Nebenwerte im Portrait (9)

Hypoport - Fintech mit gesunder Bilanz und einer Idee

Von Philipp Krohn
 - 12:15

Die Börsenstory der Hypoport AG belegt, was an der Börse gehandelt wird: belastbare Informationen über Geschäftsaussichten. Als das Berliner Unternehmen 2007 an die Börse ging, startete die Aktie mit einem Preis um die 17 Euro. In den folgenden siebeneinhalb Jahren dümpelte er dann meist zwischen 11 und 15 Euro und fiel im Januar 2009 sogar auf 4,44 Euro. Das Fintech-Unternehmen hat ein Geschäftsmodell, das sich damals nicht sofort erschloss. Zudem dauerte es, bis es seinen Immobilienkredit-Marktplatz für Endkunden, Dr. Klein, zuverlässig ohne technische Schwierigkeiten betreiben konnte.

Doch ab dem August 2015 ging der Kurs steil nach oben. Allmählich zeigte sich an den Ergebnissen, dass sich Immobilienkredite über einen neutralen Online-Marktplatz vermitteln ließen. Mit Interhyp gab es nur einen ernsthaften Wettbewerber, der zudem durch den Aufkauf durch die Direktbank ING Diba als weniger neutral wahrgenommen wurde.

Heute werden über den Finanzmarktplatz Europace 35.000 Transaktionen mit einem Volumen von 4 Milliarden Euro abgewickelt. Immer mehr Investoren beobachteten die Aktie, Analysten lieferten verwertbare Informationen.

Und in diesem Mai weckte Hypoport abermals die Phantasie von Anlegern, als es seine Pläne bekanntgab, ein digitales Portal für Versicherungsvermittler schaffen zu wollen, auf dem diese Verträge verwalten, Policen vergleichen und Kunden betreuen können. Das trieb den Kurs bis auf 163 Euro. In den zwei Jahren von September 2015 bis Oktober dieses Jahres stieg er um beeindruckende 365 Prozent.

Mitte Oktober kam dann allerdings ein gewaltiger Rückschlag. Für das dritte Quartal gab der Vorstandsvorsitzende Ronald Slabke eine Gewinnwarnung heraus. Und auch diesmal war die Entwicklung lehrbuchmäßig. Von mehr als 160 Euro fiel der Kurs bis auf 117 Euro. Das volatile Geschäft mit Wohnungsunternehmen hatte sich schwächer entwickelt als im Vorjahr.

„Der Einsturz war aus meiner Sicht übertrieben“, sagt Philipp Häßler, Analyst von Equinet. Er hält nach derzeitigem Wissensstand einen Kurs von 164 Euro für gerechtfertigt. Zuletzt lag er bei 126 Euro. So wie die anderen drei Analysten, die Hypoport beobachten, rät er zum Kauf. Ein wenig abhängig sei das Unternehmen vom niedrigen Zinsumfeld, weil die Abschlussvolumina durch Privatkunden bei höheren Zinsen geringer wären.

Aber Hypoport habe nicht nur Software-Kompetenz, sondern schaffe es auch, Finanzdienstleister zu bewegen, sich an die Plattform anzuschließen. „Sie haben Erfahrung, wie man Verbünde überzeugt. Dafür braucht man die IT und muss Kunden anwerben. Das können sie, und deshalb bleibt es eine attraktive Story“, sagt Häßler.

Überzeugte Analysten

Auch Marie-Thérèse Grübner, Analystin bei Warburg, sieht den Kursverfall als Überreaktion des Marktes. Denn mit dem Ziel, eine Versicherungsplattform nach dem Muster der Kreditplattform Europace aufzubauen, könne sich Hypoport einen ähnlich interessanten Markt erschließen. „Das Unternehmen weiß, wie man solche Plattformen für Firmen- und Endkunden aufbaut, und kann das wiederholen“, sagt sie. Es habe kleine Software-Unternehmen dazugekauft, um fehlendes Knowhow zu sammeln und den Zugang zu neuen Kunden herzustellen.

„Hypoport hat bewiesen, dass es solche Einheiten integrieren kann“, sagt Grübner. Die Expansion kann das Unternehmen aus eigenen Mitteln finanzieren. Das unterscheide es von anderen Fintech-Unternehmen, die auf Wagniskapital angewiesen sind. „Das Unternehmen verdient Geld und hat eine gesunde Bilanz. Das sieht man nicht häufig in der Fintech-Szene“, sagt Grübner. Ihr Kursziel liegt bei 159 Euro.

Auch die Berenberg-Bank hat sich durch das schwache dritte Quartal nicht von ihrem bisherigen Kursziel abbringen lassen. Es liegt bei 154 Euro, nur die Bank Oddo BHF hat es mit 139 Euro deutlich niedriger angesetzt. Trotz des Einbruchs bei institutionellen Kunden bleibe das Umsatzwachstum mit 27 Prozent solide, das institutionelle Geschäft werde nicht die Bedeutung des Privatkunden- und Firmengeschäfts über die Plattform erreichen, erwartet Berenberg. „Hypoports skalierbares Geschäftsmodell bietet ein substantielles Wachstumspotential“, schreibt Analyst Gerhard Orgonas in einem Bericht.

Die Skalierbarkeit bestehe darin, dass Hypoport seine Software nur einmal entwickeln müsse und selbst eine Ausweitung des Geschäftsvolumens keinen Kostenanstieg im selben Umfang auslöst, sagt Analyst Häßler. Dieses Wissen sei übertragbar auf Versicherungen, wo eine einheitliche Software zum Verwalten, Vergleichen und Betreuen den Maklern neue Wege in der Kundenpflege öffnen werde.

„So kann jeder Berater eine Bestandsaufnahme machen und zum Beispiel sehen, ob der Kunde zu viel für eine Kfz-Versicherung bezahlt“, sagt er. Hier lägen die wirklichen Vorteile der Digitalisierung. Dafür muss es gelingen, die Daten einer gesamten Branche zu harmonisieren, deren Unternehmen technisch auf sehr unterschiedlichen Niveaus arbeiten. Bis jetzt aber nimmt sich der Umsatzanteil mit knapp 11 Millionen von insgesamt 144 Millionen Euro bescheiden aus. Es bleibt noch eine Menge Arbeit, bevor die Erwartungen erfüllt werden können.

Quelle: F.A.Z.
Philipp Krohn  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Philipp Krohn
Redakteur in der Wirtschaft.
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