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Höhere Kreditsummen

Früher ins eigene Heim

Von Kerstin Papon
 - 08:46

Schon im Bruchteil einer Sekunde können sich Dinge grundlegend wandeln. Nach einem Zeitraum von zehn Jahren wiederum sind selbst kleinste Veränderungen doch häufig sehr deutlich zu erkennen. Dies zeigt sich auch mit Blick auf Immobilienfinanzierungen. Heutzutage wird zum Beispiel rund neun Jahre früher Wohneigentum gekauft oder gebaut als noch vor einem Jahrzehnt. Zudem sind die aufgenommenen Kreditsummen viel höher. Dies hat der Finanzdienstleister Dr. Klein nun in einer Analyse von mehr als 100.000 Erstfinanzierungen aus den Jahren 2007 und 2017 festgestellt.

Demnach haben sich Hausbauer und Käufer im Vorjahr im Durchschnitt gut 100.000 Euro mehr geliehen als vor zehn Jahren. Dies dürfte vor allem an den hierzulande inzwischen deutlich höheren Immobilienpreisen liegen. Denn nach Daten der Deutschen Bundesbank, die auf Angaben des Analyseunternehmens Bulwien Gesa beruhen, ist der von der Notenbank gemessene Immobilienpreisindex in den deutschen Landkreisen in den Jahren von 2007 bis 2017 um 46 Prozent gestiegen und in den Städten sogar um 70 Prozent. Der Preisindex des Verbands der Pfandbriefbanken für selbstgenutztes Wohneigentum wiederum hat seit 2007 für Eigenheime um 34 Prozent, für Eigentumswohnungen um 41 Prozent und für selbstgenutztes Wohneigentum insgesamt im Durchschnitt um 36 Prozent zugelegt.

Und wie sieht es im Detail aus? Durchschnittlich nahmen Hausbauer im vergangenen Jahr rund 336.000 Euro für den Bau ihrer eigenen Immobilie auf. Zehn Jahre zuvor waren es noch 210.000 Euro. Etwas sparsamer schienen die Hauskäufer, sagen die Fachleute von Dr. Klein. Ihre Kreditsumme sei unter dem Strich im Durchschnitt von zunächst 179.000 auf 278.000 Euro im Jahr 2017 gestiegen. Auch für Wohnungen griffen die Käufer aktuell fast um die Hälfte tiefer in die Tasche als zuvor: Der durchschnittliche Kredit habe im Jahr 2017 die Grenze von 200.000 Euro durchbrochen, im Jahr 2007 seien es noch 136.000 Euro gewesen. Dennoch zieht es die Deutschen offenbar immer früher in die eigenen vier Wände.

Anteil der vermieteten Objekte steigt

Noch vor zehn Jahren hätten die Bundesbürger mit dem Erwerb einer Wohnimmobilie erst mit rund 48 Jahren begonnen, heißt es von Dr. Klein. Im Jahr 2017 seien Bauherren und Käufer im Durchschnitt fast ein Jahrzehnt jünger gewesen und hätten sich mit durchschnittlich 39 Jahren das erste Wohneigentum geleistet. Gleichgeblieben sei dagegen der Anteil an finanzierten Neubau- oder Bestandsimmobilien. Sowohl im Jahr 2007 als auch im Vorjahr hat laut der Analyse durchschnittlich etwas mehr als ein Viertel der Deutschen die Immobilie selbst gebaut, die anderen 75 Prozent hätten sich für den Kauf einer Wohnung oder eines Hauses entschieden.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Es werden weniger Immobilien selbst genutzt, der Anteil der vermieteten Objekte steigt. Nach den Ergebnissen des Finanzdienstleisters Dr. Klein haben die Kreditnehmer im Jahr 2017 durchschnittlich gut 17 Prozent oder fast ein Fünftel der im Jahr 2017 finanzierten Immobilien zum Zweck der Vermietung erworben. Damit nutzt der überwiegende Teil der Baufinanzierer den Wohnraum zwar immer noch für sich selbst, doch der Anteil der Vermieter ist im Vergleich zum Jahr 2007 deutlich gestiegen. Damals betrug dieser gerade einmal 8,25 Prozent.

Den Grund für diese Zunahme sehen die Fachleute von Dr. Klein vor allem in den niedrigen Zinsen. Diese machten die Investition in Immobilien nicht nur für Selbstnutzer interessant. Auch Kapitalanleger nutzten die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten und spekulierten auf eine gute Rendite durch Mieteinnahmen und weiter steigende Immobilienpreise, heißt es. Derzeit beträgt der Hypothekenzins für eine zehnjährige Zinsbindungsfrist nach Daten der FMH-Finanzberatung im Bundesdurchschnitt gut 1,4 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 waren es im Hoch rund 5,3 Prozent. Für 15 Jahre lang feste Zinsen müssen Kreditnehmer laut FMH derzeit rund 1,9 Prozent bezahlen und für 20 Jahre etwa 2,1 Prozent.

Quelle: F.A.Z.
Kerstin Papon
Redakteurin in der Wirtschaft.
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