Pimco warnt vor Rezession

„An den Märkten schalten die Ampeln auf Gelb“

Von Gerald Braunberger
 - 13:24

Nein, in den kommenden zwölf Monaten hält Joachim Fels einen Fall der amerikanischen Wirtschaft in eine Rezession nicht für wahrscheinlich. Aber auf Sicht von fünf Jahren betrage die Wahrscheinlichkeit einer Rezession rund 70 Prozent, sagte der Chefökonom der großen kalifornischen Fondsgesellschaft Pimco in Frankfurt. Die Lage der Wirtschaft und der Finanzmärkte sei derzeit stabil, aber nicht sicher. „An den Märkten schalten die Ampeln auf Gelb“, warnte Fels.

Die Anleger müssten sich auf politische Risiken einstellen, die ihre Spuren an den Finanzmärkten hinterlassen könnten. Als wichtigstes Risiko nannte Fels China, wo eine Kreditblase im Entstehen sei. Der Ökonom glaubt nicht, dass diese Blase in absehbarer Zeit platzen wird; stattdessen würden Versuche der Regierung, die Blase unter Kontrolle zu behalten, das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen. Außerdem hält Fels eine deutliche Abwertung des Renminbi (Yuan) für wahrscheinlich, wenn China seinen Kapitalverkehr weiter liberalisieren sollte, weil in diesem Fall viele Chinesen einen Teil ihres Geldes im Ausland anlegen wollten.

Weitere Risiken verortet Fels in einer zu expansiven Finanzpolitik in einer Situation hoher Beschäftigung. Sehr groß sei diese Gefahr aber nicht, da die Erwartungen an eine expansive Finanzpolitik durch Donald Trump rückläufig seien, räumte Fels ein. Das dritte Risiko bilde die Geldpolitik, weil es keine Erfahrungen mit einer deutlichen Reduzierung der Bilanzsummen von Zentralbanken gebe. „Es lässt sich nicht ausschließen, dass die Geldpolitik unbeabsichtigt Schaden stiftet.“

Lage in Eurozone wird als schwierig eingeschätzt

Welche Konsequenzen sollten Anleger aus einer solchen Weltsicht ziehen? „Nach aller Erfahrung leiden in Rezessionen riskante Kapitalanlagen besonders stark“, erinnerte Andrew Balls, Pimco-Spezialist für Anleihen. Balls hält amerikanische Staatsanleihen für eine geeignete Anlage, weil ihre Rendite mit rund 2 Prozent zwar nicht sehr hoch, aber doch noch höher sei als die Renditen vieler anderer Staatsanleihen. Nach Ansicht von Balls sind zehnjährige amerikanische Staatsanleihen, aber auch Anleihen aus manchen Schwellenländern weitaus geeignetere Anlagen als zehnjährige italienische Staatsanleihen: „Für die mit italienischen Anleihen verbundenen Risiken ist die Rendite zu gering“, sagte Balls. Es sei schwer zu sagen, wie italienische Anleihen zu bewerten seien, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) beginne, ihre Anleihekäufe erst weiter zu reduzieren und dann einzustellen.

Wie viele andere Finanzhäuser erwartet auch Pimco für den Herbst die Ankündigung der EZB, dass sie ab Januar 2018 ihre Anleihekäufe zurückfahren werde. „Das hat Mario Draghi sehr elegant gemacht“, sagte der Leiter des Deutschland-Geschäfts von Pimco, Andrew Bosomworth. Er bezog sich auf die jüngsten Äußerungen Draghis im portugiesischen Sintra, wo der EZB-Präsident die wirtschaftlichen Aussichten der Eurozone sehr positiv geschildert hatte. „Es ist ein glücklicher Umstand für die EZB, dass sie ihren Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm mit einem Konjunkturaufschwung begründen kann“, sagte Bosomworth. Tatsächlich aber sei die EZB gezwungen, ihre Anleihekäufe deutlich zu reduzieren, weil sie nach ihren Regeln ansonsten im kommenden Jahr gar nicht mehr genügend Papiere kaufen könnte.

Der Spielraum der Finanz- und Geldpolitik in einer künftigen Rezession ist ein Thema, das die Strategen im Hause Pimco beschäftigt. Pimco gehörte nach der Finanzkrise zu den ersten bekannten Adressen, die niedrige Zinssätze nicht als Verirrung oder Marktmanipulation durch die Geldpolitik angesehen haben, sondern als Ausdruck einer „neuen Normalität“, in der dauerhaft niedrige Zinsen durch demographische Entwicklungen, durch eine schwache Produktivität in der Wirtschaft, durch zunehmende Einkommens- und Vermögensungleichheit sowie durch eine starke Nachfrage nach sicheren, zinstragenden Kapitalanlagen unterstützt werden.

Nach Ansicht vieler Beobachter erhöht die Fed seit einiger Zeit ihren kurzfristigen Leitzins vor allem, um in einer künftigen Rezession Spielraum für Zinssenkungen zu haben. Fels ist nicht davon überzeugt, dass sie noch in diesem Jahr ihren Leitzins erhöht; die Zahl der Zinserhöhungen im kommenden Jahr werde davon abhängig sein, ob eine expansive Geldpolitik betrieben werde. Die Lage in der Eurozone wird als schwieriger eingeschätzt. Hier hat sich die Wirtschaft zwar offensichtlich in einen Aufschwung begeben, aber Bosomworth gab zu bedenken, dass in einer eventuellen Rezession weder die Geldpolitik noch die Finanzpolitik über einen großen Spielraum verfügten. Das ist ein weiterer Grund, warum amerikanische Staatsanleihen bevorzugt werden: Deren Wohl und Wehe hänge weniger von der Geldpolitik ab.

Quelle: F.A.Z.
Gerald Braunberger - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Gerald Braunberger
Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
TwitterGoogle+
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDonald TrumpChinaEZBPacific Investment ManagementEurozoneFondsgesellschaftRezession