Angst um Weltwirtschaft

Ölpreis sinkt wegen Amerikas Handelsstreit

Von Christian Siedenbiedel
 - 20:16

Die neuerliche Zuspitzung im Handelsstreit zwischen Amerika und China hat am Mittwoch neben den Aktienkursen auch viele Rohstoffpreise fallenlassen. Öl der Nordseesorte Brent verbilligte sich bis zum Nachmittag um mehr als 2 Prozent auf 77,17 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter), die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) um 0,8 Prozent auf 73,40 Dollar. Der etwas schwächere Rückgang beim amerikanischen Ölpreis wurde mit Zahlen zu den dortigen Lagerbeständen begründet. Kupfer verbilligte sich um bis zu vier Prozent und erreichte mit 6081 Dollar je Tonne ein Jahrestief.

Autofahrer spüren vom billigeren Öl allerdings noch nicht ganz viel. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) berichtete aufgrund seiner wöchentlichen Auswertung der Kraftstoffpreise von 14.000 Tankstellen, dass die Preise für Benzin und Diesel weiter auf hohem Niveau lägen und auf Wochensicht nur sehr leicht nachgegeben hätten. Super E10 verbilligte sich im Schnitt um 0,2 Cent auf 1,448 Euro je Liter, Diesel um 0,1 Cent auf 1,286 Euro je Liter.

Die Erklärung für den fallenden Ölpreis an den Märkten geht so: Der Handelsstreit könnte die Weltwirtschaft insgesamt belasten und damit die Ölnachfrage verringern. Das wiederum könnte für sinkende Preis sorgen.

Iranisches statt amerikanisches Öl für China

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass die Vereinigten Staaten eine weitere Liste mit möglichen Strafzöllen auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar vorgelegt haben. Für den Fall, dass sie in Kraft treten, hat die Regierung in Peking Gegenmaßnahmen angekündigt. Allerdings gibt es zugleich Spekulationen, dass China amerikanisches Öl in der nächsten Vergeltungsrunde des Handelsstreits mit Einfuhrzöllen belegen wird.

„Davon hatte China zunächst noch abgesehen“, schreiben die Analysten der Commerzbank. Dann würde China vermutlich tendenziell weniger Öl aus den Vereinigten Staaten beziehen, dafür aber weiterhin aus Iran. Und die Frage, wie es mit der Förderung und den Exporten von Öl Irans weitergeht, hält Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch derzeit für den zentralen Faktor für die weitere Entwicklung des Ölpreises.

Vor rund drei Wochen hatten die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) und ihre Kooperationspartner wie Russland entschieden, ihre Ölförderung im zweiten Halbjahr wieder deutlich auszuweiten. Schon im Vorfeld dieser Entscheidung war der Ölpreis deshalb gesunken – die Entwicklung hatte allerdings nicht lange angehalten.

Vor allem die Bestrebungen Donald Trumps, die Ölimporte aus Iran von November an vollständig einzustellen, hatten den Ölpreis wieder hochgetrieben; auch wenn nach wie vor zum Teil unklar ist, wie stark Amerika in diesen Bestrebungen von den anderen Staaten unterstützt wird. Das alles verhinderte offenbar, dass die geplante Angebotsausweitung nachhaltig preissenkend wirkt.

Am Montag hatte der Brent-Preis sich wegen Ausfällen in der Förderung und Streiks in der norwegischen Ölindustrie sogar wieder der Marke von 80 Dollar genähert. „Wir erwarten trotz des letzten Opec-Treffens weiter tendenziell hohe Ölpreise“, sagte Jan Edelmann, Rohstoffanalyst der HSH Nordbank. Das sei „getrieben aus der Kombination eines anhaltend starken Nachfragewachstums und steigenden Produktionsausfällen, insbesondere in Iran, Venezuela, Angola und Libyen.“

Die Produktionsausfälle hätten zumindest das Potential, die Ausweitung der Opec-Fördermenge zu konterkarieren, meinte Analyst Edelmann: „Wir halten deshalb an unserer Prognose von 80 Dollar je Barrel für das dritte Quartal fest und sehen zunehmend Anzeichen für höhere Preise für das vierte Quartal, als unsere bisherige Prognose von 75 Dollar erwarten lässt.“

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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