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Benzinpreise

Die neuen Benzinpreis-Tricks der Tankstellen

Von Christian Siedenbiedel
 - 14:06
Es wird für Autofahrer immer schwieriger günstig zu tanken. Bild: dpa, F.A.Z.

Die Zeiten am Tag, an denen Autofahrer günstig tanken können, haben sich offenbar zu deren Ungunsten verschoben. Das geht aus einer Analyse hervor, die der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) passend zum traditionell staureichsten Wochenende des Jahres vor dem 3. Oktober erstellt hat – und die dieser Zeitung exklusiv vorab vorlag. Die Kraftstoff-Fachleute haben vom 1. bis zum 31. August den Preis für Diesel und Super E10 an rund 14.000 Tankstellen in Deutschland im Tagesverlauf verglichen. Dabei haben sie für alle Wochentage relativ stabile Preismuster beobachten können. Statt der alten Regel „morgens teuer, abends billig“ sollten Autofahrer eine Preiskurve mit zwei Preisspitzen am Tag berücksichtigen (siehe Grafik).

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Die günstigste Zeit zum Tanken liegt demnach mittlerweile zwischen 21 und 22 Uhr, bei der Marke Jet bis 23 Uhr. Also im Vergleich zu früher relativ spät am Abend. Die Mineralölkonzerne haben nämlich unlängst eine zusätzliche Preisanhebung zum Feierabendverkehr in ihren täglichen Rhythmus integriert, die offenbar das ganze Preisgefüge zeitlich etwas verschoben hat.

Jetzt ist der Preisverlauf so: Aus der Nacht kommen die Tankstellen mit relativ hohen Preisen. Nachts haben viele geschlossen; die offenen können höhere Preise verlangen. Gegen fünf Uhr morgens beginnt der Preis zu fallen, weil eine Tankstelle nach der anderen aufmacht. Das geht so weiter bis etwa 11.30 Uhr. Dann beginnen die Preise wieder zu steigen. Kurz nach 13 Uhr ist der Höhepunkt erreicht. Dann fällt der Preis wieder bis zum späten Nachmittag, bevor es noch mal eine Preisspitze kurz nach 17 Uhr gibt. Diese zusätzliche Preisspitze hat dazu geführt, dass es abends später wird, bis ein günstiges Preisniveau erreicht ist. Anders als früher ist Benzin jetzt um 18 Uhr noch immer nicht wirklich günstig. Wann der Tiefstand erreicht wird, ist je nach Region und Tankstelle wohl etwas unterschiedlich. Im Durchschnitt ist das erst gegen 21 Uhr der Fall. Die abendliche Phase, in der Autofahrer günstig tanken können, ist also kürzer geworden als früher. Gegen 22 Uhr schließen dann viele Tankstellen, damit geht der Preis wieder nach oben. Am teuersten sind Benzin und Diesel laut ADAC in der Zeit zwischen zwei und fünf Uhr morgens: „Die Preise sind dann um mehr als zehn Cent höher als in der günstigsten Phase des Tages.“

Wissenschaftler der Frankfurter Goethe-Universität, die sich mit den seltsamen Preiszyklen an den Tankstellen („Intraday Edgeworth-Zyklen“) beschäftigen, hatten vorhergesagt, dass sich für Autofahrer die Zeit des günstigen Tankens am Abend (Ökonomen sprechen spieltheoretisch vom „Endgame“) verkürzen werde. Hintergrund sei die Strategie der Mineralölkonzerne, mehr Preiserhöhungen je Tag als bisher am Markt durchzusetzen (F.A.Z. vom 13. Mai). Der ADAC bestätigte jetzt die These: „Günstig Tanken wird schwieriger.“

Nach Angaben des Automobil-Clubs sind die Preissschwankungen am Tag jetzt größer als im Wochenverlauf. Die Bedeutung von Reisewellen etwa in den Sommerferien scheint für die Höhe des Benzinpreises nicht mehr so wichtig zu sein wie früher. Hingegen seien die Unterschiede je nach Marke weiter hoch; bisweilen sei es für Autofahrer aber schon wichtiger, wann sie tankten, als bei welcher Marke. Unmittelbar benachbarte Tankstellen etwa der eher günstigen Marke Jet und der eher teuren Marke Shell unterschieden sich häufig um Beträge in der Größenordnung von einem Cent je Liter. Bei weiter auseinandergelegenen Tankstellen könnten die Markenunterschiede mehrere Cent ausmachen.

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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