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Girokonto

Wo gibt’s das beste Konto?

Von Dyrk Scherff
© Jens Gyarmaty, F.A.S.

Die kleine Deutsche Skatbank aus Thüringen hat den unrühmlichen Anfang gemacht. Sie führte Ende 2014 als erste deutsche Bank Negativzinsen für private Konten ein. Das heißt, Kunden müssen seitdem auf ihre Spareinlagen Geld zahlen, statt wie sonst üblich Zinsen zu bekommen. Die Bank gab damit die Negativzinsen, die die Europäische Zentralbank von den Banken für die Einlagen verlangt, an die Kunden weiter.

Mittlerweile berechnen etwa zehn Banken in Deutschland solche Negativzinsen – kleine Volksbanken und Raiffeisenbanken, aber auch größere Institute wie die Sparkasse Köln-Bonn und die Volksbank Hamburg. Noch gilt das nur für hohe Guthaben von mindestens 100.000 Euro und mehr. Der Online-Broker Flatex verlangt hingegen Negativzinsen schon ab dem ersten Euro.

Aber selbst die Banken, die noch keine Negativzinsen eingeführt haben, verärgern die Kunden, indem sie die Gebühren für das Girokonto erhöhen. Sei es für Überweisungen auf Papier, bei der Grundgebühr oder beim Geldabheben wie jüngst die Sparkassen. Die Folge:

Der Anteil derjenigen, die innerhalb eines Jahres ihre Bankverbindung gewechselt haben, habe sich fast verdoppelt und liege inzwischen bei zehn Prozent – das hat eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsunternehmens YouGov ergeben. Acht Prozent planen demnach einen Wechsel innerhalb der nächsten zwölf Monate, weitere 16 Prozent könnten sich eine Änderung innerhalb dieses Zeitraums ebenfalls vorstellen.

Institute locken mit Neukundenprämien

Solch ein neues Konto bei einer anderen Bank kann sich durchaus lohnen, wie ein Vergleich des Bankenvergleichsportals Biallo.de für diese Zeitung zeigt (siehe Tabelle). Denn zum einen locken einige Institute mit Neukundenprämien von bis zu 100 Euro. Und noch mehr für die, die gleich noch ein Wertpapierdepot verlagern. Der Bonus ist meist an einen bestimmten Gehaltseingang, regelmäßige Kreditkartenzahlungen oder eine besonders aktive Nutzung des Kontos gebunden.

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Zum anderen gibt es weiterhin Institute mit attraktiven Konditionen für Girokonten. Das beginnt mit der Grundgebühr. Viele Online-Banken verzichten darauf, zum Beispiel die Comdirect, die ING Diba oder die Consorsbank. Auch Filialbanken – also Institute, die noch Zweigstellen besitzen, in denen sie die Kunden bedienen – haben kostenfreie Online-Konten, etwa die Commerzbank, die Targobank und die Santander Consumer Bank. Mit diesen Konten können die Dienstleistungen in den Filialen aber nicht genutzt werden. Targobank und Santander bieten aber auch ein kostenloses Konto mit Filialnutzung an. Bedingung für viele kostenlose Girokonten ist ein regelmäßiger Geldeingang, zum Beispiel Gehalt, oder ein Mindestkontostand. Ist das nicht erfüllt, ist eine Grundgebühr fällig. Die meisten Online-Banken geben keine Bedingungen vor.

Unter den Banken, die keine Grundgebühr erheben, gibt es weitere Unterschiede. So schwanken die Überziehungszinsen derzeit zwischen 6,50 und 11 Prozent – ein gewichtiges Argument für Menschen, die öfter mal ins Minus rutschen. Wichtig ist auch die Kreditkarte. Sie wird bei einigen Banken kostenlos mitgegeben, bei anderen kostet sie bis zu 40 Euro im Jahr, enthält aber teilweise auch kostenlose Reiseversicherungen. Oft wird sie zumindest im ersten Jahr oder bei hohen Umsätzen auch dauerhaft kostenlos ausgegeben.

Immer wieder Ärger beim Geldabheben am Automaten

Immer wieder ein Ärgernis für viele Kunden ist das Geldabheben am Automaten. Vergleichsweise unkompliziert ist das außerhalb Deutschlands im Euroraum. Dort bekommt man mit der Kreditkarte oder der alten EC-Karte an jedem Automaten kostenlos Bargeld. Unterschiede zwischen den Banken gibt es in Deutschland und bei Fernreisen.

In Deutschland beschränken die meisten Banken kostenloses Geldabheben auf ihre eigenen Automaten oder die einer Bankengruppe wie der Cash Group (Deutsche Bank, Commerzbank, Hypovereinsbank und Postbank) oder dem Cash Pool (Targobank, Santander und einige kleinere Häuser). Diese Automaten sind nicht in jeder Stadt verfügbar. Dann muss auf die Maschinen der Konkurrenz ausgewichen werden, was zu Gebühren von manchmal mehr als fünf Euro je Abhebung führen kann.

Besonders attraktiv sind hier DKB, Consorsbank und Targobank, die es mit der Kreditkarte ermöglichen, an fast jedem Automaten in Deutschland ohne Gebühren Geld abzuheben. Für die anderen hilft zumindest, dass zunehmend auch Supermärkte wie Rewe und Aldi ab einem bestimmten Mindesteinkaufswert kostenlose Abhebungen ermöglichen. Auch in Shell-Tankstellen können die Kunden einiger Banken kostenlos Geld abheben.

Unterschiede merken die Kunden auch beim Geldabheben außerhalb des Euroraums. Manche Institute ermöglichen das mit Hilfe der Kreditkarte kostenlos, manche gar nicht, die Deutsche Bank nur in einer „Deutsche Bank Card Service-Stelle“, die es in 30 Ländern, aber eben nicht überall gibt.

Aufpassen müssen die Kunden auch, wenn die Bank kostenloses Geldabheben ermöglicht. Es kommt dann trotzdem häufig vor, dass die Automatenbetreiber vor Ort eine Gebühr verlangen, die nicht von den deutschen Instituten erstattet wird. Nur die Santander Consumer Bank macht auch das.

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Quelle: F.A.S.
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