Aktie im Blick: Starbucks

Warten auf die Edelcafés

Von Norbert Kuls, New York
 - 14:43

Die amerikanische Kaffeerevolution ist gar nicht alt. Noch vor 25 Jahren war Kaffee in Amerika weitgehend aufgewärmte braune Brühe, die in Diner-Restaurants großzügig nachgeschenkt oder von Pendlern aus blauen Pappbechern geschlürft wurde. Die Kaffeehaus-Kette Starbucks hat das gründlich verändert. Inspiriert von der Kaffeekultur Italiens, machte der New Yorker Vertriebsfachmann Howard Schultz, der in den späten achtziger Jahren die 1971 in Seattle gegründete Marke übernommen hatte, Espresso und Cappuccino a lá Starbucks in drei Jahrzehnten zu einem flächendeckenden Phänomen.

Starbucks expandiert seit den späten neunziger Jahren auch international und eröffnete 2002 die ersten Filialen in Berlin. In diesem Jahr wird sich der Kreis schließen, wenn Starbucks – mit mehr als 28 000 Standorten in 75 Ländern vertreten – erstmals eine Filiale in Mailand eröffnen wird.

An der Börse war Starbucks lange ein Wachstumsgarant. Allein seit Ende des Wirtschaftskrisenjahres 2008 hat sich der Aktienkurs mehr als verzwölffacht – der Kurs ist in dieser Zeit viermal so stark gestiegen wie das breit gefasste Aktienbarometer S&P 500. In den vergangenen drei Jahren hat sich das Wachstum allerdings deutlich abgeschwächt, was nach Einschätzung von Analysten mit einem Überangebot von Filialen zusammenhängen könnte. Starbucks hat in den vergangenen drei Jahren im Heimatmarkt mehr als 2000 neue Cafés eröffnet.

1000 Edel-Filialen geplant

Mit fast 14.300 Filialen hat Starbucks jetzt mehr amerikanische Standorte als die Schnellrestaurantkette McDonald’s, die Starbucks seit einigen Jahren im Kaffeegeschäft Konkurrenz macht. „Im amerikanischen Kaffeemarkt gibt es mehr und mehr Filialen, und es wird schwierig, genügend Kundenverkehr zu generieren“, sagte John Zolidis, Geschäftsführer der Analysegesellschaft Quo Vadis Capital. „Wenn sie im gleichen Tempo Filialen eröffnen, wird die Kannibalisierung intensiver werden.“ Mit anderen Worten: Starbucks-Filialen machen sich mittlerweile selbst Konkurrenz.

Der stärkste Befürworter der Expansion geht jetzt von Bord. Howard Schultz, der zuletzt den Verwaltungsrat leitete und sich um die geplante Expansion von Edelfilialen kümmerte. Schultz wollte damit der Gefahr nachlassender Kundenfrequenz in vom Online-Handel bedrohten Einkaufszentren begegnen, wo Starbucks viele Filialen betreibt. Starbucks will bis zu 1000 Filialen eröffnen, die unter der Marke „Reserve“ seltene und exotische Kaffeesorten und italienische Backwaren anbieten. Bislang gibt es nur in Seattle eine Reserve-Filiale. Nach Einschätzung von Analysten dauert die Einführung länger als erwartet. Starbucks dementiert das.

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Howard SchultzWill der Ex-Starbucks-Chef Trump ablösen?

Der Aktienkurs von Starbucks hat auf den in dieser Woche angekündigten Rückzug von Schultz zunächst mit deutlichen Verlusten reagiert, sich danach aber rasch wieder erholt. Schultz, der mit einer Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2020 liebäugelt, war auch die treibende Kraft hinter der für ein Unternehmen höchst ungewöhnlichen Reaktion auf einen rassistischen Vorfall in einer Filiale. Nachdem eine Starbucks-Mitarbeiterin im April die Polizei gerufen hatte, weil zwei Afroamerikaner im Café saßen, aber nichts bestellten, schloss Starbucks Ende Mai 8000 Filialen und hielt Schulungen ab, um die Angestellten zu sensibilisieren. Die beiden Männer, die sich mit einem Geschäftspartner verabredet hatten und mit ihrer Bestellung noch auf dessen Eintreffen warten wollten, waren in Handschellen abgeführt worden. Das im Internet geteilte Video der Polizeiaktion hatte Proteste und Boykott-Drohungen ausgelöst.

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Anti-Rassismus-TrainingStarbucks schließt tausende Filialen

Enttäuschte Anleger

Obwohl der Rücktritt von Schultz nach Einschätzung des Analysten RJ Hottovy von der Gesellschaft Morningstar eine Reihe von Fragen zur Zukunft des Unternehmens aufwirft, rät er Investoren zur Zuversicht. „Wir halten die Ersatzbank von Starbucks für eine der stärksten der Konsumgüterbranche“, schreibt Hottovy. Die erfahrenen Manager hätten jetzt die Chance, aus dem Schatten von Schultz herauszutreten und wichtige Initiativen voranzubringen, darunter stärkeres Umsatzwachstum in Amerika und die Umsetzung der Expansionspläne in China.

Hottovy hält die Aktie unter anderem auch wegen der für die Jahre 2018 bis 2020 erwarteten Aktienrückkäufe im Volumen von 20 Milliarden Dollar mit einem Kurs von 68 Dollar für fair bewertet. Damit unterstellt er potentielle Kursgewinne von knapp 20 Prozent. Im Durchschnitt prognostizieren Analysten an der Wall Street etwas geringere Kursaufschläge um 12 Prozent auf 64 Dollar.

Die jüngsten Quartalsergebnisse lagen etwas über den Erwartungen der Analysten, hatten Anleger aber dennoch enttäuscht. Starbucks hatte ein Umsatzwachstum von 2 Prozent bei Filialen ausgewiesen, die mindestens ein Jahr geöffnet haben. Für die zweite Jahreshälfte prognostiziert Starbucks, das neue Menü-Optionen bietet, ein Wachstum von 3 Prozent. Analyst Gregory Francfort von der Bank of America bezeichnete das als „klar“ positiven Faktor. Auf dem Weg dahin hat der Kaffeehaus-Konzern in dieser Woche weitere Maßnahmen ergriffen. Kunden müssen für einen Pappbecher Starbucks-Kaffee jetzt bis zu 20 Cent mehr berappen.

Quelle: F.A.Z.
Norbert Kuls
Freier Autor in der Wirtschaft.
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