Preisvergleich

Jetzt den Stromanbieter wechseln

Von Christoph Scherbaum und Martin Hock
 - 12:42

Jedes Jahr wird der Strom teurer. Mit der Anpassung der staatlichen Umlagen ändern sich die Strompreise für Versorger auch im kommenden Jahr 2018, wenngleich die EEG-Umlage diesmal sogar leicht sinkt. Die Stromanbieter müssen bis spätestens sechs Wochen vor dem Jahreswechsel ihren Kunden Preisanpassungen mitteilen. Das bedeutet, dass Verbraucher vor allem in den kommenden zwei Wochen verstärkt auf Post von ihrem Stromanbieter achten sollten.

Egal ob per Brief, E-Mail oder als Nachricht im Online-Kundenportal - die Stromanbieter müssen Preisänderungen mitteilen. Nicht selten versuchen sie dennoch, diese zu verstecken. Etwa indem sie diesen ein schönes Informationsschreiben zukommen lassen, das auf dem ersten Blick mit dem Thema Stromtarif wenig zu tun hat. In diesem wird dann die Preisanpassung im Vorübergehen erwähnt.

Es ist daher ratsam, gerade zum Jahresende alle Mitteilungen des eigenen Stromanbieters aufmerksam zu lesen, um von Preisanpassungen zu erfahren und entsprechend vielleicht mit einem Wechsel des Anbieters reagieren zu können.

Vergleichsportale helfen

Nicht allen Verbraucher wissen nämlich, dass sie im Fall von Preisänderungen ein Sonderkündigungsrecht haben. In den meisten Fällen, so Experten, lohnt sich dann ein Wechsel. Dieser funktioniert schnell und problemlos und ist per Internet in wenigen Minuten vollzogen. Benötigt wird dafür neben den persönlichen Daten die Nummer des Stromzählers. Nach rund sechs Wochen hat man einen neuen, hoffentlich günstigeren Stromtarif.

Bei der Suche nach dem besten Tarif helfen Vergleichsportale. Hier kann sich jeder die günstigsten Anbieter für eine bestimmte Stadt und eine bestimmte Energiemenge auflisten lassen. Gerade letzterer Punkt sollte genau beachtet werden bei der Suche nach einem neue Anbieter.

Die Tücke der richtigen Angabe

Nicht jeder Stromanbieter ist bei einer hohen Energiemenge genauso attraktiv ist wie bei einer niedrigen. Achtgeben muss man auch auf Tarife, die eine Höchstmengenbegrenzung haben.

Liegt etwa der Stromverbrauch des Vorjahres bei 1950 Kilowattstunden und gibt man als Verbrauchsmenge 2000 an, so kann es sein dass ein günstiger Tarif nur bis just zu dieser Grenze auch am günstigsten ist. Leicht kann der Verbrauch im kommenden Jahr höher sein. Dann kommt es darauf an, wie teuer man die mehr verbrauchte Menge bezahlt.

Wählt man aber die Verbrauchsangabe zu großzügig, wählt man unter Umständen einen zu teuren Tarif. Im schlimmsten Fall ist es ein Paketangebot, bei dem man am Ende Strom bezahlt, den man gar nicht verbraucht hat.

Allzu genau sollte man indes auch nicht kalkulieren wollen. Denn so exakt hat man den Stromverbrauch eines Jahres nicht im Griff. Es empfiehlt sich, wenn sich die Voraussetzungen nicht verändert haben, etwa 50 bis 100 Kilowattstunden auf den den Vorjahresverbrauch draufzurechnen. Wer die Verbrauchsabrechnungen mehrere Jahre noch besitzt, kann einen typischen Wert zugrunde legen.

Ein Bonus-Problem

Ein weiteres Problem sind Boni, die neue Kunden erhalten. Lässt man diese vom Vergleichsrechner einkalkulieren, so ist das Ergebnis häufig ein anderes als ohne den Bonus. Die Stromanbieter rechnen diese Prämien in die Preise ein und setzen darauf, dass die meisten neuen Kunden nicht nach Ende der Vertragslaufzeit kündigen.

Wer also aus dem Anbieterwechsel keinen Sport machen will, sollte besser auf den Bonus verzichten, weil er am Ende womöglich mehr zahlt. Alternativ kann man sich schon beim Wechsel notieren, bis wann man den neuen Vertrag spätestens gekündigt haben muss. das hängt von Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist ab, die äußerst unterschiedlich sein können.

Aber auch dann muss man aufpassen. Denn einige Boni werden nur nach einer bestimmten Vertragslaufzeit gewährt. Wer dann zu früh kündigt, verliert womöglich einen Teil des Bonus und die Rechnung geht wieder nicht auf.

Hat man letztlich dann doch einen passenden Stromtarif gefunden, kann man diesen immerhin recht einfach über das Vergleichsportal abschließen. Diese sind einem hohen Konkurrenzdruck ausgesetzt, so dass sie mit exklusiven Lockangeboten versuchen, neue Kunden zu gewinnen.

Daher ist es möglich, über ein Vergleichsportal bessere Konditionen zu erhalten als direkt beim Anbieter. Andererseits erhalten die Portale für die Kundengewinnung Provisionen. Daher sollte man genau darauf achten, ob der besonders empfohlene Tarif wirklich (der) günstig(ste) ist - oder womöglich nur dem Portal die höchste Provision bringt.

Dabei kann es helfen, mehrere Portale auszuprobieren. Zeigen aber zwei Portale exakt die gleiche Ergebnisliste ist es wahrscheinlicher, dass hinter zwei Internetseiten das gleiche Portal steckt als dass die Ergebnisse die absolute Preiswahrheit darstellen.

Für den neuen Tarif gibt es zudem ein paar Grundlagen für faire Bedingungen: Mehr als ein Jahr Laufzeit, und vor allem eine Kündigungsfrist von höchstens sechs Wochen, sollte er nicht haben. Man will schließlich eine Kostenkontrolle und keine Kostenfalle am Ende haben.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin (mho.)
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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