Preiskampf

Wer hat die billigsten ETF?

Von Dennis Kremer
 - 14:08

Statistiken entwickeln mitunter ihren ganz eigenen Reiz. Eine auf den ersten Blick langweilige Ansammlung von Zahlen kann manchmal heftige Emotionen auslösen – von großer Freude bis hin zu großem Ärger. Nach allem, was man hört, waren es in den vergangenen Wochen ausgerechnet die staubtrockenen Statistiken der Branche der Investmentfonds, die derart starke Gefühle ausgelöst haben.

Geärgert haben dürften sich die Vertreter der Deutschen Bank. Gefreut haben sich dagegen die Mitarbeiter einer französischen Fondsgesellschaft, deren Name bislang eher Profi-Anlegern ein Begriff ist. Lyxor heißt die Gesellschaft, und auch sie hat eine mächtige Bank hinter sich – die französische Société Générale.

Was war geschehen? Auf dem Markt für Indexfonds (besser bekannt unter dem Kürzel ETF) ist es in den vergangenen Wochen zu einer kleinen Wachablösung gekommen. Dazu muss man wissen: ETF, die die Wertentwicklung eines Börsenindex wie des Dax zu geringen Kosten nachbilden, haben aufgrund ihrer einfachen Funktionsweise viele Fans.

Allein in Europa haben Investoren rund 600 Milliarden Euro in diesen Fonds angelegt, und auch unter Privatanlegern wird das Interesse immer größer. Keine Bank und keine Fondsgesellschaft, die etwas auf sich hält, kann es sich leisten, dieses Geschäftsfeld zu ignorieren.

Deutsche bank nicht mehr Spitze

Gerade deshalb dürften die jüngsten Branchenzahlen, die ausgerechnet von der Deutschen Bank selbst erhoben werden, der Bank besonders weh tun: Denn die Deutsche Bank, die ihre ETF unter dem Namen „Xtrackers“ verkauft und viel Geld für eine Marketingkampagne ausgibt, hat ihren Spitzenplatz verloren.

Erstmals verwaltet Lyxor in Europa mehr ETF-Gelder als die größte deutsche Bank – auch wenn die Differenz minimal ist: Lyxor kommt auf 59,21 Milliarden Euro, die Deutsche Bank auf 59,20 Milliarden Euro. Unangefochtene Nummer eins ist mit mehr als 270 Milliarden Euro die weltgrößte Fondsgesellschaft Blackrock mit ihrer Marke iShares.

Misstrauen gegen Deutsche Bank

Auch wenn nicht genau abzusehen ist, wie lange Lyxor seinen Vorsprung halten wird: Die neue Nummer zwei macht neugierig. Was macht man dort also anders als die Konkurrenz, was besser, was schlechter? Und lohnen sich Lyxor-ETF auch für normale deutsche Anleger?

Der Grund für Lyxors Aufstieg hat vor allem mit zwei Dingen zu tun – zum einen ganz direkt mit der Deutschen Bank. Denn noch immer wirken dort die Unsicherheiten des vergangenen Jahres nach, als zwischenzeitlich sogar Zweifel an der Überlebensfähigkeit der Bank aufkamen. Gerade professionelle Vermögensverwalter, die in immer größerem Maße ETF einsetzen, hielten sich damals mit Investitionen zurück und suchten nach einer Alternative.

Synthetisch ist billiger

Zum anderen aber macht Lyxor auch etwas grundsätzlich anders als die Konkurrenz. In viel höherem Maße bieten die Franzosen ihren Kunden sogenannte synthetische ETF an (oft auch als Swap-basierte ETF bezeichnet).

Der Name mag verwirrend klingen, das Prinzip dahinter ist dagegen gar nicht so kompliziert: Anders als bei einem klassischen ETF kauft Lyxor oft nicht alle Aktien, die zu einem Index wie beispielsweise dem amerikanischen Börsenbarometer S&P 500 gehören. Um die Wertentwicklung des S&P 500 dennoch genau abbilden zu können, geht man stattdessen ein Geschäft mit anderen Banken ein. Gegen eine Gebühr schreiben die Banken der ETF-Gesellschaft dann gewissermaßen die Wertentwicklung des S&P 500 gut.

Diese Art, einen ETF zu konstruieren, ist manchen Anlegern suspekt, weil so eine Abhängigkeit von jener Bank entsteht, die die Wertentwicklung für den ETF liefert. Gerade wenn das Finanzsystem einmal wieder schwierige Zeiten durchleben sollte, halten viele diese Art der Konstruktion für gefährlich.

Das Bauprinzip hat aber einen unbestreitbaren Vorteil. „Auf diese Weise lässt sich ein ETF oft effizienter und kostengünstiger konstruieren“, sagt Ali Masarwah vom Fondsanalysehaus Morningstar. Denn eine ETF-Gesellschaft, die tatsächlich immer die Aktien eines Index kaufen muss (die sogenannte physische Replikation), muss für jede dieser Transaktionen Handelskosten zahlen. Ein Nachteil gegenüber synthetischen ETF.

Kampfpreise

Im Falle von Lyxor befinden sich rund 60 Prozent der Anlagegelder in synthetisch gebauten Indexfonds. Zum Vergleich: Blackrock bietet so gut wie keine synthetisch konstruierten ETF an. Die Deutsche Bank kommt auf einen Anteil von rund 40 Prozent, hat jedoch das Ziel, diesen Wert weiter zu reduzieren.

Schlägt sich dieser Unterschied nun in günstigeren Preisen für Lyxor-Kunden nieder? Für einige ETF haben die Franzosen unlängst die Gebühren gesenkt. Ein Indexfonds, der den europäischen Aktienindex Euro Stoxx 50 abbildet, kostet beispielsweise nur 0,07 Prozent Gebühren. Dies sind Kampfpreise, wie Heike Fürpaß-Peter zugibt, die in Deutschland für den Vertrieb von Lyxor-ETF zuständig ist: „Der Wettbewerbsdruck in unserer Branche ist hoch, bis zu einem gewissen Grad gibt es einen Preiskampf zwischen den Anbietern.“

Kostenunterschiede sind minimal

Insgesamt aber sind Aktien-ETF aus dem Hause Lyxor nicht unbedingt günstiger als die Fonds der Konkurrenz. Eine Auswertung des Analysehauses Morningstar für die F.A.S. mit Stichtag 31. Mai zeigt: Die Unterschiede zwischen den großen Anbietern sind minimal. Danach kommt Blackrock bei typischen Aktien-ETF auf eine durchschnittliche Gebühr von 0,44 Prozent, bei der Deutschen Bank sind dies 0,42 Prozent und bei Lyxor 0,45 Prozent.

Mit Blick auf einzelne Lyxor-Fonds gilt: Besonders der Lyxor-ETF auf den amerikanischen S&P-500-Aktienmarkt ist nach Ansicht der Morningstar-Analysten empfehlenswert, weil er den Börsenindex ein wenig besser nachahmt als die Konkurrenz. Gut ist auch der Lyxor-ETF auf den MSCI World, der die Wertentwicklung der besten Aktien aus den Industrieländern abbildet. In beiden Fällen handelt es sich um synthetische ETF. Vom Lyxor-Dax-ETF dagegen sind die Morningstar-Experten weniger überzeugt. Hier hat Konkurrent Blackrock mit dem iShares-Core-Dax-ETF die Nase vorn.

Quelle: F.A.S.
Dennis Kremer - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Dennis Kremer
Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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