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DWS merzt mit Nippon Life Schwächen in Asien aus

Von Hanno Mußler und Patrick Welter, Tokio
 - 12:59

Eine vertiefte Verbindung der Fondsgesellschaft DWS mit dem Versicherer Nippon Life hat Charme, vor allem kurz vor dem anstehenden Börsengang der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Dies ist der Tenor am Finanzplatz Frankfurt am Tag nach dieser Neuigkeit. Der größte japanische Lebensversicherer als Ankerinvestor und Vertriebspartner könne eine Schwäche der DWS beseitigen helfen und sie für zögerliche Anleger attraktiver machen.

Bislang hat die DWS einen starken Fokus auf Deutschland. 42 Prozent der 700 Milliarden Euro an Kundenvermögen liegen in Deutschland, 43 Prozent der Gebühreneinnahmen fallen hier an. In der Region Asien-Pazifik hat die DWS auf dem Weg zu einem ausgewogeneren Geschäft besonderen Nachholbedarf: Denn in Asien-Pazifik fallen nur 4 Prozent ihrer Gebühreneinnahmen an, weil nur 5 Prozent der Vermögenswerte in dieser Region liegen. Zum Vergleich: Die größte europäische Fondsgesellschaft, die französische Amundi, hat in Asien schon 12 Prozent ihrer Kundengelder. Der Markt dort wächst deutlich stärker als der europäische. Schweizer Banken wie Julius Bär und Vontobel, die in Asien auch durch Zukäufe stark gewachsen sind, berichten zudem über höhere Margen als in Europa.

„Wir kommentieren keine Marktgerüchte“

Noch hält sich Nippon Life mit Kommentaren zu einem Einstieg zurück. „Wir kommentieren keine Marktgerüchte“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Es sei keine Entscheidung gefallen, es gebe keine Mitteilung des Unternehmens. Die F.A.Z. hatte am Mittwoch berichtet, Nippon Life wolle sich beim bevorstehenden Börsengang mit weniger als 10 Prozent beteiligen. Nippon Life würde als zweitwichtigster Anleger nach der Deutschen Bank zu einem Ankeraktionär.

Nippon Life und der Deutsche-Bank-Konzern pflegen seit Jahrzehnten eine enge Kundenbeziehung. Eine solche Investition in Deutschland passte auch in die Unternehmensstrategie des 1899 gegründeten japanischen Versicherers. Wie andere japanische Finanzhäuser drücken die niedrigen Zinsen als Folge der Negativzinspolitik der Bank von Japan auf das Ergebnis. Das Unternehmen halte immer nach geeigneten Investitionsobjekten im In- und Ausland Ausschau, sagte der Sprecher. Hinzu kommt der in Japan mit der Bevölkerung schrumpfende Markt, der Finanzkonzerne zur Diversifizierung im Ausland antreibt. Nippon Life übernahm zum Beispiel 2015 für 1,7 Milliarden Dollar das Lebensversicherungsgeschäft von National Australia Bank. Im Dezember beteiligte sich der Versicherer mit fast 500 Millionen Dollar oder 24,75 Prozent am amerikanischen Vermögensverwalter TCW.

Wenn sich Nippon Life am Börsengang beteiligt und dieses Aktienpaket langfristig hält, sehen einige Marktbeobachter sogar die Gefahr eines zu engen Marktes für DWS-Aktien. Schließlich will die Deutsche Bank nur rund 25 Prozent der Aktien an den Markt bringen. Allerdings fällt der Börsengang in eine schwierige Marktphase. Zum einen ist mit Siemens Healthineers ein großer Börsenkandidat im Markt. Zum anderen schwanken die Kurse heftig. Insofern könne ein Ankerinvestor wie Nippon Life eigentlich nicht schaden, heißt es.

Nippon Life vor Führungswechsel

Den Nutzen der Beteiligung an TCW beschrieb der Versicherer nicht nur mit dem breiteren Anlagespektrum, sondern auch mit dem Erwerb von Fachwissen über den amerikanischen Anleihemarkt. Nippon Life ist in Amerika auch an der Post Advisory Group beteiligt. Die indische Gesellschaft Reliance Nippon Life Asset Management, an der die Japaner mit 43 Prozent beteiligt sind, ging im November an die Börse in Bombay. Zur Stärkung des heimischen Absatzes kündigte Nippon Life erst vor wenigen Tagen an, sich zu 85 Prozent am Japan-Geschäft des amerikanischen Lebensversicherers Mass Mutual zu beteiligen. Nippon Life gewinnt damit mehr Absatzmöglichkeiten am Bankschalter. 2015 übernahm Nippon Life den kleineren Konkurrenten Mitsui Life.

Der Lebensversicherer steht vor einem regulären Führungswechsel. Zu Beginn des neuen Geschäftsjahres im April übernimmt der bisherige Aktuar Hiroshi Shimizu die Aufgabe des Präsidenten, während sich der bisherige Chef Yoshinobu Tsutsui auf die Rolle des Vorsitzenden zurückzieht.

Die Bilanzsumme von Nippon Life betrug Ende Dezember 75,5 Billionen Yen (580 Milliarden Euro). Der Versicherer hat 61,5 Billionen Yen (473 Milliarden Euro) in Wertpapieren angelegt. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres, das in diesem Monat endet, erzielte er einen Überschuss von 197,8 Milliarden Yen (153 Milliarden Euro), 3,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Quelle: F.A.Z.
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
Patrick Welter
Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
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