Kapitalgeber Softbank

So investiert der größte Technologiefonds der Welt

Von Jonas Jansen, Berlin
 - 17:06

Ein Unternehmen zu führen, ist wie in einem Boot zu sitzen. Wer nach vorne schaut und steuert, der spürt wie es auf und ab geht in den Wogen der Wellen. Die Gischt schäumt vorne ans Bug und der Wind peitscht ins Gesicht. Da ist es gut, wenn man auf diesem Boot nicht alleine ist, wenn dort noch jemand steht, der den Horizont im Blick behält. Immer mit einem Auge auf das Ziel in weiter Ferne.

David Thevenon sieht sich als der zweite Mann auf dem Boot. Thevenon ist einer von vier Investment-Partnern des japanischen Technologiekonglomerats Softbank in Europa. Auf der Tech-Konferenz Noah am Dienstag in Berlin nutzte der Investor die Analogie mit dem Boot, um zu erklären, wie Wagniskapitalgeber mit Start-up-Gründern zusammenarbeiten können. „Wir sehen eine neue Welle an Technologie, die jede Industrie verändern wird“, sagte Thevenon. „Wir sind in der Lage, Unternehmern mit unserer Finanzierung dabei zu helfen, diese Veränderung zu beschleunigen.“

Softbank helfe Gründern dabei, schneller zu sein und sich mit anderen Start-ups zu vernetzen. Wo andere Risikokapitalgeber aufhören, fangen die Japaner erst an: Die Mindestsumme eines Investments liegt für Softbank bei 100 Millionen Dollar. Unterstützt werden Unternehmen in der Wachstumsphase, vor allem für die Expansion in viele Märkte fehlt den meisten Gründungen das nötige Geld.

Bis zu 100 neue Finanzspritzen geplant

Das Technologiekonglomerat rund um seinen Gründer Masayoshi Son ist eigentlich eine recht verschlossene Gesellschaft. Doch zuletzt machten die Japaner vor allem durch riesige Investitionen von sich reden. Thevenons Auftritt ist einer der wenigen in Deutschland und der Softbank-Partner verkündet die Botschaft seines Chefs, der an die Revolution der Informationstechnik glaubt und daran, wie die künstliche Intelligenz globale Probleme löst, statt neue zu schaffen.

100 Milliarden Dollar verwaltet der „Vision Fund“ von Softbank, er ist der größte Technologiefonds der Welt. Im vergangenen Jahr soll Softbank rund 100 Investitionen im Wert von 36 Milliarden Dollar getätigt haben. Saudi Arabien hat 45 Milliarden Dollar in den Vision Funds gesteckt, Apple, Qualcomm, Foxconn und Sharp gaben ebenfalls Milliarden hinzu, Softbank ist zu einem Drittel beteiligt. Auch in diesem Jahr halten sich die Wagniskapitalgeber nicht zurück. Thevenon sprach am Dienstag von 80 bis 100 geplanten Kapitalspritzen.

SOFTBANK

-- -- (--)
  • 1T
  • 1W
  • 3M
  • 1J
  • 3J
  • 5J
Zur Detailansicht

Seit gut vier Jahren ist der Franzose bei Softbank an Bord, er kümmert sich vor allem um die Mobilitätsplattformen, in die das Industriekonglomerat über den „Vision Fund“ investiert. Dazu gehören etwa der chinesische Fahrdienst und Uber-Konkurrent Didi Chuxing oder Ola in Indien.

111 Milliarden Dollar Schulen – für den reichsten Mann Japans kein Problem

An Didi Chuxing hält Softbank gut 20 Prozent, an Ola sogar 30. Mit dem Abschluss der Finanzierung von Uber über 9,3 Milliarden Dollar gehört der „Vision Fund“ zu den größten Anteilseignern des amerikanischen Fahrdienstes. Damit nicht genug: Der Chiphersteller ARM Holdings, der Roboter-Fabrikant Boston Dynamics und der Mobilfinkkonzern Sprint gehören Softbank fast vollständig. An dem Büroplatzvermieter We Work hält Softbank ein Fünftel, an der Chat-App Slack und dem Chiphersteller Nvidia immerhin gut 5 Prozent.

Den Grundstein für seinen Ruf als Investor mit Spürnase hat Masayoshi Son aber durch ein Investment vor 18 Jahren gelegt. Mit 20 Millionen Dollar unterstützte er eine recht unbekannte chinesische Handelsplattform namens Alibaba. Als die 2014 an die Börse ging, hatte Softbank daran 60 Milliarden Dollar verdient. Selbst die immensen Schulden von rund 111 Milliarden Dollar kümmern den reichsten Mann Japans nicht. Um sie zu tilgen, müsse er schließlich nur eine Beteiligung verkaufen.

Deshalb sitzt auch Thevenon recht entspannt auf der Bühne im Tempodrom in Berlin. Im Publikum lechzen die Gründer danach, wie sie in dieses Konglomerat hineinkommen können.

Für Softbank nur Kleingeld

„Wir werden von Angeboten bombardiert“, sagt Thevenon. Doch nur weil sie zuletzt viel investiert haben, heiße das nicht, dass sie wahllos mit Geld herumwerfe. „Wir haben einen globalen Fokus und suchen Unternehmer mit kühnen Visionen.“ Da komme inzwischen auch mehr Talent aus Europa. „Europäische Gründer sind inzwischen viel ambitionierter als früher“, allerdings fehle es derzeit noch deutlich an Kapital vor allem im Vergleich zu den Vereinigten Staaten.

Was für Deutschland zuletzt ein Aufsehen erregendes Geschäft war, ist für Softbank daher nur Kleingeld. Als die Berliner Unternehmung Auto 1, ein Marktplatz für Gebrauchtwagen, im vergangenen Jahr 460 Millionen Euro aus dem „Vision Fund“ bekam, stand das für etwas mehr als 10 Prozent des gesamten Risikokapitals, das 2017 in deutsche Jungunternehmen geflossen ist. Für die deutsche Start-up-Landschaft ist Auto 1 seitdem eins der Vorzeige-Unicons, also der Einhorn-Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als 1 Milliarde Dollar.

Doch auch den Start-ups gehe es nicht vordringlich ums Geld, sagt Thevenon. Durch die globale Ausrichtung von Softbank und die große Anzahl an Investments sei vor allem die Vernetzung Gold wert. Das sieht auch Christian Bertermann, einer er zwei Gründer und Geschäftsführer der Auto 1 Group so.

Mindestens einmal in die Augen schauen

„Softbank hat eine extrem langfristige Vision. Und auch wir sehen das Geschäft nach sechs Jahren noch ganz am Anfang“, sagt Bertermann. Von der Erfahrung des Investors könne Auto 1 profitieren. „Wir sind nun Teil eines internationalen und sehr interessanten Firmennetzwerkes.“ Die Partnerschaft sieht Bertermann als eine gute Basis für weitere Expansion. Im Jahr 2017 kamen acht neue Märkte in Europa hinzu.

Auch die Auto-1-Gründer dürften ein Treffen mit Masayoshi Son gehabt haben; denn der Patriarch will jedem Unternehmer in den er investiert, mindestens einmal in die Augen geschaut haben, erzählt Thevenon in Berlin. Längst nicht jede Begegnung verläuft für die Gründer positiv. Doch manchmal sind die ersten Begegnungen Zufall. So ist Thevenom dem Gründer des britischen Start-ups Improbable, das virtuelle Welten baut, das erste Mal im Bus über den Weg gelaufen. 502 Millionen Dollar von Softbank haben die Londoner kürzlich eingesammelt.

Doch die Zukunft wird freilich nicht nur von Start-ups gemacht. So hat sich Softbank gerade mit 2,25 Milliarden Dollar an GM Cruise beteiligt, einer auf selbstfahrende Autos spezialisierten Tochtergesellschaft des amerikanischen Autoherstellers. Damit sichert sich Softbank 20 Prozent an der Sparte. Die Nachricht bescherte der Aktie von GM an einem einzigen Tag einen Kurssprung von fast 13 Prozent. Auch dort sitzt Thevenon nun mit im Boot. Mit Blick auf den Horizont.

Quelle: FAZ.NET
Jonas Jansen
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenSoftbankDollarStart-upsEuropaBerlinUberDeutschlandApple