Die Vermögensfrage

Gebühren essen Rendite auf

Von Volker Wolff
 - 11:24
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Als die Finanzwelt noch heil war und die Zinsen nur selten unter fünf Prozent rutschten, hat niemand gemerkt, wie großzügig Versicherer und Fondsgesellschaften ihren Kunden Gebühren berechneten: Abschlusskosten in Höhe eines Jahresbeitrags oder mehr bei den Versicherern, Ausgabeaufschläge von fünf Prozent und Verwaltungskosten von zwei Prozent bei den Fonds waren kein besonderes Thema für die Anleger. Sie registrierten es kaum, weil die Kapitalmarktzinsen immer noch dafür sorgten, dass sie am Ende mehr herausbekamen, als sie hineingesteckt hatten – sofern sie überhaupt nachrechneten.

Dabei galt auch damals schon, dass die Kosten der böse Feind jeder Rendite sind. Das gilt besonders dann, wenn man einen längeren Anlagezeitraum betrachtet. Beispiel 10.000 Euro und 20 Jahre: Verzichtet der Verwalter des Vermögens darauf, dem Anleger jährlich eine Gebühr zu berechnen, werden bei fünf Prozent Ertrag, zum Beispiel bei entsprechenden Zinsen oder Dividenden, aus 10.000 Euro 26.533 Euro vor Steuern. Kassiert der Verwalter dagegen Jahr für Jahr zwei Prozent, stehen am Ende nur 18061 Euro auf dem Konto. Das sind mal eben 32 Prozent weniger. Und wenn das Ganze bei drei Prozent Ertrag durchgespielt wird, werden am Ende aus kostenfreien 18.061 Euro dürre 12.202 Euro.

Die Tabelle zeigt den Schwund bei unterschiedlichen Zins- und Kostensätzen. Und sie demonstriert, wie verheerend sich hohe Gebühren bei sehr niedrigen Zinsen auswirken: Das Vermögen schrumpft. Schrumpfende Vermögen? Was dereinst als graue Theorie daherkam, ist längst ein reales Bedrohungspotential. Zum einen, weil die Finanzbranche gegen die mickrigen Marktzinsen auch kein Zaubermittel hat, zum anderen, weil die jährliche Kostenbelastung schnell über drei Prozent des Vermögens liegt.

Erfolgsgebühren werden zum Ärgernis

Die Fondsgesellschaften beispielsweise sind nach wie vor findig, wenn es an die Begründung regelmäßiger Abzüge geht. Da gibt es Gebühren für das Managen der Fonds, für die Erstellung der Jahresberichte, für den Vertrieb, ja sogar für den Erfolg des Managements. Gerade diese Erfolgsgebühren entwickeln sich gelegentlich zum Ärgernis: Die Stiftung Warentest hat nachgeschaut und bei manchen Fonds selbst dann Erfolgsgebühren von 0,5 bis 1,0 Prozent der Anlagebeträge entdeckt, wenn die Fonds nicht einmal ihre Vergleichsindizes geschlagen hatten.

Gemanagte Aktienfonds sind teuer. Hier kommen an jährlichen Kosten meist zwischen 1,5 Prozent und zwei Prozent zusammen. Das Tückische dabei: Die Anleger sehen diese Gebühren nicht, weil sie dem Fondsvermögen entnommen werden und auf keinem Konto- oder Depotauszug stehen. Und nicht nur in Einzelfällen werden auch mehr als zwei Prozent gebucht. Es gibt sogar Fonds, die ihren Anlegern fünf Prozent berechnen. Jährlich, wohlgemerkt. Die Stiftung Warentest hat in ihrer Datenbank als teuersten Fonds den C-Quadrat ARTS Best Momentum mit 5,65 Prozent jährlichen Kosten identifiziert.

Und dann gibt es bei den Fonds auch noch die Ausgabeaufschläge. Die fallen zwar nur beim Erwerb der Anteile an, drücken aber auch auf das Ergebnis. Die immer noch oft eingesammelten Ausgabeaufschläge von fünf Prozent wirken über 20 Jahre wie eine jährliche Gebühr von knapp 0,3 Prozent. Über zehn Jahre ist die Wirkung höher. Sie entspricht dann einer Jahresbelastung von gut 0,5 Prozent. So kommt bei den Fonds eines zum anderen, und am Ende ist viel Geld versickert.

Kosten ramponieren Ergebnisse der Anleger

Bei Sparverträgen ist die Kostenfalle nicht minder groß. Wer monatlich 100 Euro in einen Fonds oder in eine Lebensversicherung steckt, riskiert durchaus einen Substanzverlust. Bei den Ratensparformen gibt es nämlich in der Regel sowohl Ausgabeaufschläge als auch laufende Gebühren. Die Ausgabeaufschläge heißen oft nur anders und sind nicht immer zu erkennen. Das gilt zum Beispiel bei den Lebensversicherern: Da heißen sie Abschlusskosten, haben viel mit den Provisionen für die Vertreter zu tun und betrugen 2014 nach Angaben ihres Verbandes 7,6 Milliarden Euro oder fünf Prozent der Beitragssumme neuer Verträge. Man liegt nicht so ganz falsch, wenn man diese fünf Prozent wie einen entsprechenden Ausgabeaufschlag bei Fonds bewertet. Ganz allgemein ramponieren die Kosten die Ergebnisse der Anleger.

Mit der überlegten Entscheidung für einen kostengünstigen Fondssparplan sichert sich der Sparer am langen Ende viel Geld: Aus 100 Euro im Monat werden bei einer günstigen Bank ohne Ausführungsgebühren und Depotkosten, geringen jährlichen Fondskosten von 0,5 Prozent und einem jährlichen Ertrag von 4 Prozent in 20 Jahren 34579 Euro.

Diese Kostenkonstellation passt auf einen mäßig preiswerten ETF-Sparplan. Bei einer teuren Bank oder Fondsgesellschaft werden aus einem vergleichbaren Fonds mit fünf Prozent Ausgabeaufschlag und zwei Prozent jährlichen Kosten nur 28.068 Euro. Die Gebühren haben 6511 Euro verschlungen. Genau das passiert bei den meisten Fondssparplänen von Banken und Sparkassen.

Es geht aber alles noch ein bisschen schrecklicher

Nicht viel besser, dafür aber etwas unübersichtlicher, ist die Sache bei den Lebensversicherern. Auch hier gibt es neben den Abschlusskosten auch einen Verwaltungsaufwand, der den Anlegern regelmäßig abgezogen wird. Der belief sich 2014 auf 2 Milliarden Euro oder 0,22 Prozent der gesamten Kapitalanlagen. Das sieht im Vergleich zu gemanagten Aktienfonds zunächst bescheiden aus, ist aber mit den Werten der Fonds nicht ganz vergleichbar: Die Bezugsgröße ist etwas zu groß, der Wert dementsprechend etwas zu klein. Außerdem gibt es bei den Werten der einzelnen Versicherer erhebliche Unterschiede. Kostengünstige Anbieter kommen mit weniger als der Hälfte dieser Kosten über die Runden, teure Anbieter brauchen weit mehr als das Doppelte dieses Durchschnittsatzes.

Mit anderen Worten: Eine jährliche Kostenbelastung von mehr als einem Prozent der Vermögensanlage ist auch bei den Versicherern nicht ausgeschlossen. Wenn dann der Garantiezins, wie derzeit bei neuen Verträgen, nur noch 1,25 Prozent beträgt, nimmt auch bei den Versicherern das Verlustrisiko konkrete Gestalt an. Es hat sich wegen der Provisionen bei den kurzlaufenden Verträgen längst realisiert.

Es geht aber alles noch ein bisschen schrecklicher. Dann nämlich, wenn teure Versicherer teure Fonds in ihre Lebensversicherungen packen. Dann belasten Versicherer und Fondsgesellschaft ein- und denselben Anleger gleichzeitig. Diese Art Vermögensanlage nennt sich fondsgebundene Lebensversicherung und erfreut sich bei den Versicherern größter Beliebtheit. Auch deshalb, weil sie von den Fondsgesellschaften Provisionen bekommen, die die Fondsgesellschaften den Anlegern als Gebühren anlasten.

Viele gemanagte Fonds scheitern an Vergleichsindex

Und dann? Hängt es vom Versicherer ab, ob er seinen Anlegern von diesen Provisionen etwas abgibt. Gesetzlich geregelt ist für die Versicherungsgesellschaften noch nichts, und so richtig transparent sind die Zahlungsströme auch nicht immer. Immerhin, manche Lebensversicherer teilen diese sogenannten Kick-backs mit ihren Kunden. Manche, nicht alle.

Und die Moral von der Geschichte? Der – vor allem in Österreich bekannte – Sparefroh lebt. Es hat nichts mit kleinkarierter Erbsenzählerei zu tun, bei der Vermögensanlage streng auf die Kosten zu achten. Es geht einfach um zu viel Geld. Und deshalb gilt im Zinstal mehr denn je: Indexfonds (ETF) sind viel preiswerter als aktiv gemanagte Fonds, Direktversicherer sind viel preiswerter als Lebensversicherer mit teurem Außendienst, und fondsgebundene Lebensversicherungen sind rausgeschmissenes Geld, wenn da nicht ein kostengünstiger Lebensversicherer ETF verwendet.

Und wenn die Berater von Banken und Sparkassen, die die ETF so ungern verkaufen, von den überragenden Erfolgen ihrer aktiv gemanagten Fonds reden, dann mag das im Einzelfall und kurzfristig stimmen. Sobald man aber länger als zwei Jahre hinguckt, werden die Ergebnisse der teuren Fondsverwalter eher trist. Aktuelle Studien belegen es wieder einmal: Nach drei Jahren schaffen es zwei Drittel der gemanagten Fonds nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen, nach fünf Jahren stehen drei Viertel der gemanagten Fonds auf der Verliererseite und nach zehn Jahren sind es vier Fünftel.

Quelle: F.A.Z.
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