Niedrige Inflationssteuer

Was Draghi für die Sparer tut

 - 14:19

Es hat etwas Rituelles, wenn deutsche Sparer den italienischen Präsidenten der Europäischen Zentralbank fluchen: Mit seiner Niedrigzinspolitik enteigne er die Sparer, beraube sie um ihre wohl verdienten Zinsen.

Tatsächlich auch waren die Realzinsen auf das Sparbuch mit durchschnittlich minus 0,9 Prozent selten nie so niedrig wie in den rund sechs Jahren seit dem Amtsantritt Draghis. Selten ja, aber kein Rekord. In den siebziger Jahren etwa waren die Realzinsen in Deutschland über Jahre hinweg mit bis zu minus 1,3 Prozent im Sechs-Jahres-Durchschnitt noch erheblich niedriger. Dies war auch Mitte der neunziger Jahre bei bis zu minus einem Prozent der Fall.

Einen Schritt weiter geht der Würzburger Ökonom und „Wirtschaftsweise“ Peter Bofinger. Dieser hat in einem Twitter-Beitrag nur kurz gezeigt wie sich, die (negativen) Realzinsen auf Girokonten entwickelt haben. Immerhin, so Bofinger, lägen ja rund 20 Prozent des Vermögens deutscher Haushalte auf zinslosen Konten.

Da auf diese keine (Nominal-)zinsen gezahlt werden, wird auf sie praktisch immer ein (realer) Negativzins in Höhe der Inflation erhoben. Und dieser habe unter Mario Draghi bisher 1,2 Prozent betragen. Doch das ist wenig. In Zeiten der guten alten D-Mark belief sich diese „Inflationssteuer“ auf 2,7 Prozent und mithin mehr als das Doppelte. Es kommt eben immer ein wenig auf die Sichtweise an.

Quelle: mho.
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