Trumps Steuerreform

Neue Welle von Aktienrückkäufen an der Wall Street

Von Norbert Kuls, New York
 - 06:17

Amerikanische Unternehmen haben nach der Ende des vergangenen Jahres verabschiedeten Steuerreform massiv Rückkäufe eigener Aktien angekündigt. Nach Angaben des Wertpapierhauses Birinyi Associates belaufen sich die in den ersten anderthalb Monaten dieses Jahres bekanntgegebenen Rückkaufpläne auf die Rekordsumme von 171 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Der bisherige Rekord für den Zeitraum Anfang Januar bis Mitte Februar stammt aus dem Jahr 2016 und lag bei 147 Milliarden Dollar. „Es hat sich praktisch nichts geändert, bis auf das Steuergesetz“, sagte Jeffrey Rubin, Leiter der Analyseabteilung bei Birinyi.

Die neuen Steuergesetze sehen unter anderem eine Senkung des Körperschaftsteuersatzes von 35 auf 21 Prozent vor. Dazu können Unternehmen Vermögen, das bei Tochtergesellschaften im Ausland liegt, einmalig günstiger versteuern, wenn sie es in die Vereinigten Staaten zurückholen. Unternehmen zahlen eine Steuer von 8 Prozent oder 15,5 Prozent, je nachdem, wie liquide die Anlagen sind. Bisher wurden Auslandsgewinne mit 35 Prozent besteuert. Amerikanische Konzerne, vornehmlich aus der Technologiebranche, hatten schätzungsweise rund 3 Billionen Dollar im Ausland geparkt.

Fachleute gehen von einem anhaltenden Trend aus

Fachleute gehen davon aus, dass der von Steuersenkungen verstärkte Trend zu Aktienrückkäufen im Rest des Jahres anhalten wird. „Ich rechne für 2018 mit einem Rekord bei Aktienrückkäufen“, sagt Howard Silverblatt, Senior-Analyst beim Indexanbieter S&P Dow Jones. Aktienrückkäufe gelten als wichtiger Stützungsfaktor für Aktienkurse. Die Käufe verringern die Zahl der bestehenden Aktien und erhöhen den auf eine einzelne Aktie entfallenen Gewinn, die entscheidende Größe für die Bewertung der Ergebnisse. Kritiker von Aktienrückkäufen wie der Finanzier Carl Icahn bezeichnen die Praxis allerdings als „Trugbild“, um Gewinne rechnerisch zu erhöhen. Andere Kritiker bemängeln, dass Unternehmen die dafür verwendeten Mittel nicht in Wachstumsstrategien investieren, also in die Entwicklung neuer Produkte oder in Zukäufe anderer Unternehmen.

Der Netzwerkausrüster Cisco Systems, einer der 30 großen Standardwerte im Dow-Jones-Index, hat kürzlich angekündigt, 67 Milliarden Dollar Barmittel aus dem Ausland zurückzuholen. Fast zwei Fünftel dieser Summe – 25 Milliarden Dollar – will Cisco für zusätzliche Aktienrückkäufe verwenden. Der Kurs von Cisco liegt in diesem Jahr um mehr als 14 Prozent im Plus. Insgesamt tendieren amerikanische Aktien, gemessen am breit gefassten Aktienindex S&P 500, nach starken Schwankungen im Februar im Vergleich zum Jahresanfang nahezu unverändert.

Wells Fargo hebt Mindestlohn an

Befürworter der von Präsident Donald Trump und der republikanischen Kongressmehrheit durchgesetzten Steuersenkungen hatten argumentiert, dass die freiwerdenden Mittel zu neuen Investitionen, höherer Beschäftigung und höheren Löhnen führen werden. In der Tat haben Unternehmen bereits einen Teil der Steuerersparnisse in Form von Sonderzahlungen an Mitarbeiter weitergereicht. Trump bezifferte die Zahl der Angestellten, die aus diesem Grund einen Bonus erhalten haben, kürzlich auf rund drei Millionen.

Unter anderem hat die Großbank Wells Fargo den Mindestlohn für ihre Mitarbeiter angehoben. Nach Angaben des Academic-Industry Research Network haben Unternehmen im S&P 500 in diesem Jahr insgesamt 5,6 Milliarden Dollar für zusätzliche Boni und Lohnerhöhungen bereitgestellt. Die Investitionen von Unternehmen nehmen ebenfalls zu. Im vierten Quartal waren sie nach jüngsten Schätzungen des Handelsministeriums um 6,6 Prozent gestiegen, die höchste Wachstumsrate seit 2014.

Aber das meiste Geld scheint an die Aktionäre zu fließen. Nach einer Umfrage der Bank Morgan Stanley wollen nur 13 Prozent der befragten Unternehmen Steuerersparnisse für Löhnerhöhungen, Sonderzahlungen oder Sozialleistungen verwenden. Mehr als zwei Fünftel werden dagegen Anleger mit Aktienrückkäufen und höheren Dividenden belohnen.

Weitere Firmen folgen den Aufkäufen

Der Pharmakonzern AbbVie hatte in Zusammenhang mit der Steuerreform Investitionen über 2,5 Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten angekündigt. Dazu will der Konzern die Löhne anheben und mehr Geld für Pensionszahlungen bereitstellen. AbbVie, dessen Kurs in diesem Jahr um knapp 18 Prozent gestiegen ist, hat zusätzliche Rückkäufe im Wert von 10 Milliarden Dollar angekündigt. Wie Cisco und andere Unternehmen erhöhte AbbVie auch die Dividende, was den Aktienkursen ebenfalls Auftrieb gab.

Der Getränkehersteller Pepsico plant weitere Rückkäufe im Wert von 15 Milliarden Dollar, ist aber einer der wenigen Titel mit Rückkaufplänen, deren Aktienkurs in diesem Jahr im Minus liegt. Die Liste der Unternehmen ist lang: Halbleiterausrüster Applied Materials will eigene Aktien für 6 Milliarden Dollar zurückkaufen, die Baumarktkette Lowe’s will dafür 5 Milliarden Dollar aufwenden und der Internetkonzern Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, 8,6 Milliarden. Auch Warren Buffett erwägt nach eigener Aussage Rückkäufe von Aktien seines Konglomerats Berkshire Hathaway. Berkshire hat durch die Steuerreform 29 Milliarden Dollar eingespart.

Analysten der Bank UBS prognostizieren weitere Aktienrückkäufe des Technologiekonzerns Apple, der, gemessen am Börsenwert, größten amerikanischen Aktiengesellschaft. Die Analysten rechnen damit, dass Apple weitere Rückkäufe im Wert von 30 Milliarden Dollar ankündigen wird. Analysten der Bank of America kalkulieren, dass im S&P 500 vertretene Unternehmen aus dem Ausland zurückgeholte Gewinne nutzen werden, um Aktien im Wert von insgesamt 450 Milliarden Dollar zurückzukaufen.

Quelle: F.A.Z.
Norbert Kuls
Freier Autor in der Wirtschaft.
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