Geldanlagen im Test

Wo gibt’s die besten Fonds?

Von Dennis Kremer
 - 09:41

Es gibt in der deutschen Finanzszene eine weitverbreitete Klage: Die Deutschen, so seufzen Banker und Fondsmanager gerne unisono, wollten von der Geldanlage einfach nichts wissen. Aktien und Anleihen, Fonds und Zertifikate halte der gemeine Bundesbürger für Teufelszeug, mit dem man ihn bloß nicht belästigen solle.

Dieses Wehklagen mag einstmals berechtigt gewesen sein. Mittlerweile aber ist es nicht mehr ernst zu nehmen. Zwar haben die Deutschen die gewaltige Zahl von etwa 2000 Milliarden Euro vor allem auf Spar- und Tagesgeldkonten liegen. Doch je länger die Nullzinsphase in Europa dauert, umso mehr treibt auch die Menschen hierzulande die Frage aller Fragen um: Wie mache ich mehr aus meinem Geld?

Deutsche Fondsgesellschaften höchstens mittelmäßig

Wie die Antwort ausfällt, lässt sich aus der Statistik ablesen, die der Fondsverband BVI alle paar Monate voller Stolz präsentiert: Die Deutschen legen immer mehr Geld in Investmentfonds an. Mehr als 900 Milliarden Euro stecken hierzulande in Fonds, die sich in erster Linie an Privatanleger richten. Der Wert liegt höher als noch 2015 – und das, obwohl das vergangene Jahr einiges an Börsenturbulenzen zu bieten hatte.

Es könnte einen einfachen Grund dafür geben, dass viele Fondsmanager die veränderte Lage bewusst ignorieren. Rein psychologisch betrachtet ist es immer einfacher, sich über andere aufzuregen, als sich an der eigenen Leistung messen zu lassen. Dies aber müssen die Fondsgesellschaften umso stärker, je mehr Geld die Deutschen ihnen anvertrauen. Leider lautet die bittere Wahrheit, dass gerade die bekanntesten deutschen Fondsgesellschaften DWS, Deka und Union Investment nicht gerade durch hervorragende Leistungen hervorstechen. Im Gegenteil: Eine exklusive Auswertung des Analysehauses Morningstar für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zeigt, dass die deutschen Anbieter im Vergleich zu anderen großen Fondsgesellschaften bestenfalls Mittelmaß zu bieten haben (siehe Tabelle). Die Morningstar-Analysten haben die Arbeit der 40 größten Gesellschaften miteinander verglichen, deren Fonds in Deutschland erhältlich sind.

Das für Deka und Co. wenig schmeichelhafte Ergebnis ist: Sie schaffen es in der Untersuchung nur auf die hinteren Plätze. Die Deutsche-Bank-Tochtergesellschaft DWS, die ja immerhin demnächst zu Teilen an die Börse gebracht werden soll, kommt gerade einmal auf Platz 24. Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, ist nur einen Rang besser. Und für die Deka, die Fondsgesellschaft der Sparkassen, bleibt gar nur ein kümmerlicher 36.Platz. Einzig Allianz Global Investors kann sich mit Rang 13 weiter vorne plazieren. „Die deutschen Fondsgesellschaften haben ein Qualitätsproblem“, sagt Morningstar-Analyst Ali Masarwah. Unangenehmerweise besteht dieses Problem seit längerer Zeit: Schon in früheren Morningstar-Auswertungen für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung enttäuschten die deutschen Anbieter.

Exzellente Verkaufskanäle vorhanden

Umso dreister ist es da, dass die großen deutschen Fondsgesellschaften neben ihrem schwachen Abschneiden vor allem eine Gemeinsamkeit haben: Sie verlangen vergleichsweise hohe Gebühren. So erheben DWS, Deka, Union Investment und Allianz in trauter Einigkeit bei vielen ihrer Fonds sogenannte Erfolgsgebühren, die dann fällig werden, wenn ihre Fonds bestimmte Renditeziele erreichen. Von außen betrachtet, scheint dies zunächst gar keine so schlimme Sache zu sein. Was kann es für Anleger Besseres geben, als einen Fondsmanager, der sich besonders anstrengt, um die Erfolgsgebühr zu erhalten?

Doch das Problem dabei ist: Schon die Verwaltungsgebühr, die jeder Anleger unabhängig von der Wertentwicklung seines Fonds zahlen muss, ist bei den deutschen Gesellschaften keineswegs günstig. Das bedeutet: Wenn sich die Fonds gut entwickeln, wird es für Anleger richtig teuer, denn dann wird die Erfolgsgebühr fällig. Und selbst wenn die Fonds nur durchschnittliche oder gar noch schlechtere Resultate erzielen, sind sie für Anleger trotzdem nicht billig. Kein wirklich überzeugendes Angebot. Woran aber liegt es, dass die deutschen Gesellschaften mit Ausnahme von Allianz Global Investors so deutlich zurückliegen? Natürlich gibt es bei jedem Anbieter dafür spezifische Gründe, aber es gibt auch eine weitere Gemeinsamkeit: DWS, Union und Deka verfügen als Tochtergesellschaften von Banken alle über einen exzellenten Verkaufskanal. In den Filialen der Sparkassen, der Volksbanken und der Deutschen Bank bekommen Kunden zuallererst die Fonds der hauseigenen Fondsgesellschaft angeboten, wenn sie sich nach Möglichkeiten der Geldanlage erkundigen. Das macht es den Anbietern leicht, auch Durchschnittsware an den Mann zu bringen.

Klarere Investmentstrategie als ihre innerdeutsche Konkurrenz

Hinzu kommt ein weiteres Problem. Union, Deka und DWS locken potentielle Anleger mit einem breiten Sortiment an Fonds. Für nahezu jede Anlageregion der Welt und für nahezu jeden Anlagestil hat man ein Produkt parat. „Wer einen ganzen Bauchladen an Fonds feilbietet, aber sich auf nichts richtig spezialisiert, kann auf Dauer keine guten Ergebnisse erbringen“, kritisiert Analyst Masarwah.

Jede Gesellschaft hat aber auch mit ganz eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen. Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS leidet seit Monaten unter der Unruhe im Mutterkonzern Deutsche Bank. Führende Fondsmanager wie Henning Gebhardt, ehemals Leiter des Aktienteams, haben das Haus verlassen. Auch wenn sich die DWS-Aktienfonds zuletzt im Großen und Ganzen gut entwickelt haben, ist unklar, ob dies auch nach Gebhardts Weggang so bleiben wird. Die Anleihefonds schneiden dagegen eher durchschnittlich ab. Insgesamt kommt die Gesellschaft so nur auf einen Anteil von 54 Prozent an gut bewerteten Fonds (gemessen am Volumen der betrachteten Kundengelder).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Union Investment. Trotz einiger guter Mischfonds, die sowohl in Aktien als auch in Anleihen investieren, kommt die Fondsgesellschaft über ein durchschnittliches Gesamtergebnis nicht hinaus. Noch schwächer ist mit einem Anteil von gerade einmal 39 Prozent gut bewerteter Fonds die Deka. Trotz mancher Verbesserung im Vergleich zu früheren Zeiten bleibt gerade die mächtige Sparkassen-Fondsgesellschaft ein Anbieter, der im Mittelmaß verharrt. Halbwegs überzeugen kann nur Allianz Global Investors. Anders als viele Kontrahenten folgen die Allianz-Manager alle einem recht ähnlichen Anlagestil, der sich zuletzt besonders für die Aktien- und Mischfonds ausgezahlt hat. Dies muss zwar nicht zwangsläufig so bleiben, aber zumindest hat man den Eindruck: Die Fondsmanager der Allianz machen sich mehr Gedanken über eine klare Investmentstrategie als ihre innerdeutsche Konkurrenz.

Bei einer Kernkompetenz bleiben

Was aber zeichnet nun die Fondsgesellschaften aus, die in der Analyse am besten abschneiden? An der Spitze der Auswertung steht überraschenderweise eine Gesellschaft, die auch zum Allianz-Konzern gehört, die aber völlig unabhängig von Allianz Global Investors agiert – Pimco. Die Firma ist in der Finanzwelt berühmt, weil sie sich 2014 einen öffentlichen Streit mit ihrem exzentrischen Gründer Bill Gross lieferte. Nach dessen Abgang zogen viele Kunden ihre Gelder ab, mittlerweile ist Pimco aber wieder zu alter Stärke zurückgekehrt. Insgesamt 81Prozent der für die Auswertung betrachteten Kundengelder sind in Fonds angelegt, die Morningstar mit den Noten „gut“ oder „sehr gut“ bewertet.

Gelungen ist den Pimco-Managern dies, indem sie sich auf ihre Kernkompetenz besonnen haben – das Investieren in Anleihen. Zwar mag angesichts fallender Anleihekurse in Amerika derzeit nicht der beste Zeitpunkt sein, um Anleihefonds zu kaufen. Doch die Pimco-Profis haben bewiesen, dass sich selbst in schwierigem Umfeld damit Geld verdienen lässt: Fast nie halten sie eine Anleihe bis zum Ende der Laufzeit, sondern versuchen stattdessen durch viele Käufe und Verkäufe auch kleinste Kursbewegungen auszunutzen. Dabei hilft den Fondsmanagern ein exzellentes Team von Analysten. Das allerdings macht die Fonds auch recht teuer.

Einfach mal danach fragen!

Dennoch lässt sich ein Muster erkennen. Auch die zweite große Fondsgesellschaft unter den Bestplazierten, der amerikanische Anbieter Fidelity, verfügt über ein großes Team an Analysten, die über die ganze Welt verteilt sind. Und auch Fidelity hat sich spezialisiert: Besonders die Aktienfonds überzeugen. Die Morningstar-Analysten loben zudem die Kontinuität, viele Mitarbeiter sind der Gesellschaft seit vielen Jahren treu. Sie mussten sich zunächst als Analysten bewähren und sind dann zu Fondsmanagern aufgestiegen.

Ein Fazit der Untersuchung lautet darum: Wenn die Suche nach den besten Aktien oder Anleihen mit viel Aufwand betrieben wird wie im Falle von Pimco oder Fidelity, kann sich das für Anleger durchaus lohnen. In die Durchschnittsfonds der deutschen Anbieter allerdings sollten sie ihr Geld lieber nicht investieren. Da sind Indexfonds (ETF), die zu niedrigen Gebühren die Wertentwicklung eines Börsenindex wie des Dax eins zu eins nachbilden, allemal die bessere Alternative. Ironischerweise haben sowohl die Deutsche Bank als auch die Sparkassen solche Indexfonds im Angebot. Beim nächsten Besuch in der Filiale einfach mal danach fragen!

Unbenanntes Dokument

Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.
Quelle: F.A.S.
Dennis Kremer - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Dennis Kremer
Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDeutschlandDeutsche BankFASPacific Investment ManagementUnion-Investment-GmbHFondsFondsgesellschaftGeldanlage