Barings im Gespräch

Hochzinsanleihen im Blick

Von Martin Hock
 - 13:55

Barings war einst eine traditionsreiche Bank. Nach ihrem spektakulären Zusammenbruch aufgrund der Spekulationsgeschäfte des Terminhändlers Nick Leeson im Jahr 1995 hatte sie ein wechselhaftes Schicksal. Zehn Jahre gehörte sie zum niederländischen Allfinanz-Konzern ING, bevor dieser das Fondsgeschäft an den amerikanischen Lebensversicherer Mass Mutual weiterreichte.

Bekannt wurde Barings dann vorwiegend für das Management von Schwellenländer-Aktienfonds. Seit vergangenem Jahr hat sich Barings vervierfacht, nachdem Mass Mutual den Spezialisten für die Verwaltung von spekulativen Anleihen für institutionelle Investoren, Babson, mit Barings zusammenführte. Seitdem finden sich unter dem Namen Barings auch Rentenfonds.

Zinserhöhungen machen Hochzinsanleihen weniger aus

Sean Feeley ist insofern neu bei Barings, auch wenn er schon seit mehr als zehn Jahren den nunmehr zu Barings gehörenden Fonds für Hochzinsanleihen managt. Wie jeder Experte für die sogenannten Ramschanleihen muss auch er sich stets mit den zwei Kernthemen auseinandersetzen, um die es immer an diesem Markt geht: Ausfallraten und Leitzinsen. Doch Feeley machen beide Themen keinen Kummer.

„Im Grunde ist der Zusammenhang zwischen Zinserhöhungen und den Kursen von Hochzinsanleihen eher gering. Der Grund liegt am ehesten darin, dass sich angesichts der steigenden Kreditkosten einige Anleger Sorgen machen, höhere Zinsen könnten den Konsum dämpfen. Das ist dann ähnlich wie bei Aktien.“

Üblicherweise führe die Zinserhöhung vor allem anfänglich zu einer schwächeren Entwicklung, weil Privatanleger verkauften. Im Endeffekt aber würden die Anleihen die Kursverluste wieder aufholen und diese sogar überkompensieren. „Immerhin ist der Auslöser der Zinserhöhungen die Tatsache, dass die Wirtschaft wächst, und das ist gut für die Emittenten von Hochzinsanleihen.“

Was nun die Ausfallrate betrifft, so hält es Feeley für möglich, dass diese von ihrem aktuell niedrigen Niveau noch unter zwei Prozent sinkt und sich damit vom langfristigen Durchschnitt von 2,9 Prozent weiter entfernt. „Seit den deutlichen Ausfällen in der Energiebranche im Jahr 2015 sind die Raten im Trend gesunken. Übrig geblieben sind Emittenten mit besserer Qualität“, begründet er seine Einschätzung.

Grundsätzlich hält Feeley von Energie-Anleihen viel, gerade von der Ölbranche, in der sein Fonds zu 17 Prozent investiert ist. „Unsere Investments sind geprüft und verlässlich. Wir mögen, was wir halten. Das schließt nicht aus, dass wir uns gelegentlich neu positionieren, wenn es volatil wird.“

Generell baut der Manager auf einen positiven Branchentrend und ein überzeugendes Management eines Unternehmens. „Wie hat es sich in früheren Konjunkturzyklen verhalten? Wie aggressiv war die Verschuldungsstrategie? Wie ist es um die Glaubwürdigkeit bei den Investoren bestellt? Das sind einige der Fragen, die wir uns stellen.“

Von der Fixierung auf Bilanzkennziffern hält Feeley indes nicht viel. „Wichtig ist die Dynamik. Wenn der Verschuldungsgrad hoch ist, kann er sinken. Man kann kein Investment per se aufgrund irgendwelcher Kennziffern ausschließen. Was nicht bedeutet, dass die Qualität der Zahlen unwichtig ist.“

Die besten Renditechancen biete derzeit das Bonitätssegment der B-Anleihen, also im mittleren spekulativen Bereich. „Anleihen besserer Bonität haben zwar ein geringeres Kreditrisiko, aber auch eine deutlich längere Kapitalbindungsdauer. Sie sind im Allgemeinen anfälliger für Zinsänderungen. Außerdem kann die bessere Bonität den Unternehmen auch eine aggressivere Finanzierung erlauben. Unsere Analysten untersuchen das Einfach-B-Segment sehr genau, so dass wir auch in der Rohstoffbranche attraktive Möglichkeiten finden. Diese sehen wir mittelfristig positiv und positionieren uns dort mit ausgewählten Emittenten.“

Eine Anlageform, die Feeley sehr schätzt, sind besicherte erstrangige Anleihen, die man in Europa allerdings wesentlich häufiger finde als in Amerika. Ihr Vorzug sei zum einen, dass die Einbringlichkeit im Ernstfall deutlich höher sei. Zum anderen aber kosteten besicherte Anleihen oftmals genauso viel wie vergleichbare unbesicherte Papiere. Das seien eben Marktunvollkommenheiten, sagt Feeley, der auch einen Fonds managt, der weltweit nur in besicherte Hochzinsanleihen investiert.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hock, Martin (mho.)
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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