Bundesfinanzhof

Verluste aus geplatzten Anleihen doch absetzbar

 - 17:41

Anleger, die das Pech hatten, eine Anleihe gekauft zu haben, deren Emittent nicht zahlen konnte, hatten bislang zu allem Überfluss auch steuerlich noch einen Schaden. Wenn sie die Anleihe nicht verkauften, sondern auf eine etwaige Ausgleichszahlung warteten, durften sie die Verluste steuerlich nicht geltend machen, so das Bundesfinanzministerium.

Dem schob der Bundesfinanzhof (BFH) nun aber einen Riegel vor (Aktienzeichen VIII R 13/15). Dieser stellte knapp fest, dass „der endgültige Ausfall einer Kapitalforderung nach Einführung der Abgeltungsteuer zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust in der privaten Vermögenssphäre“ führe.

Im konkreten Fall ging es um ein Darlehen, dessen Zinserträge der Darlehensgeber versteuern musste. Der BFH vertritt die Auffassung, dass mit der Einführung der Abgeltungsteuer eine vollständige steuerrechtliche Erfassung aller Wertveränderungen im Zusammenhang mit Kapitalanlagen erreicht werden sollte. Damit sei die traditionelle Trennung von Vermögens- und Ertragsebene für Einkünfte aus Kapitalvermögen aufgegeben worden, so dass der Verlust steuerlich zu berücksichtigen sei.

Bleibe die Rückzahlung einer Kapitalforderung ohne Berücksichtigung der gesondert erfassten Zinszahlungen unter dem Nennwert des Darlehens, sei dies dem Verlust aus einer Veräußerung der Forderung gleichzustellen. Dies gilt allerdings nur, wenn der Forderungsausfalls endgültig feststeht, die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens reiche hierfür in der Regel nicht aus.

Praktisch wird es also schwierig, die Verluste geltend zu machen. Denn wann steht fest, dass man nichts passiert, fragt sich Steueranwalt Tibet Neusel. Er geht davon aus, dass es noch lange dauern wird, bis es dazu einen Modus operandi geben wird. Er rät dazu, jedenfalls die Anerkennung baldmöglichst zu beantragen, bei Ablehnung Einspruch einzulegen und ein Jahr später die Anerkennung wieder zu beantragen.

Quelle: mho.
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