Massiver Gewinneinbruch

Kommt Gerry Weber an der Börse aus der Mode?

Von Christoph Scherbaum
 - 12:30

Mode ist Konsum und Konsumwerte sind an der Börse eigentlich immer ein langfristig aussichtsreiches Aktienanlageziel. So die Theorie. Die Realität sieht anders aus. So glitzernd es in der Modewelt zugeht, so ernüchternd fiel nun die Bilanz eines der bekanntesten deutschen Modeunternehmen aus: Gerry Weber. Lange Zeit sehr erfolgreich am Modemarkt unterwegs, kann das Unternehmen jetzt nur noch ein weiteres Mal herbe Umsatz- und Gewinnrückgänge vermelden.

Die Aktie, die bis 2015 in Deutschlands zweiter Börsenliga, im M-Dax gelistet war, fristet heute nur noch ein Schattendasein im breiten Prime All Share-Index, nachdem sie Mitte März 2018 auch den S-Dax verlassen musste. Die Aktie verliert nach der Zahlenbekanntgabe fast 7 Prozent und notiert unterhalb der 7-Euro-Marke. Eine Rückkehr scheint auch erst einmal ausgeschlossen zu sein.

Der schlingernde Modekonzern musste nun einen weiteren massiven Gewinnrückgang verkraften und hat seine Prognosen gesenkt. In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahr 2017/2018 war der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,4 Prozent auf 404,7 Millionen Euro gesunken. Das operative Ergebnis brach derweil bis Ende April um 46,7 Prozent auf 3,2 Millionen Euro ein. Der Ausblick wird Aktionären Sorgen bereiten:

Beim Ergebnis bestenfalls eine Null

Einer der Gründe für die schlechteren Aussichten sei ein bereits vor Monaten angekündigter und nun beschlossener Konzernumbau, der im laufenden Geschäftsjahr bislang nicht einkalkulierte Sonderbelastungen von 15 Millionen Euro mit sich bringe, teilte das Unternehmen mit. Ebenso würden sich Umsätze ins kommende Geschäftsjahr verschieben. Für das laufende Geschäftsjahr kappte es seine Umsatzprognose auf eine Spanne von 830 bis 840 Millionen Euro. Bislang war man von 870 bis 890 Millionen Euro ausgegangen. Beim operativen Ergebnis rechnet man bestenfalls mit einer Null; aber auch ein Verlust von bis zu 10 Millionen Euro ist einkalkuliert. Bislang war man von einem Plus von 10 bis 20 Millionen Euro ausgegangen.

An der Börse traut man dem Unternehmen nicht mehr viel zu. Das Gros der Analysten sieht in der Mode-Aktie einen Verkaufskandidaten. Die Baader Bank hat die Einstufung nach Senkung der Jahresziele auf „Sell" mit einem Kursziel von 7 Euro belassen. Der Modekonzern stecke mitten in einem tiefgreifenden Umbau, schrieb Analyst Volker Bosse.

GERRY WEBER

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Ein noch schlechteres Kursziel sieht die Commerzbank. „Reduce“ und ein Kursziel von 6 Euro lautet hier die Einschätzung. Die Ergebnisse des zweiten Geschäftsquartals seien zwar besser als erwartet ausgefallen, schrieb Analystin Sabrina Taneja. Damit zahle sich der Umbau des Modekonzerns offenbar endlich aus. Hinter der Nachhaltigkeit stehe aber noch ein Fragezeichen. Eine echte Trendwende werde schwierig, die Marke Gerry Weber bleibe unter Druck. Auch Equinet hat Gerry Weber nun von „Neutral" auf „Reduce" abgestuft und das Kursziel von 8 auf 5,75 Euro gesenkt.

Seit dem Allzeithoch ging es nur bergab

Trotz der schlechten Zahlen gibt sich das Unternehmen aber selbst optimistisch. In den kommenden drei bis fünf Jahren rechnet Gerry Weber mit deutlichen Umsatzsteigerungen, mit Kostensenkungen im mittleren zweistelligen Millionenbereich sowie mit Gewinnzuwächsen. Unter anderem sind Einsparungen in Höhe von 13 bis 15 Millionen Euro in der Produktentwicklung, der Beschaffung, der Logistik und im Verwaltungsbereich geplant. In den kommenden zwei Jahren sollen 140 bis 150 Vollzeitstellen in der Zentrale und in der Logistik abgebaut werden.

Sind das nun Nachrichten, auf die man als Anleger bauen kann und vielleicht bei Gerry Weber und der aktuellen Bilanz die Börsenweisheit „buy on bad News“ anwenden soll? Fakt ist, dass die Aktie des Modeunternehmens nach vorherigen Höhenflügen in den vergangenen Jahren an der Börse regelrecht verprügelt wurde. Der Abstieg aus dem M-Dax bis ganz unten spiegelt dies wider. Mit dem Konzernumbau geht die Strategie augenscheinlich in die richtige Richtung, aber ob dies reichen wird, um aus Gerry Weber wieder eine attraktive Mode-Aktie zu machen, darf erst einmal bezweifelt werden.

Seit dem Allzeithoch bei 39,20 Euro im Mai 2014 ging es mit dem Papier nur bergab. Anleger haben so innerhalb der vergangenen drei Jahren viel Kapital vernichtet und aus einer Anlagesumme von 10.000 Euro im Depot eine Position mit 3100 Euro gemacht. Die Dividendenrendite von nicht einmal 1 Prozent ist da dann nicht mehr als der Tropfen auf den heißen Stein.

Quelle: FAZ.NET
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