Trotz steigender Kundenzahlen

Die goldenen Kreditkarten-Zeiten sind vorbei

Von Franz Nestler
 - 10:46

Es sind zwei Entwicklungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Zum einen wächst das Kreditkartengeschäft seit Jahren. Die Bundesbank verzeichnet zwischen den Jahren 2009 und 2014 ein Wachstum von 30 Prozent auf gut 31,1 Millionen Stück.

Gleichzeitig wird immer mehr mit Kreditkarte gezahlt, und sie wird an immer mehr Verkaufsstellen angenommen – zuletzt machten die Discounter Aldi und Lidl sowie Media Saturn damit Schlagzeilen, nun auch die Kreditkarten von Visa und Mastercard zu akzeptieren. Doch so beliebt sie bei den Kunden wird, so problematischer wird die Karte langsam, aber sicher für die Banken.

Der prominenteste Fall dieser Tage ist die Bahncard mit Kreditkartenfunktion. Zum einen kostet sie mit 34 Euro statt 19 Euro (Platinkarte: 64 statt 49 Euro) im Jahr deutlich mehr. Zum anderen wird es mit der Mastercard, die ausgebende Bank ist die Commerzbank, deutlich schwieriger, Prämienpunkte zu sammeln.

Für externe Umsätze auf der Kreditkarte wird nur noch ein Punkt für zehn Euro Umsatz gutgeschrieben, das entspricht einer Abwertung der Punkte um bis zu 70 Prozent. Damit wird sie deutlich uninteressanter für alle Kunden.

Deutlich unattraktiver

Den Grund geben Commerzbank und Deutsche Bahn unumwunden zu: Er liege in einer neuen EU-Richtlinie. Diese Verordnung zu Interbankenentgelten reguliert, wie viel Geld an die Bank fließt, wenn mit Kreditkarte bezahlt wird. Ziel der Richtlinie war und ist es, deutlich mehr Transparenz und mehr Wettbewerb in diesem Sektor herzustellen, wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) schreibt. Für die Banken macht es das Geschäft aber deutlich unattraktiver.

Bei einer Kreditkarte liegt dieser Interbankensatz nun bei maximal 0,3 Prozent, bei einer normalen Debitkarte bei maximal 0,2 Prozent. Vor dem 9. Dezember lag dieser Satz bei etwa 1,73 Prozent des Umsatzes. Die Gebühren für die Girocard dürften sich auch in diesem Rahmen zwischen 0,2 und 0,3 Prozent bewegen, werden aber stets zwischen Banken und Handel vereinbart. Damit ist die Kreditkarte für den Handel noch immer das teuerste Zahlungsmittel, wenn nun auch deutlich günstiger.

Was das für die Banken bedeutet, kann man sich leicht ausrechnen: Laut EHI Retail Institute wurden im vergangenen Jahr knapp 23 Milliarden Euro im Einzelhandel mit Kreditkarten bezahlt. Damit haben die Banken etwa 394,44 Millionen Euro eingenommen. Bei 0,3 Prozent sind es aber lediglich 68,4 Millionen Euro. Damit entgehen der Kreditkartenbranche pro Jahr 326 Millionen Euro. Auch wenn die Branche mit neuen Gebühren kreativ ist, sind diese Einnahmeverluste nicht ohne weiteres auszugleichen.

Probleme auch in den Vereinigten Staaten

Das Geschäft mit den Karten war für die Banken lange Zeit nicht nur wegen der hohen Interbankenentgelte lohnend, mit der sie an jeder Zahlungstransaktion, die mit einer Kreditkarte abgewickelt wird, mitverdienten. Außerdem können sie für die sogenannten revolvierenden Kredite sowie weitere Kreditkartenkredite deutlich höhere Zinsen verlangen, als sie eigentlich im normalen Kreditgeschäft üblich sind.

Während sie bei der Bahncard zum Beispiel bei 12,68 Prozent effektivem Jahreszins liegen, wäre dieser Zins im normalen Kreditgeschäft ungleich niedriger. In den Vereinigten Staaten könnte die Situation für die Banken auch langsam kippen.

Laut einer Studie der Deutschen Bank hat die Kreditkartenindustrie mittlerweile 18 Milliarden Dollar an revolvierenden Krediten und anderen Kartenüberziehungskrediten in den vergangenen drei Monaten angehäuft. Das ist der schnellste Anstieg seit dem Jahr 2007. Bei der US Bank stiegen die „Kreditkartenkredite“ um 16 Prozent an, bei der Citigroup um 12 Prozent und bei Wells Fargo immer noch um 10 Prozent.

Rückstellungen erhöht

Für die Banken ist das an sich eine gute Nachricht, aber es wachsen auch die Sorgen. Analysten sind besorgt, dass sich manche Kreditkartenbesitzer übernommen haben könnten, während die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten schon wieder ausgebremst wird. Verschiedene Banken haben schon die Rückstellungen für mögliche ausfallende Kredite erhöht – auch wenn die Verantwortlichen betonen, dies sei nur der Ausweitung des Geschäfts geschuldet und nicht einer niedrigeren Kreditqualität.

So hat J.P. Morgan Chase zusätzlich 250 Millionen Dollar für das Kreditkartengeschäft zurückgestellt, wie Barclays berichtete. Die größte amerikanische Bank hat ihr Geschäft in den vergangenen drei Jahren deutlich ausgeweitet, wie Finanzvorstand Marianne Lake zuletzt zugab – wohl auch vor allem deshalb, weil Kunden mit einer niedrigeren Bonitätsbewertung akzeptiert wurden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Nestler, Franz
Franz Nestler
Redakteur in der Wirtschaft.
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