Springer Nature

Börsengang ohne die Deutsche Bank

Von Tim Kanning und Christian Siedenbiedel
 - 12:20

In Deutschland steht abermals ein prominenter Börsengang bevor, an dem die Deutsche Bank im Gegensatz zu vielen Konkurrenten nicht beteiligt wird. Mehr als 1,2 Milliarden Euro soll der Börsengang des Wissenschaftsverlags Springer Nature (nicht zu verwechseln mit dem Axel Springer Verlag) einbringen. Er soll frühestens in vier Wochen stattfinden.

Die bisherigen Eigentümer Stefan von Holtzbrinck (53 Prozent) und BC Partners (47 Prozent) wollen das Unternehmen als Kommanditgesellschaft auf Aktien an die Börse bringen, wie es die Deutsche Bank mit der DWS machte. Unter den Banken im Konsortium findet sich kein deutsches Institut – auch nicht die Deutsche Bank, die Börsengänge eigentlich als Teil ihres Kerngeschäfts betrachtet. JP Morgan und Morgan Stanley sollen das Konsortium führen. Lilja & Co. agieren als Berater. Zu den Buchführern gehören neben den Konsortialführern auch Bank of America Merrill Lynch, BNP Paribas, Credit Suisse, Goldman Sachs und die Société Générale.

Liegt es an den Branchen-Analysen?

An den Unsicherheiten rund um die Führung der Deutschen Bank soll es nicht gelegen haben, dass sie nicht dabei ist, wird zumindest im Umfeld der Beteiligten versichert. Morgan Stanley soll vor allem mit einem guten Research gepunktet haben. Leistet also eine amerikanische Investmentbank mit einer vergleichsweise kleinen Mannschaft in Deutschland eine bessere Branchen- und Unternehmensanalyse über deutsche Unternehmen als die Deutsche Bank mit ihrem Apparat?

DT. BANK

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Analysten in Frankfurt meinten auf Anfrage, das höre sich merkwürdig an – allerdings sei gutes branchenbezogenes Research nicht unbedingt an den Standort Deutschland gekoppelt. In der Tat sind Wissenschaftsverlage wohl eine kleine Marktnische: Die wichtigsten börsennotierten Konkurrenten von Springer Nature sitzen in Großbritannien und Amerika. Deshalb wird die Branche wohl noch am ehesten von dort aus abgedeckt.

Peinlich für die Deutsche Bank

Dass die Deutsche Bank bei dem prominenten Börsengang nun nicht zum Zug kommt, ist besonders peinlich, weil sie eigentlich gerade in ihrem Heimatmarkt wieder mehr Geschäft für Unternehmen machen will. Die beiden Deutschland-Chefs der Investmentbank, Patrick Frowein und Berthold Fürst, haben zuletzt mehrere Spezialistenteams aufgebaut, die sich auf die Betreuung bestimmter Branchen wie Gesundheitsindustrie und Technologie fokussieren sollen. Zudem hat Springer Nature dem Vernehmen nach in der Vergangenheit schon öfter Finanzierungsgeschäfte mit der Bank gemacht.

Bislang hatte sich das Börsenjahr für die Investmentbanker der Deutschen Bank durchaus gut angelassen. In einem internen Schreiben des Ko-Chefs der Investmentbank, Marcus Schenck, an seine Mitarbeiter, das der F.A.Z. vorliegt, hebt er vor allem die Erfolge im Aktiengeschäft hervor: Beim größten Börsengang bislang, dem von Siemens Healthineers (4,5 Milliarden Dollar) im März, war die Bank der federführende Begleiter, beim drittgrößten, dem ihrer eigenen Vermögensverwaltung DWS (1,6 Milliarden Dollar), freilich auch.

Sechs der acht größten Börsengänge in Europa habe die Bank koordiniert, womit die Bank im jüngsten Ranking der Investmentbanken in Europa auf Platz zwei landete. International war sie etwa beim Börsengang des Internet-Datenspeichers Dropbox oder der Hotelkette Wynn dabei. Allerdings steht Schenck kurz vor seinem Abschied aus der Bank, nach dem Revirement an der Spitze verlässt er das Haus nach der Hauptversammlung im Mai. Als Grund nannte der Aufsichtsratsvorsitzende der Bank Paul Achleitner im Gespräch mit der F.A.Z., dass Schenck die Investmentbank stärker ausbauen wollte, als die Bank das mittrage.

Quelle: F.A.Z.
Tim Kanning
Redakteur in der Wirtschaft.
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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