Rekordgewinn

Schweizer Notenbank schlägt Apple

Von Johannes Ritter
 - 08:28

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat den Auftrag, für Preisstabilität zu sorgen, und zwar unter Berücksichtigung der konjunkturellen Entwicklung in der Schweiz. Das Ziel lautet jedoch nicht, möglichst hohe Gewinne zu machen. Trotzdem hat die SNB im vergangenen Jahr den höchsten Gewinn in ihrer langen, bis in das Jahr 1907 zurückreichenden Geschichte erzielt. Wie die Schweizer Notenbank am Dienstag mitteilte, wird sie nach vorläufigen Berechnungen für 2017 einen Gewinn in der Größenordnung von 54 Milliarden Franken ausweisen. Das entspricht 46 Milliarden Euro. Damit übertrifft die eidgenössische Notenbank sogar den amerikanischen Elektronikriesen Apple, der zuletzt auf einen Gewinn von umgerechnet 40 Milliarden Euro kam.

Allerdings lassen sich Apple und die SNB nicht vergleichen. Im Fall der SNB ist der Gewinn lediglich ein Nebeneffekt ihrer Geld- und Währungspolitik, welche sie als eine von der Politik unabhängige Zentralbank betreibt. Er bildet überdies nur eine Momentaufnahme ab. Die Ergebnisse der Schweizer Notenbank schwanken stark, weil sie von der stichtagsbezogenen Bewertung des gewaltigen Devisen-, Aktien-, Anleihe- und Goldbestands abhängen. Und hier haben sich im vergangenen Jahr im Grunde alle Entwicklungen zu einem goldenen Strom formiert.

Aktien bringen hohe Gewinne

Der größte Gewinnschub kam von den Wechselkursen. Der Schweizer Franken hat sich im vergangenen Jahr gegenüber dem Euro um knapp 9 Prozent abgeschwächt. Anfang 2017 kostete ein Euro noch 1,07 Franken; am Jahresende waren es 1,17 Franken. Im Kampf gegen die Überbewertung des Frankens hat die Nationalbank über die Jahre in großem Stil Devisen gekauft. Deren Bestand summierte sich per Ende Dezember auf 744 Milliarden Franken. Wenn die Devisenanlagen zum Stichtag wechselkursbedingt einen höheren Wert haben, beschert dies der SNB entsprechende Bewertungsgewinne. Die SNB beziffert die Gewinne aus Fremdwährungspositionen auf 49 Milliarden Franken.

Auch Kursgewinne im gewaltigen Aktienportfolio, welches die SNB zur Anlage des Devisenbestands über die Jahre aufgebaut hat, schlugen sich im Gewinn nieder. Die SNB ist mit Milliardenbeträgen unter anderem bei Apple, Google, Amazon, Microsoft und Facebook engagiert. Dabei wählen die Anlagestrategen der Notenbank keine Einzeltitel aus, sondern investieren entlang der gängigen Aktienindizes in verschiedenen Märkten und Währungsräumen. Investitionen in Schweizer Unternehmen sowie große Banken oder bankähnliche Institute sind indes tabu. Der Goldbestand brachte dank des gestiegenen Goldpreises Bewertungsgewinne von 3 Milliarden Franken ein.

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Geld für Bund und Kantone

Der hohe Jahresüberschuss wird Bund und Kantone jubilieren lassen. Denn gemäß der geltenden Ausschüttungsvereinbarung steht der öffentlichen Hand nun die maximal mögliche Ausschüttungssumme von 2 Milliarden Franken zu. Das Geld wandert zu einem Drittel an den Bund und zu zwei Dritteln an die Kantone. Für die privaten Aktionäre der SNB, die zu den wenigen börsennotierten Notenbanken gehört, leitet sich aus dem Rekordgewinn indes keinerlei Phantasie ab: Deren Dividende ist gesetzlich auf 15 Franken je Aktie gedeckelt. Trotzdem ist der Aktienkurs der Nationalbank zuletzt stark gestiegen. Im Juli kostete eine Aktie noch weniger als 2000 Franken, am Dienstag notierte sie bei 4200 Franken. Angesichts der geringen Zahl an frei verfügbaren Aktien (Streubesitz) können freilich schon kleine Kauf- oder Verkaufsaufträge kräftige Kursbewegungen auslösen.

Im laufenden Jahr dürfte der Gewinn der SNB niedriger ausfallen. Die Ökonomen der Großbank UBS rechnen zwar mit einer weiteren leichten Abschwächung des Frankens gegenüber dem Euro. Der Wechselkurseffekt werde aber geringer sein als 2017. Die UBS rechnet vor, dass die Nationalbank allein aus Zinszahlungen aus Anleihen, Dividenden auf Aktien und den Negativzinsen rund 14 Milliarden Franken generiert. Insgesamt sei daher 2018 mit einem „ordentlichen Gewinn“ zu rechnen.

Quelle: F.A.Z.
Johannes Ritter
Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
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