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Geldanlage 2016

Kein Geld mehr verbrennen

Von Daniel Mohr
 - 15:33
Aktien, Immobilien oder doch Rohstoffe? So legen Sie Ihr Geld 2016 richtig an. Bild: Bernd Helfert, F.A.Z.

Die Taschen der Notenbanken sind unendlich tief. Sie allein bestimmen darüber, wie viel Geld im Umlauf ist. Sie allein können Geld in Umlauf bringen. 60 Milliarden Euro werden auch nächstes Jahr Monat für Monat allein von der EZB in die Märkte fließen. Damit werden direkt vor allem Staatsschulden gekauft. Indirekt fließt das Geld aber auch in viele andere Vermögensmärkte. „Die EZB ist unser Konkurrent“, berichten Vermögensverwalter, die Geld in Staatsanleihen anlegen wollen und sich einem austrocknenden Markt gegenübersehen. Viele kaufen stattdessen andere Anleihen, aber auch Aktien oder Immobilien.

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Das Ziel der Europäischen Zentralbank, das vermeintliche Gespenst der Deflation zu vertreiben und Preissteigerungsraten von knapp 2 Prozent zu erreichen, bleibt bislang in weiter Ferne. Die Inflation der Vermögenspreise ist jedoch in vollem Gange. Vor allem die liquiden Märkte profitieren davon. Aktien befinden sich seit bald sieben Jahren im Aufwärtstrend. Der Dax hat sich seit März 2009 mehr als verdreifacht. 2015 gewann der Index knapp 10 Prozent. Deutsche Staatsanleihen sind auf Rekordkursen. Im Umkehrschluss beträgt die Rendite für Papiere mit zehn Jahren Laufzeit gerade noch 0,6 Prozent im Jahr. Kürzere Laufzeiten weisen negative Renditen auf. In der Schweiz ist das längst üblich, teilweise auch in Skandinavien.

Aber auch weniger liquide Anlageklassen profitieren vom Geld der Notenbanken. Immobilien vor allem in Ballungszentren werden rund um den Globus und seit einigen Jahren auch in Deutschland teurer. Von einer Blase will noch keiner reden. Mulmig ist manchem Beobachter gleichwohl, wenn er auf die Preisentwicklung in deutschen Groß- und mittlerweile auch Mittelstädten schaut. Und selbst auf Liebhabermärkten wie denen für Kunst, Wein oder Oldtimer werden Rekordpreise gezahlt. Einzig das Gold mag nicht von der Situation profitieren. Die Hochs datieren aus dem Jahr 2011. Seit 2012 geht es rapide bergab. Von einst rund 1900 Dollar für 31,1 Gramm auf zuletzt knapp 1060 Dollar. Auch andere Rohstoffpreise sind im Sinkflug, am prominentesten Öl.

Bestandsaufnahme ist für die meisten Deutschen schlecht

Der deutsche Anleger hat vom notenbankinduzierten Aufschwung der Vermögenspreise bislang fast nichts. Zwei der gut fünf Billionen Euro, die nach Angaben der Deutschen Bundesbank das Geldvermögen der Deutschen darstellen, liegen weitgehend unverzinst auf Tagesgeldkonten, Sparbüchern, Girokonten oder unter dem Kopfkissen herum. Weitere zwei Billionen Euro sind bei Versicherern und Banken für die Altersvorsorge meist in kapitalgarantierten Verträgen angelegt. Auch hier machen die Niedrigzinsen unter dem Strich eher zu schaffen, als dass sie ein Segen wären.

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Damit profitiert nur die fünfte Billion, also gerade einmal 20 Prozent des Geldvermögens, vom Aufschwung an den Kapitalmärkten. Sie ist in Fonds und Aktien investiert. Nicht in der Bundesbank-Bilanz taucht das Immobilienvermögen auf. Auch hier hat es alles in allem Bewertungsgewinne gegeben, wenn auch nicht für jede einzelne Immobilie. Deutschland ist jedoch im internationalen Vergleich mit einer Mieterquote von rund 50 Prozent (europäischer Durchschnitt: 30 Prozent) eine Hochburg der Mieter. Sie klagten zuletzt immer häufiger über steigende Mieten - und konnten sich nicht über Bewertungsgewinne freuen.

Die Bestandsaufnahme für die meisten Deutschen ist also schlecht. Die Verzinsung ihrer Guthaben sinkt von Jahr zu Jahr. Zu einem Umdenken hat das nicht geführt. Aber wäre es dafür jetzt nicht zu spät? Die Aktienhausse ist schließlich weit fortgeschritten, Anleihen sind längst ausgereizt, die Immobilienpreise kräftig gestiegen? Also doch lieber auf die Zinswende warten?

Viele Unternehmen mit Rekordgewinnen

An dieser Stelle lohnt es, einen Schritt zurückzutreten und langfristige Zusammenhänge in den Blick zu nehmen. Aktien sind Anteile an Unternehmen. Der Aktionär wird Miteigentümer und profitiert damit von Innovationen, Umsatz- und Gewinnsteigerungen seines Unternehmens. Wer an das wertschaffende Wirken von Unternehmen glaubt, dem Kern der Marktwirtschaft, der wird jenseits aller täglichen Kursschwankungen langfristig mit einer höheren Rendite für seine Risikobereitschaft belohnt, Unternehmen sein Kapital zur Verfügung zu stellen. Entscheidend sind ein langfristiger Anlagehorizont und eine breite Streuung über viele Aktien, denn nicht jedes Unternehmen wirtschaftet erfolgreich. Wer sich selbst die Auswahl nicht zutraut, findet genügend günstige Fonds, die einen Aktienindex nachbilden (ETFs), oder er vertraut einem Fondsmanager die Aktienauswahl an, muss dafür aber höhere Gebühren zahlen. Viele Direktbanken bieten mittlerweile das ideale Produkt für den langfristigen Vermögensaufbau sehr günstig an: Aktien-ETF-Sparpläne. Die Filialbanken haben zumindest die teureren Fonds-Sparpläne im Angebot.

Die Angst, ausgerechnet zu einem Hochpunkt am Aktienmarkt einzusteigen, wird durch ein sukzessives Ansparen über einen Sparplan ausgeschlossen. Abgesehen davon, ist die aktuelle Bewertung der Aktienmärkte zwar nicht mehr so günstig wie 2009. Mit den Kursen sind aber auch die Unternehmensgewinne teilweise auf Rekordniveau gestiegen. 2016 könnten die Dax-Unternehmen so hohe Dividenden zahlen wie noch nie. Die durchschnittliche Rendite aus der Dividendenzahlung dürfte allein 3 Prozent betragen. Es ist also mitnichten so, dass die Aktienmärkte, getrieben vom vielen Geld der EZB, eine unglaubliche Blase aufgepumpt hätten, die kurz vor dem Platzen steht. Die weitverbreitete Skepsis gegenüber Aktien bezeichnen Beobachter eher als gutes Zeichen. Denn eine Hausse stirbt meistens in einer Jubelstimmung, wie sie zum Beispiel im Jahr 2000 rund um die Internetunternehmen herrschte. Davon ist derzeit nichts zu spüren.

Und wenn die EZB doch einmal den Geldhahn zudreht? Das wird eine spannende Frage, die aber im Jahr 2016 noch nicht anstehen dürfte. Mindestens bis März 2017 soll weiter monatlich zusätzliches Geld fließen. Sicherlich könnten nächstes Jahr schon Diskussionen über ein Ende der Geldflut einsetzen und zu steigenden Zinsen führen. Das dürfte aber für die Anleihemärkte mit ihren teils enorm hohen Bewertungen zum Beispiel für deutsche Staatspapiere eher spürbar werden als für die Aktienmärkte.

Außerdem wird die EZB die ersten Anzeichen eines nennenswerten Wirtschaftsaufschwungs nicht gleich wieder mit einer Zinswende abwürgen wollen. Die Bedingungen für Schuldner dürften damit weiter günstig bleiben. Doch sollten die Finanzierungskosten immer nur ein Teil von Anlageentscheidungen sein, nicht aber über sie bestimmen. Die EZB und die Banken bekommen dies seit Jahren zu spüren. Der erhoffte Investitionsschub von Unternehmen wurde durch die niedrigen Zinsen bislang jedenfalls nicht ausgelöst. Was nutzt eine günstig finanzierte Produktionsstätte, wenn sie nicht ausgelastet ist?

Geld auf dem Sparbuch ist kein Fehler

Zu einem Eigenheim sollten Privatanleger daher auch nur greifen, wenn sie das ohnehin vorhatten und nicht weil die Zinsen niedrig sind. Eile ist nicht geboten. Natürlich können sich Zinssätze ändern, und sie können auch steigen. Der Kauf einer Immobilie ist jedoch für die meisten Privatleute die größte Investition ihres Lebens, die sie über viele Jahre oder Jahrzehnte finanziell bindet. Ein hastig abgeschlossener Kauf einer Schrottimmobilie am falschen Standort zu überhöhten Preisen wiegt viel schwerer, als wenn während einer längeren Phase des Überlegens und Suchens der Finanzierungszins um ein paar Zehntelprozentpunkte steigt. Dies ist indes nicht in Sicht. Der Zinstrend zeigt seit Juli wieder nach unten. Die Tiefs aus dem April und Mai 2015 sind aber noch nicht wieder erreicht. Historisch ist das Zinsniveau aber weiter außergewöhnlich günstig.

Wer diese Finanzierungsvorteile für die Immobilienbranche nutzen will, ohne sich gleich selbst ein Haus zuzulegen, der kann auch mit wesentlich weniger Risiko die Aktien von Immobiliengesellschaften kaufen oder in offene Immobilienfonds investieren. Sie bieten eine wesentlich breitere Streuung des Vermögens als der Kauf einer einzigen Wohnung oder eines einzigen Hauses, auf dem dann die gesamte Altersvorsorge basiert. Außerdem sind die Kaufnebenkosten insbesondere bei Aktien weit günstiger als bei einer eigenen Immobilie, bei der Grunderwerbssteuer, Makler und Notar bezahlt werden wollen. Bei offenen Immobilienfonds sollten Anleger nach Angeboten Ausschau halten, die möglichst einen Rabatt auf den Ausgabeaufschlag bieten.

Geld auf dem Sparbuch, dem Tagesgeld- oder Girokonto liegen zu haben ist indes sicherlich kein Fehler. Für eine Autoreparatur oder den Jahresurlaub sollte nicht extra eine Aktie oder ein Immobilienfonds verkauft werden müssen. Im Durchschnitt hat jeder Deutsche aber mehr als 25 000 Euro quasi zinslos auf der hohen Kante. Viele Millionen Deutsche haben zwar auch gar keine oder nur eine geringe Ersparnis, weil das Geldvermögen ungleich verteilt ist. Aber wer etwas hat, dem sollten zwei bis drei Nettogehälter als Rücklage auf dem Konto reichen.

Dass der Kapitalmarkt nur etwas für Reiche ist, bleibt ein hartnäckiger Irrglauben. Die teuerste Aktie im Dax ist mit knapp 230 Euro je Stück Continental. Aktien von Eon und Commerzbank sind schon für weniger als 10 Euro zu haben. Auch Fondsanteile sind für wenige Euro für jedermann erschwinglich. Dazu kommen je nach Institut Bankgebühren und je nach Börse Börsengebühren. Es muss also mitnichten so sein, dass von der Geldpolitik der EZB nur die reichsten zehn Prozent profitieren. Das zu ändern, hat jeder Sparer selbst in der Hand.

Quelle: F.A.Z.
Daniel Mohr
Redakteur in der Wirtschaft.
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