Spezialchemie

SKW Stahl stellt Insolvenzantrag

 - 12:59

Die Talfahrt des seit langem kriselnden Spezialchemieunternehmen SKW Stahl-Metallurgie hat am Mittwoch einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Der Vorstand habe entschieden, beim zuständigen Amtsgericht München einen Insolvenzantrag wegen Überschuldung zu stellen und die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens zu beantragen, teilte das Unternehmen mit.

Es bestehe keine Aussicht, „die Fortführungsprognose nachhaltig wiederherzustellen“. Die Bemühungen um eine finanzielle Restrukturierung sollen nun im Rahmen des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung unter Führung des bisherigen Vorstands fortgesetzt werden. Für die Tochtergesellschaften bestehe derzeit kein Insolvenzgrund, ihr Geschäftsbetrieb laufe ohne Einschränkungen weiter.

Sanierung mit Speyside wird weiter angestrebt

Anfang des Monats hatte sich noch ein Hoffnungsschimmer gezeigt, als der Finanzinvestor Speyside Equity mit den Gläubigerbanken, zu denen die Commerzbank, die Norddeutsche Landesbank und die LBBW gehören, geeinigt hatte. Demnach sollte Speyside 45 Millionen Euro plus 3 Millionen Euro noch zu entrichtende Zinsen aus einem Konsortialkredit über 74 Millionen Euro sowie die Aktienmehrheit übernehmen. Die freien Aktionäre sollten im Wege eines sogenannten „Squeeze-Outs“ herausgedrängt und abgefunden werden.

Dies wird weiter angestrebt, soll jedoch jetzt mittels Insolvenzplan erreicht werden. Die Banken hätten ihre Kreditforderungen mittlerweile verkauft, eine Zustimmung der Hauptversammlung sei nicht notwendig. Vielmehr soll die für den 10. Oktober einberufene Versammlung nun abgesagt und stattdessen eine weitere Hauptversammlung mit geringfügig veränderten Tagesordnungspunkten einberufen werde, die die Aktionärin MCGM GmbH verlangt hatte.

Deren Geschäftsführer Olaf Marx gilt als Strippenzieher im Hintergrund und als Gegner des Sanierungskonzepts, da dieser hinter einem konkurrierenden Angebot stehen soll, bei dem Aktionäre im Rahmen einer Barkapitalerhöhung ein Bezugsrecht erhalten sollten. Am Dienstag hatte MCGM „in Zusammenarbeit mit einer renommierten deutschen Vermögensverwaltung“ dann tatsächlich ein Angebot vorgelegt und in den Tagen davor deutlich gemacht, dass man keinen Insolvenzgrund sehe.

Die Machtkämpfe im Konzern hatten dessen Sanierung erschwert. Eine Kartellbuße und Absatzprobleme waren schwere Lasten, derweil Strukturmaßnahmen nur langsam griffen. Der Insolvenzantrag vom Mittwoch dürfte von MCGM als Maßnahme aufgefasst, werden das eigene Angebot zu torpedieren.

Der Aktienkurs von SKW hatte sich von seinem Absturz auf ein Tief von 80 Cents Ende August bis zum Mittwoch wieder auf 1,41 Euro erholt, womöglich aufgrund von Spekulationen, dass MCGM sich am Ende doch durchsetzen werde. Am späten Vormittag wurde der Handel ausgesetzt.

Quelle: mho.
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