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Kapitalfonds

Das Family-Office für den kleinen Geldbeutel

Von Martin Hock
© dpa, F.A.Z.

Spätestens seit der Finanzkrise haben Family-Offices einen gewissen Nimbus. Weil sie das Geld einer oder mehrerer Familien direkt in deren Auftrag verwalten, gingen sie damit umsichtiger um, so die landläufige Einschätzung. Seitdem haben sich mehr Family-Offices auch für andere Anleger geöffnet, auch wenn es den guten Namen meist nicht für kleines Geld gibt. Anders ist dies mit dem Fonds „HQT Global Quality Dividend“, hinter dem sich ein Fonds aus dem Hause Harald Quandt verbirgt, jenes Zweigs der durch BMW so bekannten Industriellenfamilie also, der ursprünglich vor allem im Rüstungsgeschäft investiert war.

Seit November des vergangenen Jahres sind Anteile an dem Fonds schon ab 5000 Euro Mindestanlage erhältlich. Seinen Ursprung nahm der Fonds, als das Family-Office für Kunden einen Dividendenfonds gesucht hatte, aber keinen fand, der den Anlagekriterien entsprach. Deshalb entschloss man sich im Jahr 2012, selbst einen Fonds aufzulegen, erklärt Portfolio-Manager Sven Lehmann. Großes Interesse an dem Fonds führte dann 2016 zur Auflage des „HQT Global Qualitity Dividend“, einer Kopie des ursprünglichen Fonds für das breite Publikum.

Ausdünnung von 7000 auf 500 Aktien

Was HQT an den seinerzeit verfügbaren Fonds fehlte, war ein Fokus auf stabile Dividenden bei gleichzeitig strengen Bewertungskriterien. „Uns ist wichtig, dass Dividenden nachhaltig gezahlt werden. Wir suchen stabile Qualitätsunternehmen, nicht die aktuell höchsten Dividendenzahler“, sagt Lehmann. Entscheidend an der Dividende sei nicht die kurzfristige Höhe, sondern die Dauerhaftigkeit. „Die Dividende macht ungefähr eine Tagesschwankung aus. Aber sie ist immer positiv, und langfristig kommt so der Zinseszinseffekt zum Tragen.“ Eine stabile Dividendenzahlung sei ein konstanter Faktor für den Erfolg der langfristigen Vermögensanlage.

Und so verbreitet ist die nicht. Bei der Prüfung der Dividendenentwicklung auf Stabilität dünnt sich das Anlage-Universum des Fonds schon von 7000 auf 500 Aktien aus. Im folgenden prüfen die HQT-Manager, was zu Dividendenkürzungen führen könnte. Kriterien sind etwa die Höhe der Eigenkapitalquote, aber auch die Stabilität des Geschäftsmodells in puncto Abhängigkeit von der konjunkturellen Lage einzelner Branchen oder der Gesamtwirtschaft.

Es folgt die quantitative Bewertung. „Diese Aktien sind selten günstig zu haben. Es geht daher um die Frage, ob sie auch relativ zum Markt günstig bewertet sind“, erläutert Lehmann. Letzter Aspekt ist schließlich die Liquidität einer Aktie. „Es gibt Unternehmen von hoher Qualität, deren Aktien günstig zu haben sind. Aber das Handelsvolumen ist zu gering. Wir müssen schließlich die Möglichkeit haben, unsere Positionen zeitnah auflösen zu können.“ Denn Lehmann nutzt Bewertungsschwankungen aus, um Geld zu verdienen. Wenn eine Aktie zu teuer wird, wird sie verkauft. Zu einem späteren Zeitpunkt gibt es sie meist wieder günstiger.

„Seit Trump laufen die Finanztitel besser. Wir hoffen auf die Krise“

Rechnerisch wird der gesamte Fonds innerhalb eines Jahres einmal umgewälzt. Dabei ist dessen Größe überschaubar. Er enthält 22 Titel, mehr will Lehmann auch gar nicht haben. „Was Sie hier bekommen, ist das pure Manager-Alpha. Wir haben keine Beta-Strategie, und zwar eine Benchmark, doch die Übereinstimmung liegt bei weniger als 5 Prozent.“ Soll heißen: Der Erfolg des HQT-Fonds hängt nicht von einem Index, sondern fast ausschließlich von den Auswahlentscheidungen des Managements ab. 22 Titel aber muss der Fonds enthalten. „Mit 21 ginge es rechnerisch auch noch, aber das würde doch etwas schwierig“, sagt Lehmann mit einem Augenzwinkern. Grund sind die europäischen UCITS-Regularien. Danach darf kein Titel mehr als zehn Prozent des Fonds ausmachen und die mit mehr als fünf Prozent gewichteten Aktien gemeinsam nicht mehr als 40 Prozent.

„Man braucht aber eigentlich nicht mehr als rund 20 Titel. Zum einen ist das Universum guter Aktien nicht beliebig erweiterbar. Zum anderen sinkt der Tracking-Error gegenüber dem MSCI-World-Index auf monatlicher Basis ab 20 Titeln kaum noch.“ Der Tracking-Error oder die Abweichung von der Rendite des Index ist eine zweischneidige Angelegenheit: Eine hohe positive Abweichung möchte jeder Anleger gern haben – aber das Risiko einer möglichen hohen negativen Abweichung eben nicht. Insofern ist ein niedriger Tracking-Error von Vorteil.

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Mit der Wertentwicklung ist Lehmann zufrieden. „Die Performance ist relativ sehr gut für die Strategie des Fonds“, formuliert er. Seit Auflage hat der HQT-Fonds bei einer leicht geringeren Schwankungsfreudigkeit gegenüber dem MSCI World Index eine Überrendite von 0,8 Prozent pro Jahr gebracht. Konzipiert ist er eher als Schlechtwetterfonds: In guten Marktphasen liefert er sich ein Brummirennen mit dem Markt. „Aber in einem fallenden Markt verhält er sich stabiler als der Index“, sagt Lehmann. Zuletzt hinkte er etwas nach. „Seit Trump laufen die Finanztitel besser. Wir hoffen auf die nächste Krise“, sagt Lehmann etwas ironisch. Und fügt ernster hinzu: „Wer meint, dass der Markt immer steigt, oder meint, er wisse, wann der Markt fällt, der braucht unseren Fonds nicht.“

Bei einem mit 22 Titeln eng konzipierten Fonds stellt sich immer die Frage, wie lange dieser wie geplant agieren kann. HQT hat sich schon eine Obergrenze gesetzt: Mehr als eine Milliarde Euro Volumen soll der Fonds nicht haben. Indes braucht keine Schlussverkaufspanik auszubrechen: Mit aktuell 70 Millionen Euro ist er von der Milliarde doch noch ein ziemliches Stück entfernt.

Quelle: F.A.Z.
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