Starinvestor

Steven Cohen erwägt Gründung eines neuen Hedgefonds

Von Norbert Kuls, New York
 - 08:00

Die Drehbuchschreiber der populären amerikanischen Fernsehserie „Billions“ bekommen für die kommenden Etappen neues Material. In der Serie geht es um einen reichen Hedgefondsmanager und einen Staatsanwalt, der ihn wegen Insidergeschäften dingfest machen will. Angelehnt sind diese Figuren an den Hedgefondsmanager Steven Cohen und den ehemaligen New Yorker Bundesstaatsanwalt Preet Bharara, der in den vergangenen Jahren eine erfolgreiche Kampagne gegen illegalen Insiderhandel an der Wall Street geführt hatte. Gegen Cohen persönlich reichte es allerdings nie zu einer Anklage. Aber zumindest Cohens Hedgefonds SAC Capital, den Bharara einst als „Magnet für Marktbetrüger“ bezeichnet hatte, wurde mit einer Rekordstrafe von 1,8 Milliarden Dollar belegt und geschlossen. Bharara, der kürzlich mit einer Reihe anderer Bundesstaatsanwälte vom neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump entlassen wurde, hält mittlerweile Vorlesungen an der New York University. Nun scheint ihm aber Cohen eine bittere Lektion zu erteilen.

Es häufen sich nämlich Indizien, dass Cohen im kommenden Jahr einen neuen Hedgefonds aufmachen wird. „Ich glaube, wir tendieren dazu“, hatte Cohen kürzlich der „New York Times“ in einem Interview verraten. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Cohen darf im Rahmen des damals mit Bharara geschlossenen Vergleichs nämlich bis zum kommenden Jahr kein Geld externer Investoren verwalten. In den vergangenen Jahren verwaltete Cohen nur sein eigenes, auf rund 12 Milliarden Dollar beziffertes Vermögen. Aber er streckt offenbar schon seine Fühler aus. Vor zwei Wochen ließ sich Cohen auf einer mehrtägigen Hedgefonds-Konferenz in Las Vegas blicken, was in der Branche für Aufsehen sorgte. Einer seiner langjährigen Mitarbeiter leitet zudem eine neugegründete Gesellschaft namens Stamford Harbor, an der Cohen mit mehr als 25 Prozent beteiligt ist. Stamford Harbor verwaltet rund 100 Millionen Dollar von Cohens Vermögen. An der Wall Street wird spekuliert, dass das Cohens neuer Hedgefonds werden wird, sobald die Verbotsfrist abgelaufen ist.

Cohen Hedgefonds SAC Capital hatte sich vor vier Jahren im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs des Wertpapierbetrugs schuldig bekannt. Die Staatsanwaltschaft hatte mehrere für SAC Capital tätige Fondsmanager jahrelang wegen vermuteten Insiderhandels verfolgt. Sechs ehemalige Mitarbeiter des Hedgefonds hatten sich schließlich schuldig bekannt oder sind in Strafverfahren rechtskräftig verurteilt worden. SAC Capital, einer der profitabelsten und bekanntesten Hedgefonds an der Wall Street, war nach dem Vergleich in seiner damaligen Form am Ende. Gegen Cohen selbst, der auch als Kunstsammler bekannt ist, erhob die Staatsanwaltschaft allerdings keine Klage wegen Insiderhandels, da die Staatsanwaltschaft nicht genug Beweise hatte, um ein Strafverfahren anzustrengen. Für die fragwürdigen Transaktionen, auf die sich die Ermittler konzentriert hatten, war zudem eine fünfjährige Verjährungsfrist abgelaufen. Cohen, der seit Jahren unter Verdacht stand, war das ultimative Ziel von Bharara gewesen. Er und seine Leute hatten mehr als 70 Hedgefondsmanager, Aktienanalysten, Berater und Verwaltungsratsmitglieder von Aktiengesellschaften dingfest gemacht. Sie haben sie zu Geständnissen getrieben oder vor Gericht Urteile und Gefängnisstrafen gegen sie erwirkt.

Immer mehr Hedgefonds-Manager werfen das Handtuch

Im Jahr 2014 war Mathew Martoma, ein ehemaliger Fondsmanager einer Tochtergesellschaft von SAC, wegen Insiderhandels zu einer neunjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Martoma hatte 2008 von einem Arzt vertrauliche Informationen über schlechte Ergebnisse eines Medikamententests erhalten. Das hatte er laut dem Urteil genutzt, um Aktien von zwei Pharmakonzernen zu verkaufen und damit 276 Millionen Dollar für SAC zu verdienen. In der Klageschrift wurde darauf angespielt, dass Cohen die fraglichen Transaktionen mit Martoma besprochen hat. Die Staatsanwaltschaft hatte gehofft, dass Martoma sich wie andere ehemalige Mitarbeiter von SAC unter Druck schuldig bekennen und mit den Behörden kooperieren würde. Der Fondsmanager, der seine Unschuld beteuerte, hat Cohen aber nie belastet.

Unbenanntes Dokument

Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

Cohens Rückkehr würde dem allgemeinen Trend in der Hedgefonds-Branche zuwiderlaufen, da an der Wall Street zuletzt immer mehr prominente Hedgefondsmanager das Handtuch warfen. Erst vor kurzem hatte Eric Mindich, der Gründer der Hedgefonds-Gesellschaft Eton Park Capital Management, nach schwachen Ergebnissen die Schließung seines Fonds angekündigt. Vergangenes Jahr wurden nach Angaben des Brancheninformationsdienstes Hedge Fund Research mehr als 1000 dieser Anlagevehikel geschlossen oder liquidiert – so viele wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Die Gesamtzahl der Hedgefonds ist mit rund 8200 auf das niedrigste Niveau seit 2013 gefallen. Fachleute rechnen mit einem anhaltenden Ausleseprozess. Die seit der Finanzkrise unterdurchschnittlichen Renditen in der Branche haben zu wachsender Kritik an den hohen Gebühren geführt, die Hedgefonds für die Verwaltung des Geldes verlangen. Hedgefonds kassieren in der Regel 2 Prozent Verwaltungsgebühr auf die angelegte Summe und dazu 20 Prozent vom erzielten Gewinn. Der Starinvestor Warren Buffett, dessen Wort in der Finanzbranche viel gilt, hat diese Praxis als „unglaubliches Vergütungsmodell“ kritisiert und in seinem jüngsten Aktionärsbrief ausführlich gegen die Fonds Stellung bezogen.

Nach Angaben des Fachmagazins „Alpha“ haben die 25 bestbezahlten Hedgefondsmanager im vergangenen Jahr insgesamt 11 Milliarden Dollar verdient. Die Hälfte der Spitzenverdiener erwirtschaftete dabei nur Renditen im einstelligen Prozentbereich. Der Aktienindex S&P 500 war dagegen um 12 Prozent gestiegen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kuls, Norbert (nks.)
Norbert Kuls
Freier Autor in der Wirtschaft.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDonald TrumpSteven CohenWall StreetNew York TimesNew York UniversityStaatsanwaltschaftDollarHedgefondsInsiderhandel