Wegen Fabrikbau

Tesla-Chef bittet Trump um Hilfe gegen China

Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai
 - 06:35

Im Oktober vergangenen Jahres ließ Tesla unter amerikanischen Journalisten eine Nachricht streuen, die Furor machte: der Autobauer aus dem Silicon Valley werde bald in Schanghai eine Fabrik eröffnen, so hieß es.

Die Sensation daran waren die Eigentumsverhältnisse: zu 100 Prozent sollte das Werk den Amerikanern gehören, und damit auch der komplette Gewinn aus den dort produzierten und in China verkauften Autos. Diese Nachricht ließ Volkswagen, Daimler und alle anderen ausländischen Autobauer in China aufhorchen. Müssen sie doch seit jeher mit einem chinesischen Partner in einem Gemeinschaftsunternehmen produzieren (Joint Venture), an dem die chinesische Seite mindestens 50 Prozent, im Fall von Volkswagen auch mal 60 Prozent hält – und dementsprechend viel vom Gewinn abbekommt, der auf dem größten und mit Abstand am schnellsten wachsenden Automarkt der Welt erzielt wird.

Dass sich Tesla wohl zu früh sicher war, als Ausnahmeautobauer eine Ausnahmegenehmigung in China erhalten zu würden, war bereits Mitte Februar bekannt geworden, als sich die Nachricht verbreitete, dass Peking eben keine Ausnahme für die Amerikaner machen wolle und Tesla in ein Gemeinschaftsunternehmen zu zwingen gedenke wie alle anderen Hersteller aus dem Ausland auch.

Nun äußert sich Tesla-Gründer und Unternehmenschef Elon Musk auf Twitter persönlich zu dem Thema – und gibt der Vermutung Nahrung, dass aus Teslas China-Fabrik, die der Autobauer auf dem heute schon wichtigsten E-Automarkt weltweit dringend braucht, so schnell nichts werden wird.

„die derzeitigen Regeln machen die Dinge sehr schwierig“

In einer Reihe von Twitter-Nachrichten, die sich an Amerikas Präsidenten Donald Trump richteten, schoss Musk gegen den chinesischen Protektionismus auf seinem Automarkt. Er sei generell gegen Importzölle, aber die „derzeitigen Regeln machen die Dinge sehr schwierig“, twitterte Musk an Trump, öffentlich, versteht sich.

„Amerikanische Autobauer dürfen noch nicht einmal 50 Prozent an ihrem eigenen Werk in Chin halten, aber es gibt fünf Elektroautobauer in den Vereinigten Staaten, die zu einhundert Prozent in chinesischem Eigentum sind“, schrieb Musk. Dies sei wie bei den Olympischen Spielen beim Wettlauf „Bleischuhe“ an den Füßen zu tragen.

Er habe dieses Thema schon mit der Regierung von Barack Obama erörtert, schrieb Musk auf Twitter weiter. Aber nichts sei passiert. „Ich will nur ein faires Ergebnis, idealerweise eines, in dem die Zölle/Regeln gleich moderat sind“, schrieb Musk. „Ich hoffe, das wirkt nicht unangemessen.“

Donald Trump hat die Schützenhilfe des Tesla-Chefs indes begeistert aufgegriffen. Er zitierte dessen Tweet und schrieb selbst, die amerikanischen Autobauer seien überall auf der Welt unfair behandelt worden – am gleichen Tag, als er die Einführung seiner Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte verkündete.

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Quelle: FAZ.NET
Hendrik Ankenbrand
Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
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