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Hilfe für die Steuerfahndung

Auslandskonten fliegen auf

Von Dyrk Scherff
 - 17:49
Ding Dong: Die Steuerfahndung muss sich auf viele Hausbesuche einstellen. Bild: dpa, F.A.S.

Steuerflüchtlinge leben schon länger ungemütlich. Seit Jahren kooperieren die Staaten immer enger und erfolgreicher auf der Suche nach verheimlichten Auslandskonten. Die Schweizer Banken haben vielen unehrlichen Deutschen die Konten gekündigt. Am vergangenen Mittwoch sorgten bundesweite Durchsuchungen von verschiedenen Objekten für Aufsehen. Ziel waren Kunden der Bank UBS. Und gestern hat sich die Lage abermals verschärft.

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Denn am Samstag tauschten 50 Staaten der Welt erstmals Informationen über Finanzkonten von Ausländern elektronisch aus. Mit dabei ist natürlich Deutschland, aber auch ehemalige Steueroasen wie Liechtenstein, Luxemburg, Kaimaninseln und die Bermudas machen mit. Die Schweiz wird 2018 erstmals Daten übermitteln. Dann beteiligen sich mehr als 50 weitere Staaten am Informationsaustausch. Alle bei Deutschen beliebten Fluchtziele sind dann dabei.

Künftig die Angabe der Steuernummer bei Kontoeröffnung

Meldetag ist künftig immer einmal im Jahr am 30. September für Daten des Vorjahres. Gestern wurden also Kontoinformationen für das Jahr 2016 gemeldet. Übermittelt werden der Kontostand, Erträge wie Dividenden, Zinsen und Fondsausschüttungen und auch die Erlöse aus Wertpapierverkäufen – auch bei kleinen Summen. Erfasst sind alle Einlagen, Depots mit Aktien, Anleihen, Zertifikaten und Fonds, sowie Lebens- und Rentenversicherungen und Stiftungen, aber zunächst keine Termingeschäfte oder Immobilien. Die Daten werden von den ausländischen Banken mit Steuernummer und Kundenadresse an die jeweilige nationale Steuerbehörde weitergeleitet und von dort nach Deutschland.

Um die Bankkunden identifizieren zu können, müssen sie bei einer Kontoeröffnung im Ausland künftig die Steuernummer angeben und dabei auch mitteilen, wo sie steuerpflichtig sind. Bei bestehenden Konten muss die Bank das Heimatland anhand der Adresse, Telefonnummer oder anderer Indizien ermitteln. Bei Vermögen ab einer Million Dollar musste das bis Ende 2016 geschehen, darunter ist Zeit bis Ende 2017. Diese kleinen Vermögen werden also erst im kommenden Jahr gemeldet.

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Schwarze Zukunft für Steuerflüchtige

In Deutschland erhält das Bundeszentralamt für Steuern die Daten aus dem Ausland in einem weltweit einheitlichen Format. Es leitet sie dann an die lokalen deutschen Finanzämter weiter. Die gleichen die Informationen dann mit den Steuererklärungen der Kontoinhaber ab. Tauchen die Erträge dort nicht auf, bekommen die Betroffenen unangenehme Post, die Aufklärung verlangt. Oder in größeren Fällen stehen die Steuerfahnder gleich direkt vor der Tür. Wer dann auffliegt, zahlt Straf- und Verzugszinsen und riskiert bei höheren Summen Haftstrafen.

Es wird sich zeigen, ob die ausländischen Banken die deutschen Kunden lückenlos aufspüren, wie gut die deutschen Behörden mit der Datenflut zurechtkommen und ob sie jedes Mal prüfen, ob der Betroffene richtig erklärt hat. Aber die Entdeckungswahrscheinlichkeit ist nun sehr hoch. Wer jetzt noch mit einer Selbstanzeige liebäugelt, um Strafmilderung zu bekommen, muss sich beeilen. Ist die Tat erst einmal entdeckt, verliert die Anzeige ihre Wirkung. Wann das genau der Fall ist, ist umstritten. „Nach meiner Meinung ist die Tat bei einer Meldung im Rahmen des automatischen Informationsaustauschs nicht entdeckt, solange noch kein Abgleich mit den Steuerunterlagen des Steuerpflichtigen stattgefunden hat. Eine Rechtsprechung hierzu liegt jedoch noch nicht vor“, sagt Frank Aussendahl, Steuerberater und Partner bei KPMG in Frankfurt.

Wie lange es dauert, bis die Finanzämter die Daten ausgewertet haben, ist bisher unklar. Etwas mehr Zeit haben, wie erwähnt, die Besitzer kleiner Vermögen unter einer Million Euro, falls sie erst im nächsten Jahr gemeldet werden. Die Selbstanzeige sollte auch die Jahre bis 2015 umfassen. Denn meldet das Ausland hohe Erträge für 2016, werden die Finanzämter auch für die Vorjahre nachfragen. Auch Erben sollten die Steuersünden ihrer Eltern offenlegen, sonst machen sie sich strafbar.

Weitere Steuerflucht ist hingegen äußerst gewagt. Es mag kreative Köpfe geben, die noch sehr aufwendig ein neues Schlupfloch konstruieren können. Aber man muss sich fragen, ob die Kosten dafür nicht viel höher sein werden, als Steuern zu zahlen. Auch wer jetzt noch schnell sein Konto oder Depot schließen will, kommt zu spät: Das wird trotzdem gemeldet. Das Geld muss deswegen nicht tatsächlich aus dem Ausland abgezogen werden. Verheimlichen lässt es sich künftig aber nicht mehr.

Quelle: F.A.S.
Dyrk Scherff
Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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