Kommentar

Kengeter: Von wegen moralisch

Von Daniel Mohr
 - 17:52

Börsenchef Carsten Kengeter hält es für moralisch geboten, einen größeren Geldbetrag anzunehmen, wenn ihm der angeboten wird. Eindrücklicher hätte der Investmentbanker sein mangelndes Gespür für die Vorbildrolle des Börsenchefs und seinen Moralbegriff kaum zum Ausdruck bringen können.

Er nahm das millionenschwere Bonuspaket des Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Faber – verbunden mit der Pflicht zum Kauf von Börsenaktien für 4,5 Millionen Euro aus eigener Tasche – nämlich zu einer Unzeit an. Inmitten intensiver Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der Londoner Börse.

Ob das strafbar war, darüber steht ein Urteil auch fast zwei Jahre später immer noch aus. Für den Eigenhandel in solch heiklen Phasen gibt es strenge Regeln – am besten, man lässt es ganz. Verzicht kam für Kengeter aber nicht in Betracht. Wäre das aber nicht viel eher seine moralische Pflicht gewesen? Oder zumindest die Bitte um eine Verschiebung auf einen weniger heiklen Zeitpunkt?

Die Deutsche Börse hat einen Vorstandsvorsitzenden von schneller Auffassungsgabe und großer Entscheidungskraft. Einen Kenner von Märkten und Kunden. Das gereicht ihr und den Aktionären zum Vorteil. Für das Image von Managern und der Börse ist Kengeter aber wenig zuträglich. Er bestätigt zu sehr gängige Vorurteile.

Quelle: F.A.Z.
Daniel Mohr  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Mohr
Redakteur in der Wirtschaft.
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