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Versicherer zieht Bilanz

Quartalsberichte machen Talanx effizienter

Von Philipp Krohn
 - 13:06
Aufräumen: Wirbelsturm Maria hat in der Karibik viel zerstört. Bild: AFP, F.A.Z.

Wer nach fünf Jahren darauf schaut, wie erfolgreich ein Börsengang war, hat einfache Indikatoren zur Auswahl: den Börsenkurs, die Marktkapitalisierung und die Dividendenentwicklung etwa. Doch als Herbert Haas, der Vorstandsvorsitzende der Talanx-Versicherung am letzten Freitag in Frankfurt Bilanz zieht, stellt er etwas ganz anderes in den Vordergrund: „Der Börsengang hat die Transparenz und Professionalisierung gesteigert“, sagt Haas.

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Es ist der aus Lehrbüchern bekannte Effekt, den der Versicherungschef hervorhebt. Durch die Pflicht, sich regelmäßig in Quartalsberichten zu Branchenentwicklungen zu erklären, habe sich das Unternehmen aus Hannover nach und nach professionalisiert. „Wir hätten unsere Sanierung nicht so konsequent angegangen, wenn wir nicht an der Börse gewesen wären“, sagt Haas. Der stetige Austausch mit den Investoren habe dazu geführt, dass sich die Talanx strecken musste, um im Branchenvergleich besser dazustehen.

Sowohl im wichtigen Industriegeschäft als auch im Privatkundensegment hat sich der Konzern, der auch eine Mehrheit am Rückversicherer Hannover Rück hält, durch den Druck der Analysten verbessert. In der Industrieversicherung sind die Preise in Deutschland insbesondere in den Jahren 2013 bis 2015 zurückgegangen, weil neue Wettbewerber auf den Markt gedrängt sind. Die Generali versucht so, Rückgänge im Lebensversicherungsgeschäft zu kompensieren, Berkshire Hathaway hat den deutschen Markt für sich entdeckt. „Die Entscheidung, unser Industriegeschäft zu sanieren, haben wir wohl nur durch den Börsengang treffen können“, sagt Haas.

Börsengang war auch für das Privatkundengeschäft gut

Auch für das Privatkundengeschäft habe der Schritt positive Folgen gehabt. Mit neuen Techniken sei es gelungen, das Geschäft mit Autoversicherungen wieder profitabel zu machen. „Über unsere effiziente Direktvertriebsstrecke und mit Hilfe einer besseren Betrugsbekämpfung haben wir unsere Schaden-Kostenquote verbessert“, sagt Haas. Dabei habe die Expansion in Osteuropa geholfen, wo die Talanx mit Hilfe des Börsengangs zwei polnische Versicherer kaufen konnte. Die 817 Millionen Euro, die der Konzern im Oktober 2012 erlöst hat, ging nahezu vollständig in diese Expansion.

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Positiv für weitere Schritte in den Zielmärkten sei die Kapitalsituation des Unternehmens, das regelmäßig mehr als die Hälfte der Gewinne einbehalten und trotzdem eine im Branchenvergleich konkurrenzfähige Dividende auszahlen konnte. „Gibt es eine Opportunität für weitere Übernahmen sind wir sofort in der Lage zu reagieren“, sagt Haas. Der HDI Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, der 79 Prozent der Anteile an der Talanx hält, hat die Bereitschaft erklärt, seinen eigenen Anteil zu verwässern, wenn die Talanx für ihre Expansion neues Kapital benötigt. Die restlichen 21 Prozent sind im Besitz des japanischen Lebensversicherers Meiji Yasuda und im Streubesitz.

Die Talanx-Aktionäre haben in den vergangenen Jahren selten Grund zum Jubeln gehabt, aber einen durchaus soliden Wert beobachten können. Seit dem Börsengang hat sich der Aktienkurs mit einem Plus von 118 Prozent etwas besser entwickelt als der Branchenindex Eurostoxx 600 Insurance. Gegenüber dem M-Dax, in dem die Talanx selbst notiert ist, schnitt sie schlechter ab. Der Mittelwerte-Index hat sich in den fünf Jahren seit dem Börsengang um 131 Prozent verbessert. Gemeinsam ließen sie indes den deutschen Leitindex Dax hinter sich, der nur um 73 Prozent vorankam.

Kein Interesse am Verkauf des Lebensversicherungsgeschäfts

Eine Priorität ist für die Talanx, sich in den Vereinigten Staaten als vollständiger Führungsversicherer zu etablieren. Das bedeutet, dass sie Industriekunden aus Europa durch alle Risiken in Amerika begleiten kann und aber auch solche aus den Vereinigten Staaten global mit Versicherungsprogrammen unterstützen kann. „In Amerika gibt es nur wenige Versicherer, die weltweit begleiten können. Auch für Industrieversicherer ist es wichtig, einen Fußabdruck zu haben“, sagt Haas.

Wie schon angekündigt werden die Schäden durch den jüngsten Hurrikan Maria in Puerto Rico und durch das Erdbeben in Mexiko dazu führen, dass das Großschadenbudget der Talanx überschritten wird. „Puerto Rico hat viele versicherte Werte in Industrieanlagen“, sagt Haas. „Es wird auch zu großen Betriebsunterbrechungsschäden kommen, weil die Insel seit acht Tagen ohne Strom ist.“ Das Erdbeben in Mexiko hingegen könne mit einem geringeren Schaden zu Buche stehen als zuletzt erwartet. Zum Beispiel habe ein großes Produktionswerk von Volkswagen nach nur einem Tag Unterbrechung die Arbeit wieder aufgenommen. Anders als die Ergo oder die Generali sei die Talanx nicht daran interessiert, ihr Lebensversicherungsgeschäft zu veräußern. Die Preise dafür seien schlecht und die Belegschaft werde dadurch verunsichert, sagt Haas.

Quelle: F.A.Z.
Philipp Krohn
Redakteur in der Wirtschaft.
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