FAZ plus ArtikelHohe Risikokosten

Zwei Banken ächzen besonders unter Schiffskrediten

Von Hanno Mußler
 - 21:07

Den europäischen Banken steht ein neuer Stresstest ins Haus. Und wie schon beim letzten Test auf Widerstandsfähigkeit durch die Bankenaufsicht dürfte auch in diesem Herbst den Schiffskrediten in den Bankbilanzen eine der Schlüsselrollen zukommen. Sind die Darlehen an Reeder und zur Finanzierung von Schiffen richtig bewertet? Haben die Banken ausreichend auf die nun schon zehn Jahre andauernde Krise der maritimen Wirtschaft reagiert, auf die hohe Unsicherheit darüber, ob sie ihre Kredite mit Zins und Tilgung zurückgezahlt bekommen? Wie stark würde das Eigenkapital der Banken gedrückt, wenn jetzt weitere Wertkorrekturen auf die Kreditforderungen verlangt würden?

Unter den deutschen Banken stehen bei diesen Fragen rund um die Schiffsfinanzierung NordLB und DZ Bank im Mittelpunkt. Die Landesbank in Hannover belasten Schiffskredite schon lange. Bis heute hat die Nord LB das Problem zwar verkleinert, aber nicht lösen können. Das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, die DZ Bank, tat hingegen lange so, als habe ihr Schiffsfinanzierer DVB Bank ganz andere, weniger riskante Schiffe finanziert. Während die HSH Nordbank und die Commerzbank schon jahrelang litten, erreichte die Schifffahrtskrise die Bilanz der DZ Bank erst, nachdem die Fusion mit der WGZ Bank zur Jahresmitte 2016 vollzogen war. 2016 brockte die DVB der DZ Bank Verluste von 285 Millionen Euro ein, im Jahr 2017 drückte die DVB den Gewinn der DZ Bank sogar um 728 Millionen Euro. Ein schon in der Vergangenheit mehrmals gescheiterter Verkauf der ganzen DVB Bank, den die Investmentbank Goldman Sachs jetzt abermals als Option vorgeschlagen hatte, ist gescheitert. Nun will die DZ Bank den Kreditbestand der DVB Bank von insgesamt 19,4 Milliarden Euro, zu dem Schiffe 9,4 und Flugzeuge 6,1 Milliarden Euro beitragen, in einzelnen Tranchen loswerden.

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Quelle: F.A.Z.
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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