gerade bei einer langfristigen Anlageperspektive die Aussichten von Spezialwerten besser als die von Standardaktien gewesen seien.

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Auch die in Erkrath ansässige Fondsgesellschaft Lingohr & Partner hat vor kurzem einen Nebenwertefonds aufgelegt. „Der Trend zum passiven Investieren führt zu einer Aufblähung der Index-Investments“, nennt Vorstandsmitglied Goran Vasiljevic einen Grund. „Zudem werden aus regulatorischen Gründen weniger Analysten die Unternehmen beobachten. Das Segment als Ganzes wird an Bedeutung verlieren.“

Man lernt dazu

Für Vasiljevic ist das kein Problem, sondern eine Chance. Denn die entstehenden Verzerrungen in der Bewertung lassen sich ausnutzen. „Irgendwann wird der Markt eine Fehlbewertung zur Kenntnis nehmen und sich diese auflösen. Da wir uns nicht an einem Vergleichsindex orientieren, sind wir auch nicht unter Druck, kurzfristig Erfolge vorweisen zu müssen.“

Auch die allgemeine Wirtschaftsentwicklung spreche derzeit wieder für Substanzaktien. Steigende Zinsen und größere Unsicherheit ließen Investoren eher nach stabileren Werten suchen. „Wir sind Substanzinvestoren aus Überzeugung“, sagt Vasiljevic. „Aber vor sieben Jahren hatte der Markt im Wesentlichen unsere Ansichten geteilt. Deswegen konnten wir einige Jahre nur mit diesem mitlaufen.“

Darauf habe man nun reagiert und das hauseigene Modell Chicco angepasst. Zu wenig habe man der Bewertung von Substanzaktien im Zeitablauf Beachtung geschenkt. „Value-Aktien waren zu teuer, auch wenn sie günstig waren“, beschreibt es Vasiljevic leicht paradox klingend. Daher achte man heute mehr auf die Relationen in der Bewertung.

Vor zehn Jahren seien Substanzaktien mit dem 13- bis 14--fachen des erwarteten Gewinns bewertet gewesen, Wachstumsaktien mit dem 18- bis 19-Fachen. Denn Wachstumsaktien hatten enttäuscht, also hatten sich die Anleger auf Substanztitel gestürzt. Heute sei es umgekehrt. Auch Lochmüller sieht diesen Trend zu Wachstumsaktien: „Wir haben eine unglaublich lange Phase einer starken Performance der Wachstumsaktien gesehen. Vielleicht geht das noch einige Zeit weiter, aber das kann auf Dauer nicht so bleiben.“

Vasiljevic meint: „Es ist immer eine Diskrepanz zwischen Erwartungen und Realität. Seinerzeit lief Value gut, und alle haben erwartet, dass es so weitergeht. So wurden immer höhere Bewertungen akzeptiert, bis die Enttäuschung kam. Jetzt haben Wachstumsaktien geliefert.“ Derzeit seien nur noch 7 Prozent Substanzinvestoren im Markt. Das spiele Lingohr in die Hände.

Derzeit werben allerdings immer noch viele Fonds damit, substanzorientiert zu sein. „Irgendwo ist jeder ein Value-Investor“, sagt Vasiljevic. Das gelte auch für Momentum-Strategien, die auf Trends setzen. Ohne Unterbewertung baue sich auch kein Momentum auf. Im Grunde wolle ja jeder etwas unter Wert kaufen. „Es fragt sich nur: Was versteht man unter ,Wert‘?“

Quelle: F.A.Z.
Gerald Braunberger
Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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