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Technische Analyse

Der österreichische ATX klettert und klettert

Von Achim Matzke
 - 11:52
Nicht nur die Voestalpine-Aktie ist derzeit im ATX ein Kauf. Bild: dpa, F.A.Z.

Vor den am 15. Oktober anstehenden Nationalratswahlen in Österreich präsentiert sich der führende österreichische Aktienindex, der ATX, in einer guten technischen Gesamtverfassung, wobei weiter steigende Kurse nicht überraschen sollten. Neben den internationalen Impulsen aufgrund der intakten Hausse an den amerikanischen Aktienbörsen und in vielen europäischen Aktienindizes regt auch diese Wahl zur Phantasie an, da sich nach vielen Jahren mit einer großen Koalition (bestehend aus SPÖ und ÖVP) diesmal andere Regierungskonstellationen andeuten.

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Mit Blick auf die technische Lage bei ausgewählten österreichischen Einzelaktien sind der Öl- und Gaskonzern OMV, der Stahlkonzern Voest Alpine und als Sanierungskandidat die Versicherung Uniqa Insurance Group hervorzuheben. Beim Industriekonzern Andritz und beim Lichtspezialisten Zumtobel Group sollte das Auftreten von Kaufsignalen abgewartet werden.

Der ATX (Austrian Traded Index) ist ein Kursindex und umfasst die 20 liquidesten österreichischen Aktien von der Wiener Aktienbörse. Im ATX, der am 2. Januar 1991 bei 1000,0 Punkten startete und für den noch weiter zurückliegende Daten vorhanden sind, werden die Aktien nach dem Streubesitz gewichtet. Der Anteil der Bank-, Versicherungs- und Immobilienaktien beträgt zirka 50 Prozent. Die Kursentwicklung seit Anfang 1991 kann in fünf technische Phasen eingeteilt werden. Zuerst – nach dem Kursaufschwung bis zum März 1990 bis auf 1737 Punkte – kam es zu einer vierzehnjährigen Seitwärtspendelbewegung zwischen der Unterstützung um 700 Punkte und der Widerstandszone um 1740 Punkte.

Hierbei hatte sich noch eine Kernhandelsspanne von 1000 bis 1300 Punkten ergeben. Im Jahr 2004 war der Index mit einem übergeordneten Kaufsignal aus dieser Seitwärtspendelbewegung herausgelaufen, und die zweite technische Phase (eine technische Bilderbuch-Hausse) führte den Index bis auf neue Rekordhochs um 5010 Punkte (Juni 2007). Die dritte technische Phase war eine Baisse um die Finanzkrise, die den ATX bis zum März 2009 bis auf zirka 1380 Punkte gedrückt hat.

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Die vierte technische Phase war wieder einer jahrelange Seitwärtspendelbewegung (von 2009 bis 2017). Hierbei hatte sich in den letzten fünf Jahren eine Handelsspanne mit der Unterstützungszone von 1850 bis 2000 Punkten und der Widerstandszone um 2750 Punkte ergeben. Zum Jahreswechsel 2016/2017 war der Index mit einem übergeordneten Kaufsignal aus dieser Handelsspanne herausgelaufen, so dass jetzt die fünfte technische Phase, wieder eine Hausse, ansteht. Auch wenn der Index aufgrund der Kursgewinne in den vergangenen Wochen eine kurzfristig leicht überkaufte Lage aufweist, so sollte das nächste mittelfristige technische Etappenziel im Test der Widerstandszone von 3600 bis 3700 Punkten (sie stammt aus den Jahren 2006/2007) liegen.

Bei OMV bietet sich Doppelstrategie an

OMV hatte von 1998 an und ab einem Kursniveau um 6,70 Euro eine Hausse-Bewegung durchlaufen. Diese führte zu Spitzenkursen um 60,70 Euro (März 2006; Widerstandszone). In den Jahren 2006 und 2007 kam es zu einer Seitwärtsbewegung unterhalb der Widerstandszone, die den technischen Charakter einer Top-Formation aufwies. In der Finanzkrise kam OMV dann mit mehreren Verkaufssignalen unter Druck und brach bis auf Kurse um 16,60 Euro ein. In den Folgejahren hielt sich die Aktie schwerpunktmäßig in der Handelsspanne von 20 Euro bis 30 Euro auf. Zum Jahreswechsel 2016/2017 ist die Aktie von OMV mit einem übergeordneten Kaufsignal sowohl aus dieser Handelsspanne als auch aus dem Baisse-Trend, der seit dem Jahreswechsel 2007/2008 vorlag, herausgelaufen. Damit liegt eine neue Hausse-Bewegung vor. Die erste, sehr ausgeprägte Kursrally hat die Aktie bis auf ein Kursniveau um 50,50 Euro (Mai 2017; neue Widerstandszone) geführt.

Seitdem befindet sich die Aktie in einer Konsolidierung unterhalb dieser Widerstandszone. Da diese Konsolidierung aus mittelfristiger technischer Sicht einen trendbestätigenden Charakter nach oben aufweist, sollte es nicht überraschen, wenn OMV in den kommenden Wochen ein weiteres Kaufsignal (Sprung über 50,50 Euro) nachliefert und dann in Richtung der alten Rekordhochs (um 60,70 Euro) läuft.Deshalb bietet sich bei OMV, die aktuell eine jährliche (Brutto-)Dividendenrendite von circa 2,5 Prozent aufweist, eine technische Doppelstrategie an: zuerst der Aufbau einer Anfangsposition auf dem aktuellen Kursniveau, wobei diese Position einen strategischen Sicherungsstopp bei 40,00 Euro erhält. Sollte OMV mit einem Kaufsignal (Kurse über 50,00 Euro) nach oben anspringen, bietet sich ein Ausbau dieser Position an.

Voestalpine ist ein (Zu)Kauf

Die Aktie von Voestalpine hatte von Februar 2002 (Kurse um 5,30 Euro) bis zum Juli 2007 und Kursen um 67 Euro eine feine technische Hausse durchlaufen. Diese wurde dann aber in der Finanzkrise von einer feinen technischen Baisse und einem Kursrutsch bis auf ein Kursniveau um zirka 9 Euro (März 2009) abgelöst. Von 2009 bis zum Juli 2011 kam es bei der Aktie zu einer ausgeprägten Kurserholung bis auf ein Kursniveau um 39,40 Euro.Insgesamt bewegte sich die Aktie aber bereits seit dem Jahr 2010 in einer Seitwärtspendelbewegung mit der gestaffelten Unterstützungszone um 22 Euro und einer gestaffelten Widerstandszone von 40 Euro bis 42 Euro.

Der in Voestalpine vorliegende Aufwärtstrend, der im Februar 2016 an der Unterstützungszone startete, hat die Aktie bis zum Februar 2017 zunächst bis an die Widerstandszone geführt. Aufgrund der danach folgenden Konsolidierung direkt unterhalb dieser Widerstandszone war somit eine mittelfristig neutrale Position entstanden. Zuletzt ist die Aktie mit einem neuen Kaufsignal über diese sechsjährige Widerstandszone gelaufen, so dass sich der mittelfristige Hausse-Trend mit einem technischen Etappenziel von 47 Euro bis 48 Euro fortsetzen sollte. Aufgrund dieser technischen Gesamtsituation stellt Voestalpine, die aktuell ebenfalls eine jährliche (Brutto-)Dividendenrendite von circa 2,5 Prozent aufweist, einen technischen (Zu-)Kauf dar.

Uniqa ist ein technischer „Turnaround-Kandidat“

Beim Versicherungskonzern Uniqa Insurance Group (kurz Uniqa) ist es in den vergangenen Jahren durch mehrere Kapitalmarktaktivitäten zu einer Anhebung des Streubesitzes gekommen, so dass jetzt eine deutlich erhöhte Handelbarkeit für Investoren vorliegt. Aus technischer Sicht ist diese Aktie ein „Turnaround-Kandidat“. Ausgehend von Kursen um 30 Euro im Jahr 2006, war die Aktie Mitte 2007 aus der damaligen technischen Top-Formation mit einem Verkaufssignal herausgefallen. Als Konsequenz etablierte die Aktie eine Baisse-Bewegung, die sich im Laufe der Jahre zu einem Baisse-Kanal ausweitete. Das Wechselspiel von Verkaufssignalen, Abwärtstrends und trendbestätigenden Konsolidierung führte Uniqa im Februar 2016 in einen „technischen Ausverkauf“ bei Preisen um 5,00 Euro. Danach stabilisierte sich der Kurs in einer Seitwärtsbewegung, die den technischen Charakter eines (Trading-)Bodens unterhalb der Widerstandszone um 6,80 Euro aufwies.

Gegen Jahresende 2016 setzten sich Uniqa mit einem ersten Kaufsignal aus der Bodenformation nach oben ab. Anfang 2017 konnte die Aktie den seit über zehn Jahren bestehenden Baisse-Kanal mit einem übergeordneten Kaufsignal in eine Aufwärtsbewegung verlassen. Aus technischer Sicht hat bei Uniqa damit die Aufarbeitung der vorherigen, sehr ausgeprägten Baisse begonnen. Der aktuell intakte „Comeback-Trend“ deutet als nächstes Etappenziel die Widerstandszone von 9,5 Euro bis 10,0 Euro an. Aufgrund dieser Gesamtsituation stellt Uniqa einen technischen (Zu-)Kauf dar.

Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research.

Quelle: F.A.Z.
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