Schwarze Schafe

Family Offices fürchten um ihren guten Ruf

Von Martin Hock
 - 11:34

„Family Offices“ sind bis zur Finanzkrise über den kleinen Kreis vermögender Privatinvestoren hinaus wenig bekannt gewesen. Erst mit der Debatte um die Beratungsqualität von Banken rückten sie mehr ins Blickfeld. Man erhoffte sich von ihnen eine Geldanlage, die einzig dem Interesse des Vermögenden dient und nicht bestimmte Produkte verkaufen muss. Ein Family Office im klassischen Sinn unterstützt einen oder mehrere Vermögende in der strategischen Steuerung des Vermögens. Das ist etwas anderes als Vermögensverwaltung im Sinn von Anlageentscheidungen.

„Wir sind ein Dienstleister, der die Steuerung des Privatvermögens professionalisiert, sozusagen ein Finanzvorstand fürs Private“, formuliert es Stephan Buchwald, Gründer und Partner des Hamburger Multi-Family-Offices Kontora. Viele Family Offices bieten wie Kontora eine Vermögensverwaltung gar nicht an. Mittlerweile treibt sie die Sorge um, durch eine Vermischung von Vermögenssteuerung und -verwaltung am Ende in Verruf zu geraten. „Family Office ist kein geschützter Begriff“, sagt Buchwald. „Es gibt einige Marktteilnehmer, die versuchen, mit einem provisionsgestützten Beratungsmodell unter dieser Bezeichnung Fuß zu fassen. Es wäre äußerst bedauerlich, wenn sich unter dem Namen ,Family Office’ wieder Verkäufer als Berater deklarieren und Kunden mit schlecht diversifizierten Portfolios Schaden zufügen würden.“

Darum hat sich 2014 der Verband unabhängiger Family Offices (Vufo) gegründet. Dieser vertritt eine klare Position: „Ein Family Office ist ausschließlich dem Interesse des Vermögensinhabers verpflichtet. Es darf nicht auf den Feldern tätig sein, auf denen es Leistungen überwachen soll. Mit dem Angebot eigener Geldanlageprodukte ergeben sich Interessenkonflikte, die ausgeschlossen sein müssen“, sagt Referentin Catharina Weber.

„Besondere Anforderungen an Loyalität“

Das Verhältnis zwischen Family Office und Vermögensinhaber sei kompliziert genug. „Die wenigsten Familien haben die Zeit, aber auch nicht das Knowhow für die private Vermögenssteuerung und Geldanlage und übergeben dies dann dem Family Officer. Dessen hierdurch herausgehobene Position stellt besondere Anforderungen an seine Loyalität und sein Vertrauensbewusstsein“, beschreibt Weber das grundsätzliche Spannungsverhältnis. Das sei den Kunden oft nicht so klar. In einer Befragung des Verbandes hätten viele Teilnehmer betont, wie wichtig ihnen die Unabhängigkeit eines Office sei. Gleichzeitig hätten aber viele kein Problem mit der Vereinnahmung von Produktprovisionen gehabt. „Dieser Widerspruch zeigt, dass die Vermögensträger das Problem meist nicht durchschauen.“

Kontora hat sich gegen eine eigene Vermögensverwaltung entschieden. „Wir sehen uns als Schaltzentrale für die Gestaltung der Vermögensanlage und nicht als Vermögensverwalter“, sagt Buchwald. „Für uns wäre es ein Konflikt, uns gleichsam selbst überwachen zu müssen.“ Doch seien die Ansprüche und Voraussetzungen sehr unterschiedlich. „Manche Familien bringen einen Beirat mit, der eine Controlling-Funktion ausübt, oder haben Berater, die der Familie nahestehen.“ Daher gebe es auch nicht ein einziges Modell, wie ein Family Office zu arbeiten habe. „Für manche Vermögensgeber ist eine Vermögensverwaltung wichtig, weil sie die Kontrolle selbst ausüben. Da kann es durchaus sinnvoll sein, wenn ein Family Office auch eine Vermögensverwaltung anbietet.“

Die Deutsche Oppenheim Family Office ist eines der größten Multi-Family-Offices in Deutschland. Sie gehört zur Deutschen Bank, hat eine eigene Vermögensverwaltung und auch Fonds aufgelegt. Vorstand Stefan Freytag sieht in der Frage nach möglichen Interessenkonflikten durchaus einen validen Punkt. Mit Interessenkollisionen müsse man sauber umgehen. International sei es indes eher üblich, dass Family Offices auch selbst Vermögen verwalten.

Größeres Maß an Individualität

Für die Deutsche Oppenheim habe dies seit der Übernahme der Wilhelm von Finck im Jahr 2005 Tradition, da diese von jeher auch als Vermögensverwalter tätig gewesen sei. „Seinerzeit wurde auch mit Unterstützung der Kundenvertretung im Aufsichtsrat der Beschluss gefasst, dies so weiterzuführen. Wir haben uns aber für eine modulare Struktur entschieden, weil wir unseren Kunden nichts aufzwingen.“ Jeder Kunde könne sich entscheiden, ob er klassische Family-Office-Dienstleistungen oder eine Vermögensverwaltung oder beides kombinieren wolle. „Die Hälfte unserer Kunden geht diesen Weg gern mit. Für uns ist es die positive Herausforderung, unsere Neutralität unter Beweis zu stellen.“

Zudem gebe es einen deutlichen Unterschied etwa zur Vermögensverwaltung, wie sie Fondsgesellschaften anbieten. Der Family-Office-Gedanke schlage sich hier in einem größeren Maß an Individualität nieder. „Wir haben umfangreiche persönliche Anlagerichtlinien, in denen Struktur und Qualitätskriterien festgelegt werden. Die größte umfasst zwölf Seiten und ist fast schon ein philosophisches Manifest.“ Und obwohl die reine Vermögensverwaltung profitabler sei, bleibe man beim Geschäftsmodell als Family Office. „Wenn wir uns von der Deutsche Asset Management nicht unterscheiden würden, dürfte man die Frage nach unserer Berechtigung im Verbund der Deutschen Bank stellen.“

Die Entscheidung, auch für kleinere Summen Anlagemöglichkeiten zu bieten, sei von außen an das Office herangetragen worden und nicht unumstritten gewesen. „Letztlich haben wir uns dazu entschieden, weil wir so einen echten Leistungsnachweis erbringen und unsere Erfolge besser belegen können.“ In den eigenen Verwaltungsmandaten spielten die Oppenheim-Fonds nur eine geringe Rolle. Die rentablere Vermögensverwaltung bereichere aber durch die Kapitalmarktnähe das Family-Office-Geschäft. Freytag macht klar: „Wenn man als Family-Office in der Vermögensverwaltung tätig ist, muss das alles sauber, klar und transparent sein.“

Komplizierte Auswahl für die Kunden

Die Auswahl des richtigen Family Office ist für deren klassische Kundschaft also kompliziert. Letztlich ist es auch eine Frage des Vertrauens. Das zeigte sich auch in den Ergebnissen einer Umfrage, die Kontora unter seinen Kunden durchgeführt hatte. Der am häufigsten genannte Grund der Entscheidung für das Office waren noch vor der Unabhängigkeit Sympathie und Vertrauen. Das Ergebnis deckt sich mit Erkenntnissen der Vufo-Studie.

Privatanleger, die an der Strategie eines Family Office über einen Fonds oder Ähnliches profitieren wollen, sollten sich das Office genau ansehen, inwieweit es den Erwartungen entspricht, die sie daran stellen. Laut dem vom Dienstleister Campden Wealth und der Schweizer Bank UBS herausgegebenen „Family Office Report“ haben Family Offices in Europa im vergangenen Jahr nur eine Gesamtvermögensrendite von 0,6 Prozent erwirtschaftet. Geschuldet sei dies dem Niedrigzinsumfeld und der damit verbundenen schwachen Rendite liquider Anlagen. Immerhin stecken durchschnittlich 37 Prozent des Vermögens in Aktien und Anleihen. Nur das hohe Engagement in Immobilien (16 Prozent) und Private Equity (21 Prozent) hat Verluste verhindert.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hock, Martin (mho.)
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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