Thailand

Jet-Set-Mönch verabschiedet sich in Haft

Von Christoph Hein
 - 06:14

Nicht nur in der katholischen Kirche enttäuschen Würdenträger immer wieder. Von Indien bis Singapur kommt es auch zu harschen Betrugsfällen in hinduistischen Tempeln. Meist geht es dabei um verschleierten Besitz von Spendergold in Millionenhöhe, manchmal auch um Ausbeutung, Verführung und den Missbrauch von Gläubigen. Vor allem die Junta-Regierung in Thailand ringt mit buddhistischen Mönchen, die nicht sind, was sie vorgeben zu sein. Oder die dem Regime gefährlich werden könnten.

Nun hat ein Gericht in Bangkok den früheren Mönch Wirapol Sukphol zu 114 Jahren Haft verurteilt. Der „Jet-Set-Mönch“, wie die Medien ihn tauften, hatte sich ein gutes Leben auf Kosten anderer gegönnt. 2013 war ein Youtube-Video aufgetaucht, das den religiösen Führer in seiner Robe an Bord eines Privatjets zeigte, an seiner Seite eine – wohl echte – Louis-Vuitton-Reisetasche. Er soll sexuelle Beziehungen zu mehreren Frauen und auch zu einem 14-jährigen Mädchen geführt haben.

Wirapol Sukphol floh nach Amerika, wo er 2016 festgenommen und später an Thailand ausgeliefert wurde. Dort wurde er nun wegen Betrugs, Geldwäsche und eine Verletzung des Gesetzes gegen Computerkriminalität verurteilt, weil er über das Internet Spenden eingesammelt hatte, die er dann für Luxusautomobile ausgab. Unter anderem kaufte der Mönch 22 Limousinen von Mercedes-Benz im Wert von fast 3 Millionen Dollar. Auch BMW und Porsches waren auf seinen Namen zugelassen. Im Oktober wird in einem zweiten Verfahren über den vermuteten Kindesmissbrauch entschieden werden.

Buddha-Bild aus Smaragden

Der heute 39-jährige hatte buddhistischen Gläubigen vier Jahre lang weisgemacht, die Gottheit Indra, dargestellt mit hundert Hoden und vier Armen, habe ihn im Traum aufgefordert, das weltweit größte Bild Buddhas aus Smaragden zu errichten, geschützt von einem riesigen Tempel, in dem auch sein eigenes Konterfei aus Gold stehen sollte. Sie griffen tief in die Tasche.

Am Ende wird Wirapol rund 20 Jahre in Haft verbringen müssen, weil Thailands Gesetze sich überschneidende Gefängnisstrafen ausschließen. Die Webseite LuangPuNenkham.com, über die der Mönch seine Anhänger ausnahm, steht derzeit zum Verkauf.

Der thailändischen Militärregierung kommt das Urteil, gelinde gesagt, nicht ungelegen. Vor den nun für das nächste Jahr angekündigten Wahlen will sie andere Institutionen im Land schwächen – und die starken buddhistischen Mönche im Königreich bedeuten ein unkalkulierbares Risiko. Die Militärs haben auch die Macht des Oberen Sangha Rates, mit dem sich die Mönche verwalten, per Gesetz eingeschränkt. Zugleich versucht die Junta, trotz aller Vorwürfe der Selbstbereicherung gegen sie, die Idee eines sauberen Thailands zu vertreten. Allerdings machen es einige Buddhisten den Generälen auch einfach, weil sie im spendenfreudigen Land Gläubige ausnehmen.

Quelle: FAZ.NET
Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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