Nebenwerte im Portrait (8)

Baywa und die Landwirtschaft der Zukunft

Von Christoph Scherbaum
 - 13:33

Der Münchner Agrarhändler Baywa stand zuletzt vor allem wegen eines Briefs seines Chefs Klaus Josef Lutz an die Deutsche Börse im Fokus. In diesem Brief wurden seitens des Unternehmens die Kriterien hinterfragt, die die Deutsche Börse für die Indexzusammenstellung anwendet. Diese hatten nämlich letztlich dazu geführt, dass Baywa den Kleinwerteindex S-Dax verlassen musste. Während dieser Denkanstoß in der jüngsten Finanzberichterstattung viel Raum einnahm, konnte man schon fast übersehen, dass Baywa noch sehr viel mehr für Anleger zu bieten hat.

Baywa ist mittlerweile nicht mehr nur im Agrarsektor tätig. Zum Geschäft gehören auch die Bereiche Bauwirtschaft und Energieversorgung. Die Kernkompetenz von Baywa ist aber das Segment Agrar, das mehr als 70 Prozent des Umsatzes ausmacht. Hier zählt man zu den zehn größten Agrarhändlern weltweit. Baywa ist vor allem groß im globalen Obsthandel und steht seit seiner Gründung im Jahr 1923 für Kontinuität. Denn seit fast 100 Jahren hat Baywa noch nie rote Zahlen geschrieben und zeichnet sich zudem seit mehr als zwei Jahrzehnten unter anderem durch eine kontinuierliche Dividendenpolitik aus. Faktoren, die in Zeiten von Niedrig- und Starfzinsen bei jedem Aktionär gut ankommen.

Landwirte investieren wieder

Daher werden Anteilsinhaber auch relativ entspannt das Tief des vergangenen Jahres mitgenommen haben, das jetzt der Konzern hinter sich gelassen hat. Nicht umsonst hat das Management für das zweite Halbjahr 2017 eine Belebung des Agrarhandels und eine gestiegene Investitionsbereitschaft der Landwirte in Aussicht gestellt. Außerdem profitiert das Unternehmen von der guten Konjunktur, so dass Umsatz und Ebit im Jahr 2017 weiter verbessert werden sollen.

Die verbesserten Aussichten haben letztlich auch dazu beigetragen, dass sich die Baywa-Aktie zuletzt deutlich erholen konnte. Dieses Börsenumfeld hat das Management gleich genutzt, um eine Hybridanleihe erfolgreich am Markt zu plazieren. 300 Millionen Euro flossen dabei in die Unternehmenskassen. Auf diese Weise wurde der finanzielle Spielraum ausgeweitet, um beispielsweise Investitionen zu tätigen. Dabei hat Baywa gleich mehrere Felder im Blick:

Neben einer stärkeren Internationalisierung wird der Handel mit Spezialitäten wie zum Beispiel Hopfen, Biogetreide, Obst und Fruchtgemüse vorangetrieben. Auf diese Weise ist das Unternehmen weniger anfällig für Preisschwankungen bei klassischen Agrar-Produkten wie Getreide, Mais und Soja. Auch der Bereich Digitalisierung der Landwirtschaft wird konsequent vorangetrieben.

Zudem profitiert Baywa vom Wachstumsmarkt Erneuerbare Energien. Gerade dieser Bereich trug zuletzt in besonderer Weise zum Unternehmenswachstum bei. Angesichts immer knapper werdender Ressourcen dürfte seine Wichtigkeit nur zunehmen. Die Aktie von Baywa ist keineswegs ein Wertpapier, das fortwährend im Fokus der Analysten und somit auch der Spekulanten ist. Dies ist ein Vorteil.

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Das Unternehmen kann in Ruhe arbeiten und Aktionäre können sich unter anderem an einer soliden Dividendenpolitik erfreuen. Für 2018 ist eine Dividendenrendite von mehr als 3 Prozent in Aussicht. Dass das 2018er-KGV bei knapp 14 liegt, mag da nur kurzfristig agierende Anleger abhalten. Denn Baywa ist mit der Kombination Agrar und Digitalisierung im Verbund mit E-Commerce-Aktivitäten und der damit verbundenen mittel- und langfristigen Strategie eher etwas für Anleger, die ein bisschen auf die Devise „Hold and buy“ setzen.

Quelle: FAZ.NET
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