Die Vermögensfrage

Für den Todesfall richtig vorsorgen

Von Daniel Mohr
 - 15:52

Der Tod ist gewiss, doch ungewiss die Stunde, wusste schon der Dichter Matthias Claudius. Meistens kommt der Tod unerwartet. Da der Tod für die Hinterbliebenen jedoch auch immer ein finanzieller Verlust ist, sollte er bei der Finanzplanung nicht außer Acht gelassen werden. Viel diskutiert wird über Erbschaften, an wen Haus und Hof übertragen werden. Viel bedeutsamer als die Betrachtung der Vermögenswerte ist in den meisten Fällen jedoch der Einkommensverlust, den es für die Hinterbliebenen zu verkraften gilt.

So summieren sich Rentenzahlungen von monatlich 2000 Euro nach zwanzig Jahren auf 480.000 Euro. Fällt die Rente des Verstorbenen überraschend früh weg, muss der Hinterbliebene ohne dieses Geld seinen Lebensunterhalt bestreiten. Die Kosten für Wohnung, Heizung und Strom reduzieren sich indes kaum. Allenfalls ein Teil des Einkommensverlustes wird durch die Witwenrente kompensiert. Hier sollten die Erwartungen aber nicht allzu hoch sein.

Kompletter Wegfall der Einkünfte

Grundsätzlich beträgt sie nach aktuellem Recht 55 Prozent der Rente des Partners. Hat der zum Beispiel 2000 Euro Rente bekommen, betrüge die Witwenrente 1100 Euro. Es werden allerdings allerlei Abschläge vorgenommen, die abhängig sind von den eigenen Einkünften des Hinterbliebenen.

Hat er keine eigenen Einkünfte, werden die 1100 Euro Witwenrente voll ausgezahlt. Hat er zum Beispiel selbst 1000 Euro Rente gehabt, werden davon zunächst 14 Prozent abgezogen und dann noch mal ein Freibetrag von derzeit 771,14 Euro in Westdeutschland. Somit verbleiben 88,86 Euro, die von der Witwenrente abgezogen werden, es bleiben also noch gut 1000 Euro Witwenrente. Hat der Hinterbliebene selbst auch 2000 Euro Rente gehabt, bleiben nach Abzug der 14 Prozent und des Freibetrags noch 948,86 Euro, die von der Witwenrente abgezogen werden müssen. Diese reduziert sich damit auf kümmerliche 151,14 Euro im Monat. Die deutsche Rentenversicherung bietet zu dem Thema kostenlose Beratungsgespräche und stellt auf Antrag auch Berechnungen an.

In der Regel ist davon auszugehen, dass wenn beide Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner gleich viel verdient haben, die Rente des Verstorbenen für das Haushaltseinkommen fast komplett verlorengeht. Hat der Verstorbene das niedrigere Einkommen gehabt, ist der komplette Wegfall der Einkünfte sogar fast gewiss. War er hingegen der Besserverdiener, bleibt eine Witwenrente übrig, die aber eben maximal 55 Prozent der alten Rente beträgt.

Vertragsguthaben vererbbar

Dieser veränderten Einkommensverhältnisse sollte sich bewusst sein, wer über Altersvorsorge nachdenkt. Zu einer gründlichen Bestandsaufnahme gehört aber auch, weitere schon bestehende Altersvorsorgeverträge zu prüfen, inwieweit sie einen Todesfallschutz vorsehen. Versicherer verkaufen gerne solche Mischprodukte, die viel für alle möglichen Lebenslagen versprechen und vor allem entsprechend teuer sind. Es lohnt also der Blick in bestehende Verträge, bevor weitere Absicherungen getätigt werden.

So sehen Riester- und Rürup-Renten automatisch einen Todesfallschutz vor Renteneintritt vor. Das Vertragsguthaben kann vererbt werden. Ehepartner und Kinder, für die noch Kindergeld bezogen wurde, können sogar die Zulagen behalten, sofern sie das Guthaben binnen zwölf Monaten in einen eigenen Riester-Vertrag überführen. Befand sich der Riester-Vertrag zum Todeszeitpunkt schon in der Auszahlphase, greifen keine gesetzlichen Regelungen, sondern es gelten die vereinbarten Versicherungsbedingungen.

Betriebsrente wichtiger Teil der Altersvorsorge

Bei einem Riester-Bank- oder Fondssparplan kann beim Tod vor dem 85. Geburtstag in der Regel das noch vorhandene Vermögen des Vertrages übertragen werden, an Ehepartner und Kinder, für die noch Kindergeldanspruch besteht wieder inklusive Förderung. Bei der typischen Riester-Rentenversicherung ist die Auszahlung hingegen von der im Vertrag verankerten Rentengarantiezeit abhängig.

Es gibt Verträge ohne vereinbarte Rentengarantie. Dann gehen beim Tod in der Auszahlphase die Hinterbliebenen leer aus. Wurde zum Beispiel eine Rentengarantiezeit von 20 Jahren vereinbart, erhalten die Hinterbliebenen bis zu diesem Zeitpunkt die monatlichen Zahlungen. Inklusive Zulagen passiert dies aber wieder nur, wenn die Hinterbliebenen einen eigenen Riester-Vertrag haben.

Ein wichtiger Bestandteil der Altersvorsorge ist für viele oft auch die Betriebsrente. Auch hier gibt es sehr unterschiedliche Ausgestaltungen des Todesfallschutzes. In einer betrieblichen Altersvorsorge, wie sie über Versorgungswerke organisiert wird, ist meist ein Todesfallschutz vorgesehen. Bei privaten Rentenversicherungen wiederum ist der Gestaltungsspielraum groß. Die Bedingungen sind höchst unterschiedlich. Es gibt Verträge ohne jeglichen Todesfallschutz. Das angesparte Vermögen fällt hier beim Todesfall der Versichertengemeinschaft zu. Dafür sind die Versichertenbeiträge niedriger, als wenn eine Vollauszahlung der angesparten Summe oder eine übertragbare lange Rentengarantiezeit vereinbart sind. Automatisch ist der Todesfallschutz in Kapital-Lebensversicherungen verankert, die gleichzeitig den Zweck der Altersvorsorge erfüllen.

Trennung von Risikoabsicherung und Altersvorsorge

„Alle sollten wissen, was in ihren Verträgen steht, leider ist dies aber nur selten der Fall“, sagt Michael Wortberg, Anwalt und Versicherungsfachmann der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Trete ein Todesfall ein, sei es für die Nachkommen oft kaum oder nur unter großem Aufwand möglich, alle Verträge zu finden und Ansprüche geltend zu machen. „Das kann die Hinterbliebenen richtig viel Geld kosten. Auf die Kulanz der Versicherer ist dabei nicht zu bauen.“ Wortberg empfiehlt daher, einen großen Versicherungsordner anzulegen, in dem alle entsprechenden Unterlagen sortiert aufbewahrt werden. „Im Idealfall gibt es ein Deckblatt und beschriftete Einlegebögen zur thematischen Sortierung. Wer das einmal angelegt hat, braucht später neue Schriftstücke einfach nur einzuheften.“

Nach der Bestandsaufnahme der Todesfallleistungen ist zu entscheiden, ob der Schutz ausreicht, zu groß oder zu klein ist. Kostspielige Überabsicherungen sollten gekündigt werden. Alle genannten Verträge sind zudem nicht die erste Wahl, wenn es um die Absicherung des Todesfallrisikos geht. „Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal zu einem Abschluss einer fondsgebundenen Kapital-Lebensversicherung geraten zu haben“, sagt Wortberg. „Das heißt aber bloß nicht, dass alte Verträge deshalb aufgelöst werden sollten.“ Dies seien zwar nicht die passrichtigen Verträge gewesen, aber gerade ältere Policen mit hohen Garantieverzinsungen, teilweise sogar noch mit Steuervorteilen, sollten unbedingt beibehalten werden.

Grundsätzlich raten Verbraucherschützer jedoch zu einer Trennung von Risikoabsicherung und Altersvorsorge. Für die Absicherung des Todesfallrisikos gelten die Risiko-Lebensversicherungen als die passenden Produkte. Sie versprechen nichts anderes, als im Todesfall einen vereinbarten Betrag zu zahlen. Tritt der Tod während der Laufzeit nicht ein, verfallen die Beiträge – wie bei allen Schadensversicherungen, in denen es zu keinem Schadensfall kam.

Risiko-Lebensversicherungen sind günstiger

Die Risiko-Lebensversicherungen sind deutlich günstiger als die Kapital-Lebensversicherungen, bei denen immer die gezahlten Beiträge als Ansparleistung für die Altersvorsorge dem Versicherten zustehen. „Wir empfehlen den Abschluss einer Risiko-Lebensversicherung, sobald ein Absicherungsfall eintritt, in der Regel also nach der Geburt des ersten Kindes“, sagt Wortberg. „Die Höhe sollte dem vierfachen des Jahresnettoeinkommens der Person entsprechen, die jemanden abzusichern hat“, sagt Wortberg.

Am höchsten sollte die Leistung sein, wenn kleine Kinder da sind, denn dann sind die Erwerbsmöglichkeiten des Hinterbliebenen zusätzlich eingeschränkt sind. „Aber auch wenn ein Elternteil in dieser Lebensphase wegen der Kindererziehung kein Arbeitseinkommen bezieht, sollte auch für diese Person eine Todesfall-Versicherung abgeschlossen werden, aus deren Leistung zum Beispiel eine Haushaltshilfe bezahlt werden kann.“ Die Leistungen aus der Risiko-Lebensversicherung können im Zeitablauf reduziert werden, zum Beispiel wenn die Kinder ihre Berufsausbildung abgeschlossen haben. In der Regel gilt der Grundsatz, dass Risiko-Lebensversicherungen nur dann nötig sind, wenn jemand zu versorgen ist, der dies nicht aus eigener Kraft leisten kann. Auch zur Absicherung der Finanzierung einer Immobilie gilt eine Risiko-Lebensversicherung als sinnvoll.

Ein Preis-Leistungs-Vergleich lohnt sich. „Bei Vergleichsportalen sollte beachtet werden, dass die Anbieter hier von den Provisionen der empfohlenen Versicherungen leben und keinen umfassenden Marktvergleich bieten“, sagt Wortberg. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bietet einen neutralen Vergleich für 25 Euro. Dazu ist ein im Internet verfügbarer Fragebogen auszufüllen und die Verbraucherzentrale liefert einen Vorschlag. Wer eine umfassende Beratung zu all seinen Versicherungen haben möchte, bekommt sie in einem etwa zweistündigen Gespräch für 75 Euro. „Wir haben in diesem Bereich auch eine soziale Aufgabe, das ist nicht kostendeckend“, sagt Wortberg.

Todesfallversicherung: Mehr als 100 Euro Beitrag im Monat

Je jünger der Versicherte bei Abschluss der Risiko-Lebensversicherung ist, desto günstiger ist auch die Police. Die Absicherung eines 35 Jahre alten Mannes für 20 Jahre mit einer Todesfallleistung von 150.000 Euro ist zum Beispiel schon für weniger als 10 Euro im Monat zu haben. Soll der Tod bis zum Renteneintritt abgesichert werden, steigen die Beiträge schon Richtung 20 Euro im Monat. Soll seine Familie bei einem Tod bis zum 75. Geburtstag Geld erhalten, steigt die Beitragssumme vom ersten Tag der dann auf 40 Jahre angelegten Versicherung auf 40 Euro im Monat. Der noch spätere Tod wird in der Regel nicht mehr versichert oder nur zu sehr teuren Konditionen.

Teuer wird es auch, wenn ein heute 55 Jahre alter Mann noch eine Todesfallversicherung für seine Hinterbliebenen abschließen will. Oft muss er schon mehr als 100 Euro Beitrag im Monat zahlen. Auch werden viele Versicherer ihn nicht ohne Gesundheitsprüfung versichern. Meist für kleinere Beträge sind Sterbegeldversicherungen gedacht, die den Nachkommen die hohen Kosten für Grab und Beisetzung erstatten sollen.

Hier wird auch beim Tod im hohen Alter gezahlt. Wer seine Nachkommen beim Tod im höheren Alter umfassender finanziell versorgt wissen will, sollte dies über angesammeltes Vermögen tun und die Begünstigten im Testament entsprechend nennen. Dies ist aber auch bei Versicherungsverträgen von hoher Bedeutung. Eindeutig ist der Fall bei der Witwenrente. In der gesetzlichen Rentenversicherung wird, falls vorhanden, der Ehepartner oder die Person in eingetragener Lebenspartnerschaft begünstigt. Kinder, für die noch Kindergeld bezogen wird, können Waisenrente erhalten. Andere bezugsberechtigte Personen für die gesetzliche Rente gibt es nicht.

„Die Rechtsprechung in diesen Fällen ist vielfältig“

Ehen, die erst kurz vor dem Tode abgeschlossen werden, gelten zudem in der Regel nicht. „Verstirbt ein Ehepartner binnen Jahresfrist nach der Eheschließung, muss in der Regel der Nachweis geführt werden, dass dies nicht vorhersehbar war“, sagt Martin Schafhausen, Anwalt für Sozialrecht und Mitglied im Geschäftsführenden Ausschuss der Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins. Juristen sprechen von Versorgungsehen. Sie spielen auch bei Betriebsrenten eine Rolle.

In privaten Rentenversicherungen mit Todesfallschutz wie auch in Kapital-Lebensversicherungen raten Juristen zu einer eindeutigen namentlichen Benennung der bezugsberechtigten Person. „Manche Leute ändern ihr Testament, vergessen aber, auch ihre Lebensversicherung entsprechend anzupassen“, sagt Jan Bittler, Fachanwalt für Erbrecht und Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. „Die Versicherer zahlen aber in der Regel an den im Vertrag Genannten, auch wenn der Verstorbene im Testament einen anderen Willen kundtut.“

Für die Erben werde es dann schwer, an das Geld zu kommen. „Die Rechtsprechung in diesen Fällen ist vielfältig“, sagt Bittler. Mit der namentlichen Benennung im Vertrag stellt der Verstorbene aber auch sicher, dass der Begünstigte Bezugsberechtigter ist und nicht Erbe. Die Versicherungsleistung wird so nicht Teil der Erbmasse, auf die auch andere Erben Ansprüche hätten.

Flexible, günstige und klare Produkte

Private Versicherungen wie die private Rentenversicherung oder eine Kapital-Lebensversicherung sind private Verträge. Es gilt die Vertragsfreiheit, und entsprechend kann der Versicherte dort jeden eintragen, den er im Todesfall gerne begünstigt sähe. Änderungen im Zeitablauf sind möglich. Dessen sollten sich auch der Ehepartner bewusst sein. Oft haben gerade die Ehefrauen nur eine sehr kleine eigene Altersvorsorge und sind daher auf die Einkünfte ihres Mannes angewiesen.

Die gesetzliche Rente sieht die beschriebene Witwenrente von 55 Prozent vor. Kommt es vorher zu einer Scheidung, stehen der Frau im Rahmen des Versorgungsausgleichs auch Rentenansprüche ihres Mannes zu. Oft reichen die Witwenrente oder der Versorgungsausgleich aber nicht. Es ist daher ratsam, frühzeitig, wenn möglich, auch eine private Altersvorsorge für denjenigen aufzubauen, der im Alter sonst kaum eine eigene Rente zu erwarten hätte. Mindestens 771 Euro im Monat werden nach derzeitigem Recht nicht auf die Witwenrente angerechnet.

Für den Aufbau der Altersvorsorge raten Fachleute vor allem zu flexiblen, günstigen und klaren Produkten, um im Bedarfsfall die Altersvorsorge unkompliziert und ohne hohe Kosten anpassen zu können. Sparpläne auf Indexfonds sind die erste Wahl. Wer Risiken aus Aktien und Anleihen scheut, kann auch Banksparpläne abschließen, die derzeit allerdings kaum verzinst werden. Auch im Rahmen von Riester-Renten gelten Fondssparpläne als sinnvoll. Sie werfen in der Regel höhere Renditen ab und sind meist wesentlich günstiger als fondsgebundene Riester-Versicherungen.

Quelle: F.A.Z.
Daniel Mohr  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Mohr
Redakteur in der Wirtschaft.
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