Dax kaum verändert

Lufthansa-Aktie auf 17-Jahres-Hoch

 - 12:50

Die weltweite Börsenrally hat die Anleger in Europa am Donnerstag nicht beeindruckt. Der Dax mit 12.952 Punkten und der EuroStoxx50 mit 3599 Zählern notierten kaum verändert. „Es bedürfte nach dem deutlichen Zögern des Dax vermutlich sehr fester Signale vom Euro und/oder der Wall Street, um endlich die psychologische Marke von 13.000 Punkten zu knacken", betonte Volkswirt Manfred Wolter von der Landesbank LBBW. Anfang der Woche war der Leitindex bis auf drei Punkte an die noch nie zuvor erreichte Marke herangekommen.

An der Wall Street hatte der Dow-Jones-Index erneut ein Rekordhoch erklommen und der Nikkei-Index in Tokio war auf den höchsten Stand seit 1996 geklettert. Die Stimmung an den europäischen Börsen wird belastet durch den Konflikt zwischen der spanischen Zentralregierung und den Separatisten in Katalonien sowie durch einen anziehenden Euro, der die Absatzchancen der Exportunternehmen auf dem Weltmarkt verringert.

Der Euro zog zeitweise um 0,2 Prozent auf ein Zweieinhalb-Wochen-Hoch von 1,1880 Dollar an. Händler verwiesen auf eine breite Schwächung der amerikanischen Währung nach Veröffentlichung der Protokolle der September-Sitzung der Notenbank Fed. Demnach äußerten sich einige Währungshüter besorgt über die niedrige Inflation. Am Finanzmarkt wächst nach Einschätzung von Analysten die Skepsis, ob die Fed wie geplant 2018 die Leitzinsen drei Mal anheben wird. „Die langfristigen Inflationserwartungen zeigen noch keine Tendenz zum nachhaltigen Anstieg", schrieb Commerzbank-Devisenanalystin Antje Praefcke in einem Marktkommentar. „Kurzum: Der Dollar bleibt in der Misere und ich sehe für ihn kurzfristig kaum Aufwärtspotential."

Bilanzsaison beginnt

Für neuen Schwung am Aktienmarkt könnte die Bilanzsaison an der Wall Street sorgen, die im Tagesverlauf Fahrt aufnimmt. Die Finanzinstitute JPMorgan und Citigroup lassen sich in die Bücher schauen, am Freitag folgen Bank of America und Wells Fargo. „Die Erwartungshaltung ist hoch und sollte wegen des hohen Kursniveaus der Wall Street besser nicht enttäuscht werden", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets.

Diverse amerikanische Banken hatten bereits im Sommer vor einem mauen Handelsgeschäft gewarnt. Zudem erwarten die Institute einen Anstieg der Darlehensausfälle im Kreditkartengeschäft. Anleger erhoffen sich von den Bankbilanzen Rückschlüsse auf das Zahlenwerk der deutschen Geldhäuser. Deutsche Bank und Commerzbank berichten Ende Oktober beziehungsweise Anfang November über ihre Geschäfte im dritten Quartal.

Lufthansa vor Vertragsunterzeichnung

Größter Gewinner im Dax waren Lufthansa-Aktien mit einem Kursplus von 3,5 Prozent auf den höchsten Stand seit fast 17 Jahren. Lufthansa-Chef Carsten Spohr kündigte an, im Laufe des Tages den Vertrag mit Air Berlin zu unterschreiben. Große Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin gehen demnach an den Branchen-Primus Lufthansa. Beide Unternehmen wollen am Donnerstag in Berlin einen entsprechenden Kaufvertrag unterzeichnen, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin ankündigte. Das Geschäft steht aber noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Überprüfung.

Nicht zu einem Abschluss führten hingegen bislang Verhandlungen mit der britischen Gesellschaft Easyjet, die ebenfalls bis zu 30Maschinen samt Verkehrsrechten und Besatzungen übernehmen sollte. Die Verhandlungen würden noch an diesem Donnerstag fortgesetzt, sagte ein Sprecher der Air Berlin. Ob die Berliner nun auch den Kaufinteressenten Condor wieder an den Tisch holen, blieb zunächst offen.

Die Veränderungen bei der Lufthansa sähen „zu gut aus, um wahr zu sein", kommentierten die Analysten der Bank HSBC. Air-Berlin-Aktien schossen um mehr als 40 Prozent auf 24 Cent in die Höhe. In London gewannen die Titel von Easyjet 2,3 Prozent. Die britische Airline steht ebenfalls in Verhandlungen mit Air Berlin.

Die Ankündigung Spohrs traf bei Experten dagegen sofort auf Skepsis.„Konzerne werden aus kartellrechtlicher Sicht als ein Unternehmen angesehen“, sagte der Düsseldorfer Kartellrechtler Martin Gramsch von der Kanzlei Simmons & Simmons. Der Luftverkehrsberater Gerald Wissel erwartet derweil eine vertiefte kartellrechtliche Überprüfung der EU-Kommission. Dabei würden die Marktverhältnisse auf einzelnen Strecken überprüft. Es könne dann gut sein, dass Lufthansa Start- und Landerechte (Slots) auf einzelnen Verbindungen freigeben müsse.

Quelle: casc/Reuters
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenWall StreetAir BerlinCommerzbankDeutsche BankDeutsche LufthansaEuropäische KommissionFederal Reserve BankJPMorgan ChaseLBBWDollar