Unternehmenskredite

75.000 Arbeitsplätze durch Crowdfunding

Von Martin Hock
 - 15:44

Crowdfunding ist eine Nischen-Finanzierungsform. 2017 flossen in Deutschland rund 200 Millionen Euro in 632 Projekte, rund 63 Millionen davon an Unternehmen. Banken vergeben dagegen jedes Jahr rund 1,3 Milliarden Euro an Krediten an Unternehmen und Selbständige.

Was Wunder also, wenn das Crowdfunding von Unternehmen von außen noch immer ein bisschen wie eine Spielerei betrachtet wird, zumal dank der überwiegenden Finanzierungen von Neugründungen der Anteil der in Schieflage geratenen Finanzierungen einige Jahre später bei etwa 30 Prozent liegt.

17 Plattformen haben im vergangenen Jahr in Deutschland Finanzierungen vermittelt, doch 80 bis 90 Prozent des Geschäfts entfallen auf vier davon. Die größte davon ist seit 2015 die ursprünglich britische Funding Circle, die den früheren Platzhirschen Companisto und Seedmatch den Rang abgelaufen hat.

Ein möglicher Grund ist, dass Funding Circle gerade nicht auf Start-Ups setzt, sondern „ausschließlich etablierten Unternehmen, die hart für ihren Erfolg arbeiten“. Das Unternehmen sieht sich selbst als Finanzierer der „stillen Helden unserer Wirtschaft, die die dringend benötigte Schaffung von Arbeitsplätzen und Produktivität in den Volkswirtschaften ankurbeln, aber mit einem unfairen und zerrütteten Finanzsystem zu kämpfen haben“.

Nun hat Funding Circle durch das Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economics, die volkswirtschaftlichen Effekte seiner Finanzierungen in den vier Ländern untersuchen lassen, in denen die Plattform aktiv ist. Im Wesentlichen ist dies immer noch das Ursprungsland Großbritannien, auf das 2017 fast drei Viertel des Geschäftsvolumens entfallen, daneben machen die Vereinigten Staaten knapp ein Viertel aus. Auf Deutschland und die Niederlande entfallen weniger als 5 Prozent.

2017 allein seien 75.000 Arbeitsplätze in Unternehmen geschaffen und erhalten worden, die in diesem einen Beitrag von 4,4 Milliarden Euro zur Weltwirtschaft geleistet hätten. Auf 1,5 Milliarden Euro beziffert Oxford Economics die generierten Steuern. In Deutschland seien es immer hin 103 Millionen Euro Bruttoinlandsprodukt gewesen, mithin also 0,03 Promille, was in etwa dem Anteil an den Unternehmenskrediten entspricht.

Die bei Funding Circle durchschnittlich vergebenen Kreditsummen unterscheiden sich deutlich von denen der mehr auf Start-Ups fokussierten Start-Up-Finanzierungsplattformen. 2017 kamen über Funding Circle zwar mehr als drei Viertel der Crowdfinanzierungen von Unternehmens zustande. Jedoch wurde dadurch weniger als 40 Prozent des Kreditvolumens vergeben. Dagegen entfiel auf Kapilendo zwar nur jede zehnte Finanzierung, aber mehr als ein Fünftel des Volumens. Bei Companisto waren es mit nur 3 Prozent der Projekte ein Sechstel des Volumens.

Nach Angaben von Funding Circle liegt der Anteil der Kreditausfälle im britischen Geschäft nach drei Jahren Laufzeit bei etwas mehr als fünf Prozent. Das entspricht in etwa der Ausfallrate von als spekulativ eingestuften höherwertigen Anleihen (Bonitätsnote BB). Für Deutschland liegt die Ausfallrate bei etwas mehr als zehn Prozent.

Geschäftsführer Thorsten Seeger führt dies auf die Übernahme der Rocket-Internet-Gründung Zencap zurück: „Nach der Übernahme von Zencap und seinem bestehenden Portfolio Ende 2015 mussten wir zunächst eine weitreichende Anpassung unseres Geschäfts in Deutschland vornehmen. Die höheren Ausfallraten der Jahre 2014 und 2015 sowie des ersten Halbjahres 2016 spiegeln vor allem die frühe Kreditvergabe unter Zencap wider.“

Seitdem hätten sich Ausfallraten und Renditen ständig verbessert. Für die „Zencap-Zeit“ weist Funding Circle eine leicht negative durchschnittliche Rendite aus. Für 2018 erwartet man eine durchschnittliche Nettorendite zwischen 5 Prozent und 6 Prozent. Das liegt nahe an der britischen Rendite von 6,4 Prozent.

Im mehr Start-Up-konzentrierten Geschäft waren die Ausfallraten der Natur von Gründungen entsprechend mit rund 30 Prozent bisher höher. In Bonitätsklassen von Anleihen entspricht das eher einem Rating von „B-“, was drei bis vier Stufen schwächer ist.

Quelle: FAZ.NET
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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