Family Offices

Reiche beteiligen sich gerne an Unternehmen

Von Kerstin Papon
 - 13:05

Um das Vermögen von Reichen ranken sich viele Spekulationen – sei es um die Herkunft desselben, die Höhe oder den Besitz. Die Verwaltung ihres Geldes übernehmen die wirklich Vermögenden in der Regel nicht selbst, sondern geben sie in professionelle Hände. Häufig sind Family Offices damit betraut, die als sehr verschwiegen gelten und öffentlich kaum in Erscheinung treten. Allerdings leiden auch sie unter dem fortwährenden Niedrigzinsumfeld. Eine Umfrage unter 72 Family Offices zeigt nun, dass auch ihre Renditeerwartungen für die kommenden Jahre zurückgegangen sind. Knapp die Hälfte der Befragten erwartet auf Jahressicht eine Rendite von maximal 2,5 Prozent, ein Drittel rechnet mit bis zu 5 Prozent. Ohnehin steht der Erhalt des Kapitals weiterhin an erster Stelle der Ziele einer Vermögensanlage. Dies sind Ergebnisse einer Umfrage des Bayerischen Finanzzentrums, die dieser Zeitung vorliegen.

Befragt wurden Family Offices, die vor allem in Deutschland und der Schweiz ansässig sind, die übrigen stammen aus Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein. Es zeigt sich hier einmal mehr, dass Family Offices langfristig ausgerichtet sind. In dem derzeit schwierigen Zinsumfeld setzen diese Vermögenswalter vor allem auf Unternehmensbeteiligungen. Insgesamt gehen sie davon aus, dass sich die gute Entwicklung an den Aktienbörsen fortsetzt. Ein Aktienindex wie der Dax hat in diesem Jahr bislang mehr als 11 Prozent an Wert gewonnen.

Auffällig sei die vergleichsweise hohe Aktienquote von rund 30 Prozent in den Portfolios der Family Offices, heißt es in der Studie. Zum Vergleich: Nach Daten des Deutschen Aktieninstituts sind derzeit etwa 14 Prozent der Deutschen direkt oder indirekt über Fonds in Aktien investiert. Addiert man bei den Family Offices noch Private-Equity-Fonds, direkte Unternehmensbeteiligungen und Venture Capital hinzu, dann kommen Unternehmensbeteiligungen unter den Befragten sogar auf einen Anteil von 46 Prozent. Dies zeige, dass die Vermögensinhaber häufig einen Bezug zum Unternehmertum haben und deshalb die Chancen, die diese Anlagekategorie langfristig bietet, gut einschätzen können, heißt es. Der durchschnittliche Rentenanteil der Befragten beträgt rund 18 Prozent. Im Jahr 2010 waren es noch gut 23 Prozent, während Aktien nur auf 25 Prozent kamen.

Unternehmensbeteiligungen sind favorisierte Anlageklasse

Angesichts der Niedrigzinsphase und der damit verbundenen Notwendigkeit, sich neue Renditequellen zu erschließen, sei es verständlich, dass Unternehmensbeteiligungen die klar favorisierte Anlageklasse für viele Family Offices sind, sagt Frauke Hegemann, verantwortlich für private Investoren und Family Offices bei der Commerzbank. Zum einen könnten die Vermögensinhaber aufgrund ihrer eigenen unternehmerischen Tätigkeit die Chancen und Risiken gut einschätzen. Zugleich seien sie im Rahmen von Family Offices als ertragreiche Anlageklasse gut geeignet, da diese flexibel auf veränderte Marktsituationen reagieren und Anlagespielräume ausschöpfen könnten. Drei Viertel der Vermögensinhaber aus den befragten Family Offices haben das Geld in Unternehmen erwirtschaftet – vor allem in Industrie und Handel, nur knapp ein Viertel hat das Vermögen ererbt.

Bei den Unternehmensbeteiligungen werden nach den Ergebnissen der Studie vor allem Direktinvestments in Private-Equity immer stärker nachgefragt. Rund 11 Prozent der Portfolios der befragten Family Offices bestehen aus solchen Anlagen. Obwohl diese Vermögensverwalter oft nicht an offiziellen Verkaufsprozessen teilnähmen, seien die Erfolgschancen, neue Unternehmensbeteiligungen zu finden, trotzdem sehr hoch, sagt Franziska Meyer zu Starten, Beraterin von KPMG. Denn Family Offices würden meist nur den Kapitalerhalt als oberstes Ziel der Renditeerwartung nennen und verfügten über ein einflussreiches Netzwerk. Vereinzelt investieren die Vermögensverwalter auch in die alternative Anlageklasse „Private Debt“. Hierbei handelt es sich um Fremdkapital, das vor allem von institutionellen Investoren meist außerhalb des Bankensektors zur Verfügung gestellt wird. Typischerweise geht es dabei um illiquide, privat plazierte und nicht von Ratingagenturen bewertete Schuldtitel.

Unter den Anleihen machen vor allem Schwellenländerpapiere mit kürzeren Bindungsdauern (Durationen) von zwei bis drei Jahren einen beträchtlichen Anteil der Anleiheportfolios von Family Offices aus. Auch passive Investments und damit börsengehandelte Indexfonds sind häufig ein fester Bestandteil der von Family Offices verwalteten Vermögen, da sie als kostengünstig und hochliquide gelten.

Einfach dürfte die Verwaltung der Vermögen nicht sein. Denn die Entscheidungsträger der Anlagen sind mehrheitlich die Vermögensinhaber. Sie haben tendenziell auch ein starkes Kontrollbedürfnis hinsichtlich der Aktivitäten des Family Offices. Rund drei Viertel der befragten Family Offices betreuen mehrere Familien. Knapp ein Viertel verwaltet ein Vermögen von 1 bis zu 3 Milliarden Euro. Ein knappes Drittel der Teilnehmer hat allerdings zur Höhe des verwalteten Vermögens keine Angaben gemacht. Die Studie hat das Bayerische Finanzzentrum gemeinsam mit Axa Investment Managers, iShares von Blackrock, der Commerzbank und KPMG durchgeführt.

Quelle: F.A.Z.
Kerstin Papon - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Kerstin Papon
Redakteurin in der Wirtschaft.
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