Alte Handys

Nur nicht wegwerfen!

Von Christoph Scherbaum
 - 15:01

In deutschen Schubladen, Schränken und Kartons liegen derzeit rund 124 Millionen alte Mobiltelefone ungenutzt herum. Das hat der Digitalverband Bitkom auf Basis einer repräsentativen Befragung errechnet. Das entspricht einem Anstieg von etwa einem Viertel innerhalb von drei Jahren. 2015 waren es erst 100 Millionen Altgeräte, 2010 sogar nur 72 Millionen.

„Die Verkaufszahlen von Handys und Smartphones sind seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau“, sagt Bitkom-Umweltexperte Kai Kallweit. „Sechs von zehn Smartphone-Nutzern haben ihr Gerät im vergangenen Jahr gekauft. Das zeigt, dass viele Verbraucher stets das aktuellste Smartphone besitzen wollen – sei es wegen einer längeren Akkulaufzeit, mehr Speicherkapazität, einer besseren Kamera oder schnellerem Laden. Alte Geräte werden deshalb relativ häufig gegen neue ausgetauscht.“

Ein Beitrag zum Umweltschutz

Aktuell haben 80 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahren mindestens ein unbenutztes Handy oder Smartphone zu Hause. 59 Prozent der Befragten horten sogar zwei oder mehr ungenutzte Mobiltelefone. 17 Prozent haben kein Alt-Handy zu Hause oder noch nie ein Handy besessen. Immerhin die Hälfte der Befragten (53 Prozent) hat sich schon einmal von einem Mobiltelefon getrennt, davon haben wiederum 58 Prozent ein Gerät weiterverkauft, 26 Prozent haben es zu einer Sammelstelle für Elektronikmüll gebracht und 25 Prozent haben es verschenkt. 13 Prozent haben es gespendet und 11 Prozent zum Händler gebracht.

„Wer funktionstüchtige Handys weitergibt, leistet einen Beitrag zum Umweltschutz. Aber auch defekte Geräte sollten unbedingt recycelt werden und gehören nicht in den Hausmüll“, sagt Kallweit weiter. „Die Geräte enthalten zahlreiche wertvolle Rohstoffe wie Gold, Silber, Palladium und Kobalt, die beim Recycling wiedergewonnen werden können.“

Verkaufen oder verschenken

Eine Möglichkeit ist auch der Verkauf übers Internet, zum Beispiel über Ebay oder Amazon. Für gebrauchte Smartphones werden je nach Modell und Zustand noch mehrere hundert Euro gezahlt. Verschiedene Apps und Internetseiten bieten zudem die Möglichkeit, das Handy per Kleinanzeige anzubieten. Zudem gibt es auch spezielle Firmen, die gebrauchte Handys und Elektrogeräte aufkaufen, sie optisch und technisch aufbereiten und dann weiterverkaufen. Vor der Nutzung lohnt ein Vergleich, welches Portal wie viel zahlt. Einige Mobilfunkanbieter nehmen ebenfalls Altgeräte beim Kauf neuer Mobiltelefone in Zahlung.

Handybesitzer können zudem ältere, aber noch intakte Geräte verschenken beziehungsweise spenden. Verschiedene Initiativen sammeln zudem alte Mobiltelefone, um entweder die Rohstoffe wiederzuverwerten oder die Telefone in Entwicklungsländer zu verschicken. Und wer sein altes Smartphone als eine Art Computer ansieht: Dank vieler Apps können alte Geräte weiterhin als Überwachungskamera, Internetradio oder Fernbedienung benutzt werden.

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Löschen privater Daten

Vor der Weiter- oder Rückgabe alter Handys sollten Nutzer private Daten wie das Adressbuch, Nutzerprofile von sozialen Netzwerken, Online-Banking-Zugänge oder auch Fotos und Videoclips löschen. Am einfachsten ist es, alle Nutzerdaten des Telefons über entsprechende Funktionen („Zurücksetzen des Gerätes“) komplett zu löschen.

Das Elektrogerätegesetz

Das neue Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) verpflichtet stationäre Händler und Online-Händler mit einer Laden- beziehungsweise Lagerfläche von mehr als 400 Quadratmeter seit dem 24. Juli 2016 zur Rücknahme von Elektroaltgeräten. Die neuen Rückgabemöglichkeiten wurden für Verbraucher geschaffen: Bei der 1:1-Rücknahme geben sie ein Altgerät kostenlos zurück, wenn sie ein gleichartiges Neugerät kaufen. Ist die Kantenlänge des Altgeräts kleiner als 25 Zentimeter, müssen es Händler auch dann zurücknehmen, wenn Verbraucher kein neues Gerät erwerben möchten. Wird das Gesetz nicht ordentlich umgesetzt, drohen Verbraucherklagen. Für Händler bietet der Service die Möglichkeit, Kunden zu binden.

Quelle: FAZ.NET
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