Kontowechsel

Die Deutschen bleiben träge

 - 11:39

Steigende Gebühren, ungünstige Öffnungszeiten, wenig eigene Geldautomaten – es gibt viele gute Gründe, die Bank zu wechseln. Doch die meisten Deutschen halten ihrer Hausbank die Treue, oft ein Leben lang. Die wenigsten Verbraucher haben in jüngster Zeit ihr Konto umgezogen, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov ergab. Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, dass Deutschland vor einem Jahr die Rechte der Bankkunden beim Kontowechsel gestärkt hat.

Die Deutschen bestätigen vielmehr ihren Ruf als Wechselmuffel: Nur 9 Prozent der 2052 Befragten haben der Erhebung zufolge in den vergangenen zwölf Monaten ihre Hauptbankverbindung gewechselt. Am höchsten war die Wechselbereitschaft bei den 25- bis 34-Jährigen.

Wer sich eine neue Bank gesucht hat, begründet das vor allem mit einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis (67 Prozent) und einem dichteren Netz an Geldautomaten (27 Prozent) beim neuen Institut. Auch die bessere Erreichbarkeit vor Ort beziehungsweise per Telefon und E-Mail ist ein Wechselgrund (je 14 Prozent).

Nach 12 Geschäftstagen soll das neue Konto fertig sein

Dass der Gesetzgeber im September 2016 die Rechte von Verbrauchern gegenüber Banken gestärkt hat, hat sich mittlerweile zwar immerhin bei etwa jedem Zweiten (48 Prozent) herumgesprochen. Unter den Kontowechslern gab aber nur etwa ein Prozent an, die Neuregelung habe eine Rolle bei ihrem Wechsel gespielt.

Nach den verschärften Vorgaben, die seit dem 18. September 2016 gelten, muss das neue Institut ein- und ausgehende Überweisungen sowie Lastschriften des alten Kontos übernehmen. Die bisherige Bank hat dazu dem neuen Institut und dem Kunden eine Liste der Aufträge der vorangegangenen 13 Monate zu übermitteln. Nach spätestens zwölf Geschäftstagen soll das neue Konto fertig eingerichtet sein. Die Regelungen sind Teil des Zahlungskontengesetzes, mit dem eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt wird.

„Kontowechsel in nur 10 Minuten“, „Girokonto-Umzug: mit wenigen Klicks alles erledigt“ – so oder ähnlich buhlen Banken und Sparkassen im umkämpften deutschen Markt um Kunden. Die Stiftung Warentest nahm die vollmundigen Versprechen wörtlich und ließ in diesem Frühjahr drei Testpersonen den digitalen Kontowechselservice von drei zufällig ausgewählten Instituten ausprobieren. Das durchwachsene Fazit: „Zweimal klappte alles gut. Der dritte Wechsel gelang nur, weil die Testperson ihn selbst in die Hand nahm. Bei keiner der drei Banken war der Kontoumzug in den vorgeschriebenen gut zwei Wochen erledigt.“ Mal habe die Technik versagt, mal seien die Testpersonen unsicher gewesen, mal habe es an den Zahlungspartnern gelegen.

Kaum Wechselbereitschaft

Von den Kontowechslern in der aktuellen Yougov-Umfrage sagten 89 Prozent, der Umzug zur neuen Hauptbank habe reibungslos funktioniert. Bei etwa 6 Prozent ruckelte es, der Rest machte dazu keine Angaben.

„Es läuft noch nicht überall reibungslos, es gibt da auf jeden Fall noch Anfangsprobleme“, zieht Verbraucherschützer Frank-Christian Pauli eine Zwischenbilanz. Pauli betont: „Verbraucher müssen den Anbieter rasch und reibungslos wechseln können – gerade in Zeiten steigender Gebühren.“ Dazu sei die Zahlungskontenrichtlinie im Grunde ein „ganz wichtiges Instrument“: Wer bisher den Kontowechsel scheute, aus Sorge, Angaben zu Daueraufträgen oder Lastschriften zu vergessen, kann sich auf die Verpflichtung der Kreditwirtschaft berufen, Kunden beim Umzug des Kontos zu unterstützen. Trotzdem ist auch in absehbarer Zeit keine Wechselwelle in Sicht. In den nächsten zwölf Monaten beabsichtigt der Umfrage zufolge nur eine Minderheit von 6 Prozent, ihre Hauptbankverbindung zu ändern.

Quelle: dpa
  Zur Startseite