Fondsmanager Eichler

„Aktien haben 30 bis 50 Prozent Kurspotential“

Von Gerald Braunberger
 - 16:12

Olgerd Eichler ist ein erfahrener Fondsmanager. Nach lehrreichen Jahren in der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment arbeitet er seit längerer Zeit für das Frankfurter Unternehmen Mainfirst, in dem er unter anderem seit zehn Jahren den „European Ideas Fund“ verwaltet. „Ich bin ein eingefleischter Stockpicker“, sagt Eichler. „Ich kaufe Aktien aus Überzeugung und versuche, sie mehrere Jahre zu halten. Ich versuche vor allem, früh Unternehmen zu entdecken, die sich als langjährige Wachstumsgeschichten herausstellen.“

Als Manager eines auf europäische Aktien ausgerichteten Fonds sieht Eichler schöne Jahre vor sich, nachdem in der jüngeren Vergangenheit europäische Aktien deutlich schlechter abgeschnitten hatten als Aktien aus den Vereinigten Staaten. Doch jetzt dreht sich aus seiner Sicht der Trend: „Die Aktienmärkte in der Eurozone sind auf Sicht mehrerer Jahre attraktiv für Anleger aus Amerika und aus Asien.“

„Die nächste Rezession ist noch viele Jahre weg“

Beigetragen hat hierzu unter anderem ein verbessertes politisches Umfeld „Nach sieben Jahren Eurokrise lässt die Skepsis vor allem in der angelsächsischen Welt nach“, sagt Eichler. „Dazu hat unter anderem die Wahl Emmanuel Macrons in Frankreich beigetragen, aber auch die glückliche Methode, die zur Rettung der italienischen Banken angewandt wurde.“

Neben dem politischen Umfeld verweist der Fondsmanager auch auf die seines Erachtens auf längere Sicht niedrigen Anleiherenditen, auch wenn die Renditen in den vergangenen Tagen gestiegen sind und am Anleihemarkt Unsicherheit herrscht: „Aktien sind auch interessant, weil die Anleihenrenditen auf lange Zeit niedrig bleiben werden. Ich sehe in den nächsten Jahren keine Rendite von 2 Prozent für Bundesanleihen und auch keine Rendite von 4 Prozent für amerikanische Staatsanleihen.“ Eine hohe öffentliche und private Verschuldung in vielen Ländern erlaube keine deutlich höheren Zinsen.

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Ein drittes Argument für Aktien neben der Politik und den niedrigen Zinsen leitet sich aus der sich bessernden Wirtschaftslage ab. „Hinzu kommt in den kommenden Jahren ein Wirtschaftswachstum in Europa, das sich in steigenden Unternehmensgewinnen niederschlagen wird. Die nächste Rezession in Europa ist noch viele Jahre weg.“

Angesichts dieser Perspektive hält Eichler die immer wieder zu hörende Ansicht, auch in Europa seien Aktien hoch bewertet, für nicht zutreffend. „Europäische Aktien sind zurzeit sehr niedrig bewertet; außerdem gibt es eine Dividendenrendite von durchschnittlich 2,6 Prozent“, hält er dagegen. In einer solchen Situation könne ein Aktienmarkt auch mit einem durchschnittlichen Kurs/Gewinn-Verhältnis von 20 bewertet sein. Daraus leitet Eichler seine von Zuversicht geprägte Prognose ab: „ Wir erwarten für den europäischen Aktienmarkt auf Sicht von drei bis vier Jahren Kursgewinne von 30 bis 50 Prozent. Natürlich sind zwischendurch immer einmal Konsolidierungen möglich.“ Dagegen äußert sich der Fondsmanager zurückhaltender gegenüber den Aussichten amerikanischer Aktien. Der Konjunkturaufschwung in den Vereinigten Staaten sei weit fortgeschritten.

„Es gibt nicht viele Kursraketen“

Seinen Anlagestil vergleicht Eichler nicht nur wegen des langfristigen Ansatzes mit dem Vorgehen einer Gesellschaft für Beteiligungskapital (Private Equity). Er interessiert sich nicht nur für die Zahlen eines Unternehmens, sondern auch für das Management. Wichtig sei die Gesprächsführung mit einem Vorstand. Man müsse auch Fragen stellen, von denen man wisse, dass man auf sie keine Antworten bekomme, und dann auf die Körpersprache achten, verrät Eichler.

Seine Ansprüche auf eine Aktie sind hoch. „Es gibt nicht viele Kursraketen, deren Kurse sich verdoppeln können“, räumt Eichler ein. „Wir studieren 200 bis 300 Unternehmen im Jahr, investieren darunter aber nur in fünf bis zehn Unternehmen.“ Und niemand solle glauben, dass jede Aktie danach sehr gut abschneide: „Wenn von zehn Investments zwei bis drei sehr gut laufen, ist das in Ordnung.“

Der Fonds besteht aus rund 50 verschiedenen Aktien. Unter den Einzeltiteln besaßen Ende März die Unicredit, Siltronic, Shire, Schäffler, Deutsche Pfandbriefbank und Dürr das größte Gewicht. Die Performance des Fonds wird mit jener des Aktienindex „Stoxx Europa 600 Total Return“ verglichen. Seit der Auflegung im Jahre 2007 kam Eichlers Fonds auf eine jährliche Rendite von 7,5 Prozent im Vergleich zu den 2,7 Prozent für den Stoxx 600. Die Anlagepolitik orientiert sich nicht im entferntesten an der des Referenzindex. Ende März 2017 war Unicredit mit einem Gewicht von 8,6 Prozent in Eichlers Fonds vertreten, während das Gewicht von Unicredit im Stoxx 600 nur 0,4 Prozent beträgt. Das sind ausgeprägte Positionierungen eines Fondsmanagers, der das Außergewöhnliche sucht. Sein Fonds sei nicht für jeden Anleger geeignet, räumt Eichler ein.

Quelle: F.A.Z.
Gerald Braunberger - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Gerald Braunberger
Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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