Devisenmarkt

Südkorea informiert über Eingriffe

Von Patrick Welter, Tokio
 - 06:20

Südkorea steht unter dem Dauerverdacht der Währungsmanipulation. Das Land hat Devisenreserven in Höhe von 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angehäuft, was in der Relation ähnlich viel ist wie China. Die offizielle Linie der Wechselkurspolitik funktioniert nach den Antworten des Radio Eriwan: Ja, aber. Ja, im Grundsatz lassen wir den Währungsmärkten ihren freien Lauf, aber wir greifen ein, um zu starke einseitige Wechselkursbewegungen zu glätten.

Das ist eine Politik des „schmutzigen Floatens“. Wann und in welchem Ausmaß das Finanzministerium in Abstimmung mit der Zentralbank aber in den Devisenmarkt eingriff, hat Südkorea bislang nie öffentlich gemacht. Deshalb blühen Spekulationen und der Generalverdacht, dass das Land seine Währung lieber künstlich billig hält, um den Exporteuren scheinbare Vorteile zu verschaffen.

Das soll sich nun ändern, und es hat wohl auch damit zu tun, dass der amerikanische Präsident Donald Trump Südkorea wegen seines Handelsüberschusses mit den Vereinigten Staaten stärker unter Druck setzt als das seine Vorgänger taten. Im engen zeitlichen Zusammenhang mit der Neuverhandlung des bilateralen Freihandelsabkommens beider Länder erklärte die Regierung in Seoul jedenfalls, sie prüfe, über Eingriffe am Devisenmarkt künftig zu informieren.

Damit käme das Land einer seit langem bestehenden Forderung des Internationalen Währungsfonds nach. Auch das amerikanische Finanzministerium forderte im jüngsten Devisenmarktbericht im April unverblümt, Südkorea solle unverzüglich damit beginnen, zeitnah und transparent staatliche An- und Verkäufe von Won offenzulegen.

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Südkorea hat dem Druck nun also nachgegeben und wird künftig seine Wechselkursinterventionen öffentlich machen. Ein Jahr lang will die Regierung über die Devisenmarkteingriffe auf halbjährlicher Basis informieren und danach zu einem vierteljährlichen Rhythmus übergehen, so das Finanzministerium am Donnerstag. Die vierteljährliche Offenlegung entspricht den Regeln in den Vereinigten Staaten.

Die künftige Transparenz geht aber nicht mit einem Bekenntnis zu freien Wechselkursen einher. Die Regierung hält am „schmutzigen Floaten“ fest. „Die Wechselkurse sollten im Markt bestimmt werden, aber die Regierung will daran festhalten, den Markt zu stabilisieren, wenn es einseitige Bewegungen gibt“, erklärte das Finanzministerium. Es gilt weiter Radio Eriwan: Ja, aber.

Quelle: FAZ.NET
Patrick Welter
Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
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