Bankgebühren

Abschied vom kostenlosen Girokonto

Von Christian Siedenbiedel
 - 08:40

Die Sparda-Bank Berlin verabschiedet sich zum 1.Oktober vom kostenlosen Girokonto – traditionell einem Markenzeichen der einst aus Eisenbahnerkassen hervorgegangenen Sparda-Banken. Künftig gibt es in dem Institut unterschiedliche Girokontomodelle mit monatlichen Gebühren von 1,50 Euro je Monat für das Online-Konto „Girokonto Direkt“ über 3,90 Euro je Monat für das „Girokonto Plus“ bis hin zu 11,90 Euro für das „andere Girokonto“, das auch Nichtgenossenschaftsmitgliedern offensteht. Lediglich das Konto „Jugend Giro“ für Kunden zwischen 10 und 26 Jahren ist künftig noch unentgeltlich – sowie Abrechnungskonten für Kredite.

Der Vorstandsvorsitzende der Bank, Frank Kohler, spricht in einer Videobotschaft an die Kunden zerknirscht von einem „schwierigen Prozess“, Vorstandsmitglied Rolf Huxoll gar von einer „Zäsur in der Geschichte des Unternehmens“. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Martin Laubisch führte aus, seit mehr als 25 Jahren kenne die Sparda-Bank das Girokonto nur in dem Ansatz als kostenloses Girokonto: „Jetzt kommt für uns eine Zeitenwende.“ Das Institut könne das wegbrechende Zinsergebnis aber ertragsseitig nicht mehr anders kompensieren.

Bis heute steht im „Wikipedia“-Eintrag zu den deutschen Sparda-Banken der fundamentale Satz: „Das Girokonto der Sparda-Banken ist für Mitglieder als Lohn-, Gehalts- oder Rentenkonto gebührenfrei.“ Dem müsste jetzt also eine Einschränkung hinzugefügt werden. Die übrigen elf Sparda-Banken wollen bei der Einführung von Kontoführungsgebühren allerdings wohl nicht mitziehen. Jede Sparda-Bank entscheide für sich, hieß es beim Sparda-Verband. Die Sparda-Bank Hessen beispielsweise bemüht sich sehr darum, hervorzuheben, dass bei ihr das Girokonto weiterhin kostenlos sei. „Für die Sparda-Bank Hessen ist das kostenlose Girokonto ein Markenzeichen und steht derzeit nicht zur Disposition“, sagte ein Sprecher. Die Bank schaltet sogar Anzeigen im Internet, in denen ein Bankkunde stolz sagt: „Mein Giro bleibt kostenlos.“

Gebührenfreie Girokonten fortan nur noch für Genossenschaftsmitglieder

Ärger mit ihrem kostenlosen Girokonto hatte hingegen zuletzt die Sparda-Bank West gehabt. Sie ist von der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs erfolgreich verklagt worden, weil sie ihr Girokonto als „kostenlos“ bewarb, obwohl für die zugehörige Girocard 10 Euro im Jahr verlangt wurden. Die Bank nennt das Konto jetzt „Hochleistungs-Girokonto“ und bewirbt die „günstige Kontoführung“.

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Die Berliner Sparda-Bank, mit rund 500.000 Mitgliedern eine der mitgliederstärksten Genossenschaftsbanken in Deutschland, hatte 2014 als eine der ersten auf die Negativzinsen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, reagiert. Damals teilte sie mit, weil die Bank keine Negativzinsen von Kunden erheben wolle, erhöhe sie die Gebühren. Das gebührenfreie Girokonto gebe es fortan nur noch für Genossenschaftsmitglieder mit regelmäßigem Gehaltseingang. Auch die Bankkarte kostete damals plötzlich extra (künftig nicht mehr), und die Kreditkarte wurde teurer. Der Chef des Sparda-Banken-Verbands verkündete seinerzeit: „Unseren Sparkunden sind Minuszinsen nicht begreiflich zu machen. Die schwäbische Hausfrau steht kopf, wenn sie fürs Sparen zahlen muss.“

Vor zwei Monaten klang das dann ganz anders. Die Sparda-Bank Berlin kündigte an, ein sogenanntes Verwahrentgelt für Tagesgeldkonten einzuführen. Vom 1.September an soll für Einlagen auf den Konten „Sparda Cash“ und „Sparda Cash Online“ ab einer Höhe von 100.000 Euro ein Verwahrentgelt in Höhe von 0,4 Prozent im Jahr fällig werden. Damit liegt die Schwelle dort in derselben Höhe wie bei der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee, die viele vermögende Privatleute zu ihren Kunden zählt, und bei der Volksbank Stendal. Bei der Sparda-Bank soll rund 1 Prozent der Kunden davon betroffen sein. Die Bank argumentiert, sie habe die Kosten, die ihr selbst durch die Negativzinsen der EZB entstünden, so lange wie möglich von den Kunden ferngehalten; jetzt gehe es einfach nicht mehr.

Girokonten werden teurer

Laut einer Befragung von 120 Banken durch das Beratungsunternehmen EY haben 32 Prozent in diesem Jahr bereits Gebühren für Privatkunden erhöht oder planen dies bis Ende des Jahres. Im Mittelpunkt stehe dabei das Girokonto, das bei 27 Prozent der Banken teurer wird.

Für Aufsehen mit ihren Kontoführungsgebühren sorgte jetzt auch die Raiffeisenbank im Taunus-Städtchen Oberursel. Die „Bild“-Zeitung berichtet, die Bank erhöhe die Kontogebühr um 900 Prozent. Wer bislang ein Privatkonto für 3 Euro im Monat in Anspruch genommen habe, solle künftig für ein „Full-Service-Konto“ mit diversen zusätzlichen Dienstleistungen 30 Euro zahlen. Lediglich das Online-Konto werde jetzt unentgeltlich. Die Bank trat dieser Darstellung entgegen. Es handele sich nicht um eine Preiserhöhung um 900 Prozent. Vielmehr hätten Kunden bislang für diverse Einzelleistungen rund um das Girokonto Gebühren gezahlt, die beim neuen Modell in den Grundpreis eingeschlossen seien. Im Durchschnitt hätten die betroffenen Kunden bislang gut 20 Euro im Monat gezahlt. Das wäre also eine Gebührenerhöhung um 50 Prozent. Die Umstellung der Kontomodelle auf eine Art „Flatrate“ sei sogar auf Kundenwunsch passiert, heißt es in einer Pressemitteilung: „Die Bank setzt damit Erkenntnisse um, die sie in mehreren Kundenzufriedenheitsumfragen gewonnen hat.“ Dort sei vorrangig eine „transparentere und leistungsbezogene Gebührenstruktur“ gewünscht worden. Wer wie bisher seine Bankgeschäfte in einer Geschäftsstelle abwickeln wolle, entscheide sich für das neue „Full-Service-Konto“. Für alle, die ihre Bankgeschäfte bereits heute zu großen Teilen über das Internet abwickelten, lohne sich das neue „Online only Konto“.

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Sparda-Bank: Abschied vom kostenlosen Girokonto
Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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