Börsengehandelte ETF

Die besten Indexfonds für jedermann

Von Dennis Kremer
 - 13:57

Vor einigen Tagen gab Blackrock, die größte Fondsgesellschaft der Welt, eine Mitteilung heraus. Darin war die Rede von einer beeindruckenden Zahl, genaugenommen von 74 Milliarden Dollar, und von einem Kürzel, das aus drei Buchstaben besteht: ETF.

Die Abkürzung steht für Exchange Traded Funds (zu Deutsch: börsengehandelte Indexfonds) und war bis vor einiger Zeit nur Eingeweihten ein Begriff. Doch dies ändert sich gerade, was sich an der Zahl aus Blackrocks Mitteilung ablesen lässt: Die mächtige Fondsgesellschaft hat zwischen Anfang April und Ende Juni so viel Geld mit ihren ETF eingesammelt wie noch nie in einem Quartal, eben 74 Milliarden Dollar. Auch weltweit ist der Siegeszug der Indexfonds nicht aufzuhalten. Anleger haben derzeit mehr als 4100 Milliarden Dollar in ETF investiert, auch das ein nie dagewesener Wert.

ETF sind eine neue Art des Anlegens, die sich in zwei Punkten von klassischen Investmentfonds unterscheidet. Zum einen kosten ETF in der Regel weniger Gebühren. Und zum anderen folgen sie einem Gedanken, für den der Finanzforscher Eugene Fama 2013 den Nobelpreis erhielt: Niemand, nicht einmal der cleverste Anleger, kann auf Dauer bessere Renditen erzielen als der Aktienmarkt als Ganzes. Denn dies würde bedeuten, im Vorhinein jene Aktien zu kennen, die sich besser entwickeln werden als der Rest. Hierzu lassen sich kluge Vermutungen anstellen, aber wirklich wissen kann dies kein Mensch.

ETF schützt nicht vor Kursverlust

Daraus leitet sich die simple Erkenntnis ab, dass es für Anleger am besten ist, auf den Aktienmarkt als Ganzes zu setzen. Genau diesem Prinzip folgen ETF. Steigt beispielsweise der Dax um drei Prozent, gewinnt auch ein Dax-ETF drei Prozent hinzu. Verliert der Dax dagegen drei Prozent, büßt auch der Dax-ETF drei Prozent an Wert ein. Dieser Grundgedanke leuchtet sofort ein. Das Problem ist nur: Auf welchen ETF genau lohnt es sich zu setzen? Schließlich gibt es allein auf den Dax viele ETF unterschiedlichster Anbieter, von anderen Anlageregionen ganz zu schweigen. Das Analysehaus Morningstar hat darum für die F.A.S. 20 gute ETF ausgewählt (siehe Tabelle).

Bevor man jetzt allerdings blind zugreift, gilt es, sich über ein paar Dinge Gedanken zu machen. Eines muss jedem Anleger bewusst sein: ETF können nicht vor Kursverlusten schützen, so einleuchtend ihr Bauprinzip auch sein mag. Wer den Markt kauft, verliert, wenn die Kurse fallen. Das ist gerade in diesen Sommertagen zu spüren, in denen der deutsche Aktienmarkt Anlegern keine Freude macht. Stand der Dax vor einigen Wochen noch davor, die Schwelle von 13.000 Punkten zu passieren, ist er nun auf 12.160 Punkte zurückgefallen. Daraus den Schluss zu ziehen, Aktien fernzubleiben, wäre aber ein Fehler, wenn man der Historie glauben darf: In der Vergangenheit erzielte der Dax im Durchschnitt ein Plus von acht Prozent pro Jahr.

Vor dem Kauf kann es nicht schaden, sich ein wenig mit den eigenartigen Namen vieler ETF vertraut zu machen. Was zum Beispiel hat man sich unter dem ETF „iShares Core Dax“ vorzustellen? Hat man das Prinzip einmal begriffen, ist das leicht zu entschlüsseln. Vorne steht immer der Name der Fondsgesellschaft, die den ETF anbietet. In diesem Falle ist das iShares, die ETF-Tochtergesellschaft von Blackrock und Marktführer bei ETF. Darauf folgt das Wort „Core“ (zu Deutsch: Kern), was wichtig klingt, aber unbedeutend ist. Mit diesem Marketingausdruck bezeichnen die Gesellschaften gerne ETF, die sie selbst den Investoren als unverzichtbar ans Herz legen. Der letzte Namensbestandteil („Dax“) erklärt sich von selbst. Erst der Name des Anbieters, dann der Name des abgebildeten Börsenindex ist also das Muster. Häufig folgen dahinter noch ein paar unverständliche Buchstabenkombinationen, die Hinweise auf die rechtliche Ausgestaltung eines ETF geben, die aber für Anleger nicht wichtig sind.

Was es beim ETF-Kauf zu beachten gilt

In welchen Börsenindex aber soll man nun mit Hilfe von ETF investieren? Dies ist die wohl wichtigste Entscheidung, die Anleger beim ETF-Kauf treffen müssen. Natürlich ist der Dax aus Sicht deutscher Anleger nicht die schlechteste Wahl, weil sich sein aktueller Stand problemlos in Zeitung, Fernsehen oder im Internet nachverfolgen lässt. Allerdings setzt sich der Dax nur aus 30 Unternehmen zusammen. Andere Börsenbarometer haben deutlich mehr Mitglieder, das Geld der Anleger verteilt sich also auf mehr Firmen, was die Sache weniger riskant macht: Fällt der Kurs einer einzelnen Aktiengesellschaft, hat dies auf den Index weniger Auswirkungen.

Dies gilt beispielsweise für den Börsenindex S&P 500, zu dem die 500 größten Aktiengesellschaften Amerikas gehören, oder für den MSCI World, der die Wertentwicklung von mehr als 1600 Unternehmen aus den wichtigsten Industriestaaten abbildet. Der MSCI World All Countries zählt hingegen Firmen aus Industrie- und Schwellenländern zu seinen Mitgliedern, insgesamt sind es mehr als 2000 Unternehmen. Fast alle wichtigen Aktienbarometer folgen dabei dem Prinzip der Marktkapitalisierung. Das heißt: Je mehr Aktien einer Firma es gibt und je höher deren Börsenkurs, umso größer ist auch das Gewicht des Unternehmens im Index.

Hat man sich einmal für einen bestimmten Index entschieden, steht aber gleich die nächste Frage an – die Auswahl des passenden ETF. Wer es sich einfach machen will, kann die Morningstar-Liste zu Rate ziehen. Trotzdem hilft es, sich hierbei ein paar wichtige Kriterien zu vergegenwärtigen. Zunächst gilt es, auf die Gebühren zu schauen – auch wenn die Kosten für ETF in der Regel niedrig sind. Unabhängig von der künftigen Wertentwicklung eines Index steht nämlich eines schon im Vorhinein fest: „Je höher die Gebühr, umso stärker schmälert dies die Rendite“, sagt Morningstar-Analyst Ali Masarwah.

Niedrige Gebühren und höchste Rendite bestimmten besten ETF

Der beste ETF auf einen bestimmten Index ist derjenige, der im Vergleich zur Konkurrenz die niedrigsten Gebühren und die höchste Rendite hat. Das klingt trivialer, als es ist. Denn auch wenn ETF in der Theorie einen Index exakt abbilden sollen, gelingt ihnen dies in der Praxis nicht immer perfekt. Selbst bei exakt gleichen Gebühren können sich Renditeunterschiede zwischen zwei ETF ergeben, die den gleichen Index abbilden. Darum sollten sich Anleger neben den Kosten genau anschauen, wie viel Rendite ein ETF im Vergleich zum Index und zur Konkurrenz tatsächlich erzielt. Die Unterschiede betragen zwar meist nur wenige Zehntelprozentpunkte, doch in Niedrigzinszeiten fällt auch das ins Gewicht.

Zu diesen Differenzen kommt es oft, weil die Indexfonds nach unterschiedlichen Bauplänen konstruiert werden. Heutzutage dominiert die sogenannte physische Methode, bei der die ETF entsprechend ihrer Gewichtung in alle Aktien investieren, die zu einem Index dazugehören – also zum Beispiel in alle 30 Dax-Aktien.

Anleger stehen sich häufig selbst im Weg

Anbieter sogenannter synthetischer oder Swap-basierter ETF machen ihren Kunden dagegen zwar die Zusage, dass sich ihr ETF so entwickeln wird wie der zugrundeliegende Index. Um dies zu erreichen, kaufen sie aber keine Aktien, sondern gehen gegen eine Gebühr ein komplexes Wertpapiertauschgeschäft mit einer Bank ein. Solche Geschäfte halten viele Anleger für riskant – im Falle einer nicht auszuschließenden Pleite der beteiligten Bank wären die ETF trotz mancher Absicherung stark betroffen.

Allerdings ist auch die physische Abbildungsmethode nicht ohne Risiken: Fast alle ETF verleihen die Aktien in ihrem Portfolio kurzfristig gegen eine Leihgebühr an andere Marktteilnehmer wie Hedgefonds weiter. Ein nettes Zusatzgeschäft, wenn alles klappt. Gerät der Ausleiher allerdings in Schwierigkeiten, schädigt das die ETF-Anleger. Unabhängig davon, für welches Bauprinzip sich Anleger entscheiden: In der Praxis ist es bislang noch nie zu Problemen gekommen.

Verschiedene Studien kommen stattdessen zu dem Schluss, dass sich ETF-Anleger häufig selbst im Weg stehen. Die Möglichkeit, ETF ständig an der Börse zu kaufen und zu verkaufen, verführt sie zu wildem Handeln. Das kostet Geld und schmälert den Ertrag. Mag sein, dass manchem Anleger ohne ständiges Handeln die Lust an der Sache verlorengeht. Aber entweder verzichtet man auf Nervenkitzel – oder auf Rendite.

Quelle: F.A.S.
Dennis Kremer - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Dennis Kremer
Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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