Blackstone investiert

Angelsachsen kaufen Südeuropa auf

Von Hans-Christian Rößler, Madrid und Gerald Braunberger
 - 07:28

Die Konjunkturerholung in der Eurozone lässt das Interesse von Großanlegern aus der englischsprachigen Welt an Kapitalanlagen in Südeuropa deutlich zunehmen. Zur Wochenmitte wurde ein spektakuläres Geschäft aus Spanien bekannt. Denn weniger als 24 Stunden, nachdem die EU-Kommission die Übernahme endgültig genehmigt hatte, hat sich die spanische Großbank Santander von einem Großteil der Altlasten des einstigen Rivalen Banco Popular getrennt.

Santander verkaufte 51 Prozent des Immobilienbestandes und fauler Kredite von Banco Popular für insgesamt 10 Milliarden Euro an den amerikanischen Investmentfonds Blackstone. Das Portfolio stand ursprünglich mit 30 Milliarden Dollar in den Büchern, hatte jedoch wegen der Immobilien- und Finanzkrise seit dem Jahr 2008 deutlich an Wert verloren. Dazu kamen problematische Beteiligungen an Immobiliengesellschaften, die Banco Popular mit einer Gesamtbelastung von insgesamt 37 Milliarden Euro in eine existenzbedrohende Schieflage gebracht hatten.

Santander hatte Anfang Juni die sechstgrößte spanische Bank für einen symbolischen Euro übernommen. Dabei kamen zum ersten Mal die seit Anfang des Jahres 2016 gültigen EU-Bankenabwicklungsregeln zur Anwendung. Sie schreiben vor, dass ein nicht mehr überlebensfähiges Institut geschlossen oder verkauft werden muss, ohne dass dafür die Steuerzahler aufkommen müssen. Gegen diese Übernahme erhob die EU-Kommission am Dienstag in ihrem endgültigen Bescheid keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken.

Das größte Immobiliengeschäft des Landes

Laut spanischen Presseberichten handelt es sich um das größte Immobiliengeschäft dieser Art in der Geschichte des Landes. Der amerikanische Investor, der sich angeblich gegen die Konkurrenz von Apollo und Lone Star durchsetzen konnte, wird demnach zur größten Immobiliengesellschaft Spaniens. Blackstone verfügt nach diesen Angaben über einen umfangreicheren Bestand als die im Jahr 2012 in Folge der großen Krise gegründete Auffanggesellschaft, die „Bad Bank“ Sareb, die Aktiva aus der Bankenrestrukturierung verwaltet. Der amerikanische Fonds wird auch die restlichen Immobilien für Santander verwalten sowie die Immobiliengesellschaft Aliseda übernehmen, die früher Banco Popular gehörte.

Der übernommenen Bank gehörten Grundstücke im Wert von mehr als 12 Milliarden Euro, 25000 Wohnungen sowie Hotels für rund 800 Millionen Euro in ganz Spanien. Die Hälfte davon soll sich in Andalusien und Valencia befinden. Der neue Eigentümer hofft nun offenbar darauf, dass sich der spanische Immobilienmarkt weiter erholt: Im Juni wurden laut den jüngsten Zahlen der nationalen Statistikbehörde 44135 Immobilien verkauft. Wenn sich diese Entwicklung bis zum Jahresende fortsetzt, könnte Spanien wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

Santander hat mit dem zügigen Verkauf das erste seiner zwei ehrgeizigen Ziele schneller erreicht als angekündigt: Innerhalb von eineinhalb Jahren sollte ursprünglich die Hälfte der faulen Popular-Kredite und -Immobilien veräußert werden; innerhalb von drei Jahren dann das gesamte Portfolio. Santander gelang es zudem, frühere Popular-Kunden zurückzugewinnen. Während der Krise hatten sie Einlagen von rund 20 Milliarden Euro abgezogen. Davon kehrten inzwischen wieder 6,5 Milliarden Euro zurück. Um die Folgen der Übernahme zu finanzieren, war eine Kapitalerhöhung von gut sieben Milliarden Euro nötig. Santander will zudem freiwillig Kleinkunden von Banco Popular entschädigen, die bei der Übernahme ihre Investitionen verloren haben. Diese Anleger hatten im vergangenen Jahr Aktien gekauft, um das angeschlagene Geldinstitut zu stabilisieren. Kleine und mittelständische Unternehmen gehörten zu den wichtigsten Stammkunden von Popular, die auch Santander nicht verlieren will.

Investoren sind seit Jahren an Spanien interessiert

Das Interesse von Investoren der angelsächsischen Welt an günstigen Anlagen in Spanien geht bis auf das Jahr 2013 zurück, als das Land noch von einer schweren Immobilien- und Wirtschaftskrise erfasst war. Damals häuften sich Berichte, nach denen sich Vertreter von Banken und Fondsgesellschaften in Madrider Luxushotels einquartierten, um den Markt zu sichten. Allerdings kam es anfangs noch nicht zu Abschlüssen, weil die Banken noch nicht bereit waren, sich mit hohen Preisabschlägen von ihren Immobilien und Immobilienkrediten zu trennen.

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Doch schon bald kam der Prozess in Gang. Im Mai 2014 verkaufte die Commerzbank einen Bestand an spanischen Krediten im Nominalwert von mehr als 4 Milliarden Euro an die amerikanische Großbank JP Morgan Chase und die Fondsgesellschaft Lone Star. Wenige Wochen später gingen Immobilienkredite über 6,4 Milliarden Euro aus dem Bestand der notleidenden Catalunya Bank an Blackstone. Daneben gab es eine Vielzahl kleinerer Abschlüsse.

Das Interesse angelsächsischer Investoren reicht aber über Immobilien und Immobilienkredite hinaus. So beteiligten sich fast 100 internationale Großanleger, darunter auch der Hedgefonds Soros Fund Management, mit Zeichnungen von Aktien anlässlich des Börsengangs der zuvor mit Staatsgeldern geretteten Regionalbank Bankia. Einige Zeit später war Soros Fund Management nach Marktgerüchten mit 500 Millionen Dollar bei einer Kapitalerhöhung der Großbank Santander dabei.

Italien leidet unter faulen Krediten

Mittlerweile kommt auch in Italien der Verkauf fragwürdiger Kredite durch Banken in Gang. Während in Spanien als Folge einer schweren Immobilienkrise vor allem aus dem Wohnungsbau stammende Kredite auf den Markt kommen, hat es in Italien eine vergleichbare Immobilienkrise nicht gegeben. Vielmehr leiden die italienischen Banken unter Krediten, deren Qualität wegen einer langjährigen Lethargie der Wirtschaft leidet. Betroffen sind Kredite an Unternehmen ebenso wie Konsumenten- und Immobilienkredite.

Der größte Verkäufer fauler italienischer Kredite dürfte in diesem Jahr die Großbank Unicredit sein, die ihre Bestände insgesamt um 21 Milliarden Euro reduzieren will. Vor wenigen Wochen hat die Bank mit den Fondsgesellschaften Fortress und Pimco eine Vereinbarung über den Verkauf von Krediten im Nennwert von 17,7 Milliarden Euro erzielt. Die Kredite sollen nach Gerüchten aus dem Markt mit einem Abschlag von rund 80 Prozent auf den Nennwert abgegeben worden sein. Die mit diesen Kreditverkäufen anfallenden Verluste sind ein Grund, warum sich nicht alle italienischen Banken die Abgabe von Krediten leisten können – Unicredit hatte zuvor sein Eigenkapital um 13 Milliarden Euro erhöht. Gleichwohl dürfte der Markt wachsen. Nach einer Schätzung der Bank Isis könnten im zweiten Halbjahr in Italien Kredite über 71 Milliarden Euro auf den Markt gelangen, im Vergleich zu 33 Milliarden Euro in der ersten Jahreshälfte.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rößler, Hans-Christian (hcr.)Gerald Braunberger - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Hans-Christian Rößler
Gerald Braunberger
Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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