Morningstar-Herabstufung

Flossbach schwächelt

Von Dennis Kremer
 - 16:30

Vor wenigen Wochen erhielt Bert Flossbach eine der wichtigsten Auszeichnungen der deutschen Finanzszene. Zur „Fondspersönlichkeit des Jahres“ kürte man ihn in Frankfurt, zugegebenermaßen ein gewöhnungsbedürftiger Titel. Aber es handelt sich um einen Preis, der in der Branche einige Aufmerksamkeit genießt.

Dass der Kölner Vermögensverwalter die Auszeichnung verdient hat, steht außer Frage. Flossbach hat in den vergangenen 20 Jahren aus dem Nichts eine der erfolgreichsten Vermögensverwaltungen des Landes aufgebaut – für mehr als 30 Milliarden Euro an Kundengeldern trägt er heute die Verantwortung. Allein in Flossbachs wichtigstem Fonds mit dem vielsagenden Namen Multiple Opportunities haben Privatanleger fast zehn Milliarden Euro investiert.

Umso unangenehmer ist es da, dass in diesen Freudentagen eine schlechte Nachricht die frisch gekürte „Fondspersönlichkeit“ erreicht: Das Analysehaus Morningstar hat den Multiple Opportunities-Fonds herabgestuft – und zwar ausgerechnet jene Tranche, die an Privatanleger verkauft wird. Statt der Höchstnote von fünf Sternen kann der Fonds nun nur noch vier Sterne vorweisen. So etwas mag kein Fondsmanager gerne. Bedeutet dies doch, dass sein Fonds aus Sicht der Analysten nicht mehr zu den besten in seiner Kategorie zählt.

Euro-Stärke kostet Flossbach den Stern

Tatsächlich durchlebt Flossbachs Fonds – ein Mischfonds, der vor allem in Aktien investiert, aber auch zu gut zehn Prozent in Gold – eine ungewöhnliche Schwächephase. In den vergangenen zwölf Monaten (Stichtag: 31. August 2017) erzielte der Multiple Opportunities laut Morningstar nur ein minimales Plus von gerade einmal 0,85 Prozent (siehe Grafik). Vergleichbare Fonds kamen dagegen im Durchschnitt auf eine Wertentwicklung von immerhin rund 4,4 Prozent, und der europäische Aktienindex MSCI Europe legte im selben Zeitraum sogar um nahezu 12Prozent zu. Was hat Flossbach falsch gemacht?

Der Vermögensverwalter, sonst durchaus auskunftsfreudig, schickt seinen Kapitalmarktstrategen Philipp Vorndran vor, um die Sache zu erklären. Der sucht erfreulicherweise keine Ausflüchte, sondern sagt ehrlich, was zuletzt schiefgelaufen ist. Flossbach hat eine der stärksten Währungsentwicklungen der vergangenen Monate falsch eingeschätzt – den starken Anstieg des Euros gegenüber dem Dollar. Notierte der Kurs des Euro zu Beginn des Jahres noch bei 1,05 Dollar, so stieg er zwischenzeitlich auf mehr als 1,20 Dollar.

Ein wesentlicher Grund dafür ist die Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump: Kurz nach der Amtsübernahme trauten ihm die Investoren noch zu, eine große Steuerreform durchzusetzen, die die Unternehmen des Landes weiter stärken sollte. Mittlerweile aber herrscht Ernüchterung, die Finanzmärkte haben den Glauben an den Präsidenten weitgehend verloren. Zudem haben sich Europas Volkswirtschaften zuletzt sehr gut entwickelt. Die Folge: Der Dollar gab gegenüber dem Euro nach.

Auf Flossbachs Fonds hatte diese Schwäche des Dollars starke Auswirkungen, da der Vermögensverwalter gut 40 Prozent der Gelder in amerikanischen Aktien angelegt hat. Obwohl deren Kurse zuletzt sogar gestiegen sind, hatte Flossbach kaum etwas davon. Da die Aktien in Dollar notieren, wurde das Kursplus nämlich durch Währungsverluste wieder aufgezehrt. Das Ärgerliche für Flossbach dabei ist: Er hat das Unheil kommen sehen. Ende 2016 sagte er sinngemäß im F.A.S.-Interview: Die Dollar-Aufwertung, die Ende des vergangenen Jahres zu beobachten war, komme bald an eine Grenze (F.A.S. vom 25.Dezember 2016)

Ist ein Verkauf nun ratsam?

Heute erklärt Flossbachs Stratege Vorndran dazu: „Unsere Analyse hat gepasst. Was dagegen nicht ausreichend gepasst hat, ist unsere Ableitung der Analyse.“ In der Tat: Denn Flossbach und seine Leute verzichteten darauf, ihr Depot gegen eine Abwertung des Dollar abzusichern. Dies ist für Profianleger gegen Gebühr möglich, an der Börse ist dann von „Währungs-Hedge“ die Rede. „Leider waren wir dabei zu zaghaft“, räumt Flossbachs Stratege ein. Man habe über eine umfänglichere Absicherung nachgedacht, sie aber als zu teuer angesehen.

Sollten Anleger nun daraus den Schluss ziehen, dass es womöglich besser ist, den Multiple-Opportunities-Fonds zu verkaufen? Trotz der Herabstufung rät Morningstar-Analystin Barbara Claus nicht dazu. „Bert Flossbach ist ein erfahrener Fondsmanager, der seiner Anlagestrategie treu bleibt und der damit über die Jahre eine gute Wertentwicklung erzielen konnte.“ Nimmt man längere Zeiträume in den Blick, sticht Flossbachs Fonds in der Tat heraus: In den vergangenen fünf Jahren erzielte er ein Plus von rund 7,5 Prozent im Jahr, seit der Auflage im Oktober 2007 waren es sogar durchschnittlich neun Prozent pro Jahr. Es gibt wenige Fonds, die da mithalten können.

Trotzdem sollte Anlegern zu denken geben: Flossbachs Ansatz, vor allem in die Aktien solider Firmen wie Nestlé zu investieren, hat all die Jahre zwar gut funktioniert. Doch die hohen Renditen der Anfangsjahre wird der Vermögensverwalter womöglich nicht mehr erzielen können. Damals hatten viel weniger Kunden ihr Geld in Flossbachs Fonds angelegt, so dass er auch ohne Schwierigkeiten in die Aktien kleinerer Unternehmen investieren konnte – meist mit Erfolg.

Bestnote zum Jubiläum?

„Diese Ertragsquelle fehlt heute“, sagt Morningstar-Analystin Barbara Claus. Die schiere Größe des Fonds macht es heute nur noch schwer möglich, solche sogenannten Nebenwerte zu kaufen. Denn um einen ausreichenden Anteil der Anlagegelder dort zu investieren, müsste Flossbach häufig alle ausstehenden Aktien einer Gesellschaft aufkaufen. Das ist in der Praxis kaum möglich.

Dies ließe sich ja noch verschmerzen. Aber Flossbachs Fonds bringt noch eine zweite Unannehmlichkeit mit sich: Die Gebühren sind vergleichsweise hoch. Die jährliche Verwaltungsgebühr, die Anleger zahlen müssen, ist mit 1,53 Prozent zwar noch im Rahmen. Allerdings genehmigt sich Flossbach zusätzlich eine hohe Erfolgsgebühr von 10 Prozent, die anfällt, wenn er den Wert des Fonds steigert und nicht nur vorangegangene Schwächephasen wieder ausgleicht. Auch wenn grundsätzlich nichts dagegen spricht, sich gute Arbeit extra bezahlen zu lassen: Die Höhe der Gebühren schmälert die Rendite der Anleger für den Fall, dass sich der Flossbach-Fonds gut entwickelt.

Nach Ansicht des Vermögensverwalters und seiner Leute ist es nur eine Frage der Zeit, bis alles wieder in ihrem Sinne läuft. Schon im kommenden Monat wollen sie die verlorengegangene Bestnote zurückgewinnen, eine etwas bessere Wertentwicklung in den vergangenen Tagen macht ihnen Mut. Es wäre ein passender Anlass: Ende Oktober feiert der Multiple-Opportunities-Fonds sein zehnjähriges Bestehen.

Quelle: F.A.S.
Dennis Kremer - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Dennis Kremer
Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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