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Wohungsmarkt

Die Eigentumsquote könnte sinken

Von Oliver Schmale
© dpa, F.A.Z.

Um Normalverdienern leichter den Kauf von Wohneigentum zu ermöglichen, hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln eine zeitliche Streckung der Grunderwerbsteuer und eine Senkung der Kaufnebenkosten vorgeschlagen. In Deutschland sei im Vergleich zu den Niederlanden ein höherer Kapitalbedarf notwendig, um sich Eigentum leisten zu können, sagte Michael Voigtländer, Leiter Kompetenzfeld Finanz- und Immobilienmärkte beim IW, bei einer Veranstaltung in Stuttgart.

Die Erwerbsnebenkosten für den Kauf einer Wohnung im Wert von 250.000 Euro, bestehend aus Maklergebühr, Notarkosten, Kosten für die Eintragung ins Grundbuch und der Grunderwerbsteuer, belaufen sich nach Angaben des Wissenschaftlers in Nordrhein-Westfalen auf knapp 29.000 Euro. In den Niederlanden hingegen betragen sie lediglich etwas mehr als 6500 Euro.

Als Gründe für den großen Unterschied führte Voigtländer niedrigere Gebühren im Nachbarland etwa für den Grundbucheintrag oder den Notar an sowie den Wegfall der Maklergebühr, die in den Niederlanden der Verkäufer zahlen müsse. Einen wesentlichen Unterschied gibt es in der Höhe der Grunderwerbsteuer. Sie falle in Deutschland deutlich höher aus, sagte er.

Höhe der Grunderwerbsteuer ist Ländersache

Deshalb sprach er sich für eine zeitliche Streckung bei der Zahlung der Steuer auf einen Zeitraum von zehn Jahren aus. Das Geld gehe dem Staat nicht verloren. Aber die zeitliche Staffelung entlaste den Käufer stark. Die Höhe der Grunderwerbsteuer ist Ländersache. Sie wurde in den vergangenen Jahren in vielen Ländern erhöht, um Haushaltslöcher zu stopfen. Ein Ende sei da nicht in Sicht. Auch die Finanzpolitiker der Union sprachen sich kürzlich in ihrer „Düsseldorfer Erklärung zur Finanzpolitik“ dafür aus, für Familien, die Eigentum erwerben wollen, einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer einzuführen.

Etwas mehr Menschen in Deutschland als früher haben laut einer Studie eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus. Zwischen 2011 und 2015 ist die Eigentumsquote nach einer Untersuchung des Verbändebündnisses „Wohn-Perspektive Eigentum“ zufolge bundesweit leicht gestiegen. Der Anteil derjenigen Haushalte, die ihr Wohneigentum auch selbst nutzen, liege aber weiterhin bei rund 45 Prozent.

In Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt wie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen leisten sich dagegen demnach immer weniger Menschen ein Eigenheim. Das gelte auch für 30- bis 40-Jährige, die eigentliche Generation der Häuslebauer.

„Wir brauchen neue Stadtviertel“

Es sei daher zu befürchten, dass bundesweit die Eigentumsquote sogar sinkt. Beauftragt wurde die Studie von einem Bündnis mehrerer Verbände, die sich für mehr Wohneigentum einsetzen. Sie forderten bessere Kreditkonditionen für junge Familien sowie eine bundesweite Absenkung der Grunderwerbsteuer auf einheitlich 3,5 Prozent. Wer erstmals Eigentum erwerbe, solle ganz von der Steuer befreit werden. Die „Speckgürtel“ am Rand von Metropolen müssten außerdem besser angebunden werden.

Nach Angaben der Bundesbank sind die Preise für Häuser und Wohnungen 2016 „spürbar“ und stärker als im Vorjahr gestiegen. Überdurchschnittlich hoch sei die Preisdynamik abermals in den sieben Metropolen gewesen, in denen sich Wohnraum schon in den Jahren zuvor am stärksten verteuert hatte: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart, schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht Februar. Auch die Wohnungsmieten in den Städten nahmen spürbar zu.

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Ein Teil der Preissteigerungen erklärt sich damit, dass gerade in Ballungsräumen Wohnraum stark gefragt ist. Käufern hilft, dass Immobilienkredite wegen der Niedrigzinsen extrem günstig sind. Die Bundesbank sieht die Preisentwicklung bei den Immobilien in den letzten Jahren mit Sorge. IW-Wissenschaftler Voigtländer sieht keine Anzeichen für eine Kreditblase in Deutschland. Er verwies darauf, dass der Kreditbestand in den letzten Jahren nur leicht gestiegen sei. Er sei nicht den gestiegenen Immobilienpreisen gefolgt. Ein Knackpunkt für ihn zur Bekämpfung der Wohnungsnot ist folgender Umstand: „Es fehlen nicht die Investoren, sondern Bauland.“ Deshalb müsse darüber nachgedacht werden, wie künftig vor allem Städte wie München oder Berlin erweitert werden könnten: „Wir brauchen neue Stadtviertel.“

Quelle: F.A.Z.
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