Vorstand Werner Steinmüller

Die Deutsche Bank setzt auf China

Von Tim Kanning
 - 09:55

Dass Werner Steinmüller in Frankfurt arbeitet, ist eine Seltenheit geworden. Als erstes Vorstandsmitglied der Deutschen Bank ist er seit gut einem Jahr nicht nur ausschließlich für Asien zuständig, sondern hat auch Hongkong als Dienstsitz auf seiner Visitenkarte stehen. 20000 Mitarbeiter in 15 Ländern sind ihm unterstellt. Seine Mission: mehr Erträge aus den aufstrebenden Märkten Asiens für die Bank herausholen und sie damit weniger abhängig von dem zuletzt schwächelnden und von Skandalen gebeutelten Geschäft in den Vereinigten Staaten zu machen.

„Die Region Asien-Pazifik trägt rund eine Milliarde Euro zum Konzerngewinn vor Steuern bei und wir wollen diesen Beitrag weiter steigern“, sagt Steinmüller im Gespräch mit dieser Zeitung. Asien sei für die Bank einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Deshalb sei es wichtig, dort nun auf Vorstandsebene vertreten zu sein. „Nur so können wir schnell vor Ort wichtige Entscheidungen treffen“, sagt Steinmüller.

Chinesische Währung wird internationaler

Vor allem in China will die Bank mehr Geschäft machen. Gerade erst hat sie mit der staatlichen Förderbank China Development Bank vereinbart, gemeinsam drei Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) für Projekte zur Verfügung zu stellen, die entlang des chinesischen Prestigeprojekts „Neue Seidenstraße“ entstehen sollen. Das Geld soll zum Beispiel über eine gemeinsame Kreditvergabe und Projektfinanzierungen an die Kunden beider Banken zur Verfügung gestellt werden.

Unser Angebot für Erstwähler
Unser Angebot für Erstwähler

Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

Zum Angebot

Und auch auf eine weitere Öffnung der chinesischen Finanzmärkte und die Internationalisierung der Währung Renminbi setzt die Bank. „Wir haben die Lizenz zur Ausgabe von Panda-Bonds beantragt und hoffen auf eine sehr baldige Genehmigung“, sagt Steinmüller. Mit den Anleihen, die auf Renminbi laufen, hätten internationale Unternehmen eine zusätzliche Möglichkeit, Kapital in der chinesischen Währung aufzunehmen. Für Geschäfte mit dem Land wird der Renminbi schließlich immer wichtiger. „Früher wurden Kontrakte etwa über die Beschaffung von Autoteilen immer in Euro oder Dollar abgeschlossen; inzwischen passiert das oft in Renminbi“, berichtet Steinmüller und verweist darauf, dass inzwischen 10 Prozent des Handels zwischen Deutschland und China in der Währung abgewickelt wird.

Aktien werden in Schwellenländer-Index aufgenommen

„Auch beim Aktienhandel und der Organisation von Börsengängen hoffen wir, sie bald auch innerhalb Chinas machen zu können“, sagt Steinmüller und gibt sich zuversichtlich, dass die Kommunistische Partei schon bald weitere Weichen stellen wird. Bislang sind solche Geschäfte nur offshore, also zum Beispiel in Hongkong, möglich. „Durch eine weitere Öffnung der chinesischen Börsen würde sich der Handel dort mit Sicherheit stabilisieren – schon weil es dann mehr internationale Banken und Analysten gäbe.“

Erst vor zwei Wochen hat der amerikanische Index-Anbieter MSCI entschieden, chinesische Festland-Aktien in seinen vielbeachteten Schwellenländer-Index aufzunehmen, was an den internationalen Finanzmärkten als Ritterschlag für die dortigen Aktienmärkte wahrgenommen wurde. Aus Sicht von Steinmüller ist die Entscheidung ein wichtiger Schritt auf dem Weg, Chinas große und wachsende Finanzmärkte mit dem Rest der Welt zu verbinden. „Wir erwarten in der nächsten Zeit signifikant wachsende Zuflüsse in das Land und die Region von Investoren aus aller Welt und sehen das als wichtigen Katalysator für die Entwicklung und zunehmende Reife der chinesischen Aktienmärkte.“ Dies sei erst der Anfang, sagt Steinmüller.

Asiatische Unternehmen werden zu wichtigen Kunden

Ging es früher für internationale Banken vor allem darum, europäische oder amerikanische Unternehmen nach Asien zu begleiten, so seien es heute auch immer mehr asiatische Unternehmen, die zu wichtigen Kunden herangewachsen sind. „Inzwischen haben sich dort riesige Konzerne wie Alibaba, Huawei oder Tata gebildet, die unser ganzes Sortiment an Bankdienstleistungen vor Ort abfragen“, sagt Steinmüller und verweist zum Beispiel auf ein Aktiengeschäft über mehrere Milliarden Dollar, das die Bank für den japanischen Telekommunikationskonzern Softbank organisiert hat. Vor allem Japan hat sich zuletzt nach Ansicht von Steinmüller wieder erstaunlich stark erholt. Die Aktienmärkte und auch der Beratungsbedarf bei Fusionen und Übernahmen seien zuletzt derart gewachsen, dass er sich das Sonderrecht ausbedungen hat, trotz des in der Bank nach wie vor geltenden Einstellungsstopps neue Mitarbeiter einstellen zu dürfen.

Zum neuen Großaktionär der Bank, dem chinesischen Mischkonzern HNA Group, möchte Steinmüller am liebsten gar nichts sagen. Er sieht es weder als Vorteil noch als Nachteil im asiatischen Geschäft. Die Gruppe halte 9,3 Prozent der Aktien und brauche insofern keine Genehmigung für ihre Beteiligung.

„China ist auf Augenhöhe“

Auch dazu, dass die Bank in der Vermögensverwaltung in Asien zuletzt einige ihrer wichtigsten Mitarbeiter an die Konkurrentin UBS verloren hat, gibt er sich schmallippig. „Ich hatte innerhalb von 48 Stunden eine Nachbesetzung“, sagt er. Dem Geschäft hätten die Abgänge nicht geschadet: von Jahresbeginn bis heute habe die Vermögensverwaltung in seinem Beritt 9,5 Prozent mehr Umsatz gemacht als im Vorjahreszeitraum.

Ein wichtiger Türöffner in Asien sei für ihn der ehemalige Ko-Vorstandsvorsitzende Jürgen Fitschen, der dem Haus noch als Berater verbunden ist, sagt Steinmüller, der mit Jahrgang 1954 nur wenige Jahre jünger ist. Die beiden kennen sich schon seit ihrer gemeinsamen Zeit bei der Citibank in den siebziger Jahren. Heute begleite Fitschen ihn oft zu wichtigen Geschäftspartnern. Doch auch Steinmüller selbst ist als früherer Chef der Globalen Transaktionsbank in Asien bereits gut vernetzt und hat die Modernisierung etwa in China hautnah miterlebt. „Ich bin seit 15 Jahren zweimal im Jahr in China“, erzählt er. „Wenn man früher die Finanzvorstände großer Unternehmen getroffen hat, waren da immer Dolmetscher dabei; heute sprechen die alle fließend Englisch und sind international ausgebildete Top-Leute. China ist auf Augenhöhe.“

China als Alternative zu den Vereinigten Staaten

Es sei auch wichtig, das in den politischen Verhandlungen nicht zu unterschätzen. „Wir müssen auf Augenhöhe mit den Chinesen diskutieren und faire Lösungen zum Beispiel bei gegenseitigen Investitionsbeschränkungen finden“, sagt Steinmüller. Vor allem seit in den Vereinigten Staaten Donald Trump für eine Abkehr vom Freihandel steht, versucht der chinesische Präsident Xi Jinping sich als Alternative für die europäischen Unternehmen darzustellen. Steinmüller hält die Freihandelsreden der Chinesen nicht nur für leere Versprechungen und setzt darauf, dass die Bank die sich verbessernden deutsch-chinesischen Beziehungen für sich nutzen kann. Als vor wenigen Wochen kurz nacheinander erst Sigmar Gabriel und dann Brigitte Zypries zu Staatsbesuchen in China waren, war Steinmüller beide Male mit von der Partie.

„Die Neue Seidenstraße missverstehen viele als reines Infrastrukturprojekt entlang des alten Handelswegs“, sagt Steinmüller. „Heute weiß ich: Es geht darum, dass Europa und China enger zusammenarbeiten sollen.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenpoträt / Kanning, Tim (kann.)
Tim Kanning
Redakteur in der Wirtschaft.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenWerner SteinmüllerAsienChinaHongkongUSADeutsche BankDollarYuan