Forward-Darlehen

Immobilienkäufer sichern sich niedrige Zinsen

Von Kerstin Papon
 - 10:13

Die Bauzinsen in Deutschland sind historisch niedrig, auch wenn sie inzwischen ein Stück weit höher liegen als noch im Herbst 2016. Anders als in den Vereinigten Staaten wurden die Leitzinsen in Europa noch nicht erhöht, gleichwohl nehmen auch hier die Diskussionen über ein Ende der extrem lockeren Geldpolitik zu. Dieses Umfeld führt dazu, dass sich immer mehr Kreditnehmer die günstigen Darlehenszinsen längerfristig mit Hilfe eines Forward-Darlehens sichern wollen.

Nach Daten des Finanzdienstleisters Dr. Klein waren diese Kredite zuletzt so stark gefragt wie nie zuvor. Im Februar habe fast jeder fünfte abgeschlossene Kredit dieser Form der Anschlussfinanzierung entsprochen, mit der sich die Zinsen bis zu 66 Monate im voraus festschreiben ließen, sagt Michael Neumann, Vorstand von Dr. Klein.

Erfahrungsgemäß wachse bei Kreditnehmern das Interesse an Forward-Darlehen, wenn sie steigende Zinsen erwarteten. Dabei hätten sich die Renditen von Pfandbriefen und Staatsanleihen, an denen sich Bauzinsen tendenziell orientierten, in den vergangenen Wochen leicht nach oben bewegt.

Nach Daten des Finanzdienstleisters FMH kostet ein Hypothekendarlehen mit für zehn Jahre festgeschriebenen Zinsen derzeit im Bundesdurchschnitt 1,41 Prozent. Im Oktober waren es im Tief nur 1,03 Prozent. Aber selbst diesen Wert können Kreditnehmer noch immer finden. Bei den von FMH ausgewählten Finanzinstituten reicht die Spanne aktuell von 0,99 bis rund 2 Prozent.

Zum Vergleich: Noch im Jahr 2000 müssten für einen solchen Kredit im Durchschnitt 6,6 Prozent an Zins bezahlt werden. Sind die Zinsen 15 Jahre lang fest gebunden, dann müssen Bauwillige laut FMH aktuell durchschnittlich mit einem Zinssatz von 1,89 Prozent rechnen. Hier waren es im Oktober zeitweise nur 1,45 Prozent.

Solide Finanzierungen

Aus den Daten von Dr. Klein ist überdies zu erkennen, dass der Beleihungs-Auslauf, also der Prozentsatz des Haus- oder Wohnungswertes, den der Kredit abdeckt, mit zuletzt 76,7 Prozent relativ niedrig ist. Dies lasse umgekehrt auf einen im Durchschnitt hohen Eigenkapitalanteil schließen und damit wiederum auf solide Finanzierungskonzepte, sagt Neumann.

Die durchschnittliche Darlehenshöhe sei leicht auf 191.000 Euro gesunken. Bemerkenswert sei zudem, dass viele Kreditnehmer derzeit in eine zügige Tilgung der Darlehen investierten. Dabei deute ein hoher anfänglicher Tilgungssatz auf das Ziel hin, den Kredit in möglichst kurzer Zeit zurückzuzahlen, und damit ebenfalls auf eine solide Finanzierung.

Im Februar überstieg demnach der durchschnittliche Tilgungssatz abermals die Marke von 3 Prozent. Im Durchschnitt wählten die Kreditnehmer eine Zinsbindung von 13 Jahren und vier Monaten. Die Daten basieren auf etwa 35.000 Transaktionen über rund 4 Milliarden Euro im Monat.

Quelle: F.A.Z.
Kerstin Papon - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Kerstin Papon
Redakteurin in der Wirtschaft.
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